„Die Branchen sind angespannt, die Wirtschaft ist angespannt“, sagt AMA-Marketing-Geschäftsführerin Christina Mutenthaler-Sipek mit Blick auf die aktuelle Marktlage. Die fortwährende Diskussion über hohe Lebensmittelpreise „hat uns allen entlang der Wertschöpfungskette geschadet“, ist sie überzeugt. Umso erfreulicher ist es, dass der Exportwert von österreichischen Agrarprodukten 2025 um 3,2 Prozent bzw. auf 13,04 Milliarden Euro gesteigert werden konnte. Der österreichische Agrar-Außenhandel hat sich im Langzeitvergleich vor allem wertmäßig, aber auch mengenmäßig stabil positiv entwickelt, wie aktuelle Zahlen zeigen. Besonders deutlich wird dabei: Österreich punktet im Export zunehmend mit hochwertig veredelten Lebensmitteln.
Fokus auf Deutschland und EU
Das Plus des Exportwertes um 3,2 Prozent steht einem Minus der Exportmengen um 3,7 Prozent gegenüber – diese gingen von 8,1 auf 7,8 Milliarden Tonnen im Vergleichszeitraum Jänner bis September zurück. Die Agraraußenhandelsbilanz lag im Beobachtungszeitraum laut den Zahlen der Statistik Austria (Zollkapitel 01–24) bei minus 1,9 Milliarden Euro.
Eine gemeinsame Agrarpolitik, internationale Zölle sowie anhaltende Herausforderungen in den Lieferketten haben den Fokus im Export weiter auf Europa gelenkt. Rund 90 Prozent der österreichischen Agrarprodukte gehen in europäische Märkte, 80 Prozent in EU-Länder. 60 Prozent werden in direkte Nachbarländer exportiert.
Österreichs mit Abstand wichtigster Handelspartner bleibt Deutschland. Mit einem Exportwert von 5,07 Milliarden Euro – ein Plus von 3,3 Prozent – entfallen nahezu 40 Prozent des gesamten Agrar-Exportwertes auf diesen Markt. Dem steht ein Importwert von 4,85 Milliarden Euro gegenüber, woraus sich eine positive Handelsbilanz von 220 Millionen Euro ergibt. Seit dem Jahr 2020 zeigt sich hier ein klarer Aufwärtstrend. „Zum sechsten Mal in Folge wird dieser Markt erfolgreich bearbeitet“, freut sich Mutenthaler-Sipek.
Insgesamt exportiert Österreich 10,47 Milliarden Euro in EU-Länder, weitere 1,28 Milliarden Euro in europäische Drittstaaten und 1,29 Milliarden Euro in den Rest der Welt.
Top-10-Exportländer
Ein Blick auf die einzelnen Absatzmärkte zeigt die klare Dominanz Deutschlands. Im Ranking der Top-10-Exportländer (Jänner bis September 2025) liegt Deutschland mit großem Abstand auf Platz eins, gefolgt von Italien und der Schweiz auf den Plätzen zwei und drei. Dahinter reihen sich Ungarn, die Niederlande, Tschechien, Frankreich, Polen, Rumänien und Slowenien auf Platz zehn. In allen Top-10-Märkten legte der Exportwert zu – am stärksten in Frankreich mit einem Plus von 12,7 Prozent.
Die USA scheinen erstmalig nicht unter den Top-10 auf – aus einem konkreten Grund, wie Mutenthaler-Sipek erklärte: Ein österreichischer Getränkehersteller verlagerte seine Produktion in die USA. Entsprechend verzeichnete die Warengruppe alkoholfreie Getränke (Energydrinks, Limonaden), die Nummer eins der erfolgreichsten Exportprodukte, ein Minus von 4,7 Prozent.
Ein Plus von 8,8 Prozent zeigt sich hingegen bei Fleischzubereitungen, die auf Platz zwei der Top-Exportprodukte liegen. Es folgen Obst- und Gemüsezubereitungen, Käse, diverse Lebensmittelzubereitungen, feine Backwaren, Rind- und Geflügelfleisch, Tierfutter sowie Milch und Rahm.
In Deutschland beliebt
Mit einem Blick auf den deutschen Markt erklärt Mutenthaler-Sipek: „Unsere hohe Qualität wird speziell in zwei großen Segmenten geschätzt, das sind einmal Wurstzubereitungen, Schinken, Speck und einmal Käse. Darauf konzentrieren wir uns als AMA-Marketing“, beschreibt die Geschäftsführerin die Zielsetzung ihrer Bemühungen für den deutschen Markt.
„Die Stärke der österreichischen Exportwirtschaft in Bezug auf veredelte Produkte ist hier sehr groß“, betonte auch Julia Göschelbauer, die bei der AMA-Marketing für Exportmarketing zuständig ist und auf die einzelnen Produktgruppen im Detail einging. Geschuldet sei das der Nähe, der Kaufkraft und der Essgewohnheiten der Deutschen. Beliebt sind vor allem sehr hochwertig produzierte Lebensmittel im Fleisch- und Milch-, aber auch Obst- und Gemüsebereich.“ Hier hat man es sich seitens der AMA-Marketing zum Ziel gesetzt, diese Produkte mit dem AMA-Gütesiegel und AMA-Biosiegel auf dem deutschen Markt sichtbar zu machen.

Appetit auf Austro-Lebensmittel
„Die Deutschen kommen immer mehr auf den Geschmack“, berichtet Göschelbauer mit Blick auf Würste, Speck und Fleischzubereitungen. Bei relativ konstanten Preisen konnte in diesem Segment ein wertmäßiges Plus von 8,8 Prozent und ein mengenmäßiges Plus von 6,7 Prozent erzielt werden. Beim Käse fiel die Entwicklung noch deutlicher aus: plus 13 Prozent im Wert und plus 10 Prozent in der Menge. Als Treiber nennt die Expertin den Trend zu proteinreichen Lebensmitteln. Besonders Skyr, der in diese Kategorie fällt, wirkte sich hier positiv aus.
Ein weiterer Trend, nämlich jener zu Convenience-Produkten, verhalf Obst- und Gemüsezubereitungen zu einer positiven Entwicklung. Eingelegtes Gemüse, Marmeladen, Kompott & Co. stiegen im Wert um 6,7 Prozent im Vergleichszeitraum – auch wenn die Absatzmenge mit minus 2,9 Prozent leicht nachgelassen hat. „Die langfristige Entwicklung zeigt hier insbesondere wertmäßig nach oben“, so Göschelbauer.
Ein besonders starkes Wachstum verzeichnen Backwaren. Der Exportwert stieg um 20,9 Prozent, die Menge um 18,4 Prozent. „Für den Export sind vor allem süße und salzige Snacks schlagend, aber auch Feinbackwaren oder Waffeln.“ Rund zehn Prozent entfallen auf frisches Brot und Gebäck.
Fleischmärkte unter Druck
Geflügelfleisch ist ein Trendprodukt unter den Fleischarten und europa- wie weltweit stark gefragt. „Gleichzeitig haben wir aber einen Produktionsrückgang aufgrund der immer wieder auftretenden Wellen der Vogelgrippe“, sagt Göschelbauer. Trotz des erhöhten Inlandsbedarfs konnte Österreich 3,3 Prozent mehr Geflügelfleisch nach Deutschland exportieren, was einer Wertsteigerung von 14,3 Prozent entspricht. Das hohe Plus ist auf die eingeschränkt verfügbare Menge und eine erhöhte Nachfrage zurückzuführen.
Im Rinderbereich gehen die Bestände europaweit zurück, was sich deutlich auf das Preisniveau auswirkt. Die exportierte Menge sank um mehr als ein Viertel (minus 26 Prozent), während der Preis um mehr als zwei Euro stieg. Dadurch erhöhte sich der Exportwert dennoch um 6,4 Prozent. Hohe Produktionskosten sowie steigende Futtermittel- und Energiepreise sorgten hier für zusätzlichen Druck. „Aber die Betriebe haben die Preise gebraucht, damit sie überleben können“, erklärt Mutenthaler-Sipek. Dennoch müsse man mit weiteren Betriebsschließungen rechnen.
Sichtbar machen der Herkunft
„Wir als AMA-Marketing unterstützen gezielt verschiedene Exportaktivitäten“, so Göschelbauer. Im Fokus stehen dabei nachvollziehbare Herkunft, Qualität und Regionalität. „Wir wollen die Sichtbarkeit von österreichischen Lebensmitteln in Deutschland verstärken.“ Zum Einsatz kommt ein Maßnahmenmix aus Aktivitäten am Point of Sale, Messeauftritten, Fachveranstaltungen und weiteren Events. Mit den AMA-Genussregionen rückt zudem die Regionalität stärker in den Mittelpunkt – ein Aspekt, der auch für Touristen, für die Österreichs Kulinarik eine wichtige Rolle spielt, von Bedeutung ist.
Das AMA-Gütesiegel nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Besonders im Milchbereich gehe es um klar definierte Kriterien und deren Anerkennung. Die Kennzeichnung „Tierhaltung Plus“ sei für den deutschen Markt extrem wichtig gewesen. „Weil die Vorgabe ist, es muss das Siegel drauf sein, das die Kriterien erfüllt“, erklärt Mutenthaler-Sipek. Mittlerweile sei das Siegel in Deutschland sehr präsent. „Das Gleiche wollen wir mit dem Bio-Siegel erreichen.“
Auch im Zusammenhang mit den Bedenken österreichischer Konsumenten gegenüber dem Mercosur-Abkommen setzt Mutenthaler-Sipek auf Transparenz, Qualität, Herkunft und ein starkes Gütesiegel. „Dadurch hat der Konsument klare Sicherheit, woher die Produkte kommen – und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nicht nur ein bisschen, sondern zu 100 Prozent.“









