Das Jahr 2024 hat wieder gezeigt: Der Klimawandel ist längst angekommen und bringt große Herausforderungen für den Agrarsektor mit sich. „Frost, Hagel, Sturm, Dürre und Überschwemmung machten der heimischen Landwirtschaft im abgelaufenen Jahr zu schaffen. Die Konsequenz ist ein Gesamtschaden in der österreichischen Landwirtschaft von 260 Millionen Euro, davon 60 Millionen Euro durch den Spätfrost Ende April, 150 Millionen Euro bedingt durch das Risiko Dürre und 50 Millionen Euro durch Hagel, Sturm und Überschwemmung“, weiß Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung.
Dramatisch sei, dass die kostenintensiven Wetterextreme – bedingt durch den menschengemachten Klimawandel – in Häufigkeit und Intensität weiter zunehmen. Dass die Naturkatastrophen den standortgebundenen Agrarsektor nicht nur im Sommer treffen, zeigen die wiederkehrenden Frostschäden im Frühjahr und auch die heurigen katastrophalen Überschwemmungsschäden im Herbst. Aber nicht nur die Pflanzenproduktion wird geschädigt, auch die Tierproduktion ist mit Tierseuchen konfrontiert, Stichwort Blauzungenkrankheit und Geflügelpest.
Frühe Blühphasen
Der Winter war überwiegend überdurchschnittlich warm, mit nur wenigen kalten Phasen, insbesondere im Januar. Der Februar stellte einen Rekord auf und war der wärmste seit Beginn der Messungen. Auch der Frühling war der wärmste in der 258-jährigen Messgeschichte. Besonders der März und die erste Aprilhälfte fielen durch extreme Wärme auf, mit dem frühesten „30 Grad-Tag“ am 7. April in Bruck an der Mur.
Die ungewöhnliche Wärme im Februar und März beschleunigte die Pflanzenentwicklung erheblich. Beispielsweise war die Marillenblüte die früheste seit Beginn der Aufzeichnungen und lag etwa vier Wochen vor dem Durchschnitt der Jahre 1961–1990. Auch die Apfelblüte war so früh wie seit 1946 nicht mehr.
Diese frühen Blühphasen führten in Kombination mit einer Kaltphase in der zweiten Aprilhälfte zu Spätfrostschäden, die besonders Obstkulturen und teilweise auch den Weinbau betrafen.
Rekordhitze
Der Sommer brachte ungewöhnliche Hitze. So war der August der wärmste in der österreichischen Messgeschichte. Das macht sich auch in der Anzahl an Hitzetagen (Tage mit mehr als 30 Grad) bemerkbar: Wurden in den 1980er-Jahren noch 13 Hitzetage am Standort Wien gemessen, so waren es heuer 52 Hitzetage – so viele wie noch nie.
Auch der Herbst fiel deutlich zu warm aus, mit überwiegend sehr milden und nur wenigen kalten Phasen, aber dann mit enormen Regenmengen. So wurde zum Beispiel in St. Pölten mit 447 Millimeter ein trauriger Niederschlagsrekord erreicht (der bisherige September-Niederschlagsrekord in St. Pölten lag bei 202 Millimeter im Jahr 1937). Zusammengefasst hat das heurige Jahr das bisher heißeste Jahr 2023 von der Spitzenposition verdrängt.
Schutz als Chance
„Wenn wir im Kampf gegen den Klimawandel nicht alle an einem Strang ziehen, wird ein Sommer wie der heurige in wenigen Jahrzehnten zu den kühleren zählen“, mahnt Weinberger. Während der Sommertourismus von der Hitze punktuell profitiert, steht die standortgebundene Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel vor enormen Herausforderungen, weil 80 Prozent des Ertrags vom Wetter abhängen. Damit ist auch die nationale Ernährungssicherheit durch Ernteausfälle gefährdet. Verschärft wird die Situation auch durch den weiterhin fahrlässigen Bodenverbrauch.
„Nicht der Klimaschutz ist eine Gefahr, sondern der menschengemachte Klimawandel und der hausgemachte Bodenverbrauch. Diese Fehlentwicklungen nehmen unseren Kindern die Zukunft. Daher wünsche ich mir für das neue Jahr eine ökologische Wirtschaftspolitik. Sehen wir Boden- und Klimaschutz als eine Chance für die Wirtschaft, für die Natur sowie für die kommenden Generationen“, so Weinberger.