Gründegg: Anfängerfreundlicher Pulvertraum mit Zugabe

Das Gründegg zwischen Klein- und Großarltal wird im Winter normalerweise von Süden aus bestiegen. Eine etwas längere, dafür deutlich einsamere Skitour führt über die Großwildalm von Norden auf den wunderbaren Aussichtsgipfel.

Trotz der verhältnismäßig geringen Höhe findet man beim Nordanstieg auf das Gründegg oft unverspurtes Gelände und feinsten Großarltal-Pulverschnee. In Kombination mit dem Penkkopf (2.011 m) und – wenn es die Verhältnisse zulassen – der Gabel (2.037  m) bekommt man hier herrliche Abfahrten über anfängerfreundlich geneigte Almhänge geboten. Doch das Schneeloch muss man sich erst mit einem langen Forststraßen-Zustieg verdienen.

Zur Großwildalm

Ausgangspunkt dieser Skitourenvariante auf das Gründegg ist der Parkplatz Breitenebenalm (1.215 m). Trotz des großzügigen Platzangebotes sollte man an schönen Tagen nicht allzu spät dran sein. Der Parkplatz ist gleichzeitig der Startpunkt der beliebten Skitouren-Klassiker auf die Gabel und den Penkkopf. Mit Letzterem teilt man sich nicht nur die Parkmöglichkeiten, sondern auch den Weg bis zur Großwildalm (1.778 m).

Der Aufstieg dorthin verläuft zunächst über weite Strecken entlang einer Forststraße. Lediglich ein paar Kehren – wie zum Beispiel bei der Breitenebenalm (1.420 m) – können durchs Gelände abgekürzt werden. Nach rund drei Kilometern verlässt man die Forststraße (1.706 m) und quert einen landschaftlich traumhaften Kilometer südwärts zur Großwildalm (1.778 m). Hier beginnt der Anstieg im Gelände.

Gipfelkamm des Gründegg
Gipfelkamm des Gründegg © Daniel Kubera

Auf den Gipfel

Nach einer kurzen Steilstufe verlässt man (auf ca. 1.830 m) den fast immer gespurten Aufstiegsweg zum Penkkopf und begibt sich in ein meist relativ ruhiges Eck. Hier kann es schnell passieren, dass man selbst spuren muss. Aber die Orientierung ist nicht besonders schwierig. 

Man steuert immer südwärts auf die Nordflanke des Gründeggs zu, bis sich nach einer kleinen Steilstufe rechter Hand ein wunderschöner Graben öffnet. Dieser führt – nach oben hin steiler werdend – auf den Westrücken des Gründeggs. Mit dem Gipfelkreuz im Blick geht es die letzten 110 Höhenmeter aussichtsreich zum höchsten Punkt. Je nach Verhältnissen kann die Querung oberhalb des steilen Südhangs des Gründeggs etwas mühsam (abgeblasen oder vereist) sein.

Aufstiegsweg mit Blick Richtung Gründegg
Aufstiegsweg mit Blick Richtung Gründegg © Daniel Kubera

Am Gipfel angekommen, sind jedoch alle Mühen schnell vergessen. Man wird vom Blick in die Hohen Tauern und hinüber zum Draugstein großzügig belohnt.

Abfahrt vom Gründegg

Variante 1: Bei einer sicheren Lawinenlage kann man als erfahrener Tourengeher direkt über die steile Nordostflanke des Gründeggs abfahren. 

Variante 2: Freunde von Genusstouren und Anfänger wählen die gemäßigte Abfahrt entlang des Aufstiegsweges durch die herrliche Mulde. Diese Variante ist ebenfalls sehr lohnend. In der Mulde liegt oft feinster Pulverschnee, in dem man seine Spuren ziehen kann.

Gegenanstieg Penkkopf

Auf rund 1.935 m endet der erste Teil der Abfahrt auch schon wieder und es beginnt der kurze Gegenanstieg auf den Südrücken des Penkkopfs. Also heißt es Felle aufziehen und mit der Sonne im Rücken die rund 70 Höhenmeter aufsteigen. Oben angekommen kann man sich entscheiden, ob man beinahe eben zum Gipfelkreuz wandern oder jederzeit links Richtung Großwildalm abfahren möchte. Das Geniale am Penkkopf ist die unglaubliche Länge seines Westhangs. Hier findet man so gut wie immer noch Platz für die eigene Spur. 

Blick vom Penkkopf in die Aufstiegsmulde
Blick vom Penkkopf in die Aufstiegsmulde © Daniel Kubera

Penkkopf – oder doch Gabel

Der Nachteil der Abfahrt über die Westhänge des Penkkopfs ist der Weiterweg zurück ins Tal. Denn der verläuft wie der Aufstiegsweg auf der Forststraße. Skifahrtechnisch deutlich lohnender präsentieren sich die offenen Hänge der Gabel, über die man ebenfalls zur Breitenebenalm schwingen kann. Um in deren Genuss zu kommen, muss man jedoch den Penkkopf überschreiten, nach dem Gipfelkreuz in einen Sattel abfahren und danach am Verbindungskamm wieder etwas Richtung Gabel aufsteigen. So oder so ist die Abfahrt im oberen Bereich einfach genial.

Kleiner Tipp: Unterhalb der Breitenebenalm muss man nicht mehr die Forststraße nehmen. Auf 1.350 m zweigt links die Skiabfahrt zurück zum Parkplatz ab (mit einem Wegweiser angeschrieben). Diese hat in der Regel mehr Schnee als die Straße und man muss mit keinem Gegenverkehr rechnen.

Breitenebenalm
Breitenebenalm © Daniel Kubera

Fazit

Der Nordanstieg auf das Gründegg ist eine herrliche, bei guten Verhältnissen durchaus anfängerfreundliche Skitour. Im Grunde gibt es nur wenige Steilstufen im Aufstieg, das Abfahrtsgelände ist meist gutmütig geneigt. Wenn es die Schneelage zulässt, empfiehlt sich auf jeden Fall die Tour über Penkkopf und Gabel zu einer Runde zu erweitern. Die Abfahrt auf der Forststraße ist nicht unbedingt die lohnendste Variante. Da erscheinen die offenen Westhänge der Gabel deutlich einladender.


Toureninfos

  • Lage: Österreich/Salzburg/Radstädter Tauern
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Breitenebenalm (1.215 m)
  • Höhenmeter & Distanz: 1.100 hm; 14,4 km
  • Höchster Punkt: 2.168 Meter
  • Schwierigkeit gemäß SAC-Skitourenskala: wenig schwierige Skitour (WS)
  • Schlüsselstelle: Der steile Ausstieg aus der Mulde

AusgabeRZ05-2026

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