Die Auferstehung des LASK

Mit einer beispiellosen Aufholjagd hat sich der LASK zu einem Anwärter auf den Meistertitel gemausert. Vor Beginn der Frühjahrsrunde erklärt Sportdirektor Dino Buric das Erfolgsrezept.

Dass der Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, gehört zu den üblichen Floskeln der Branche. Doch der LASK hat der Plattitüde in dieser Saison ganz neue Vitalität verliehen. Nach neun Spielen standen die Linzer mit sieben Punkten auf dem vorletzten Platz in der Tabelle und mussten sich mit dem Thema Abstiegskampf auseinandersetzen. Als sich die Bundesliga kurz vor Weihnachten in die Winterpause verabschiedete, war der LASK Zweiter – sieben Siege aus acht Spielen mit einem Torverhältnis von 15:4 machten es möglich. „Wir müssen nicht lange drumhe­rumreden: Didi Kühbauer hat uns neues Leben eingehaucht“, sagt Sportdirektor Dino Buric. „Dank ihm haben wir den Turnaround geschafft.“

Dem liegt eine der bemerkenswertesten Rückholaktionen zugrunde, die es in der Geschichte der Liga bisher gab. Denn eigentlich ging der LASK voller Hoffnung und Zuversicht mit João Sacramento in die Saison. Ein 36-jähriger Portugiese, der sich unter legendären Trainern wie José Mourinho oder Christophe Galtier als Assistent einen Namen machte und nun als Chefcoach so richtig durchstarten sollte. Doch das Vorhaben misslang auf ganzer Linie, die Mannschaft fand unter ihm nie in die Spur.

Nicht die beste Entscheidung

Als Sacramento dann (offiziell aus Loyalität zu einem seiner Co-Trainer, der vom Verein freigestellt wurde) zurücktrat, erinnerte man sich beim LASK daran, mit Didi Kühbauer schon mal erfolgreiche Zeiten erlebt zu haben. In der Saison 22/23 führte er das Team mit einem starken Punkteschnitt von 1,78 auf Rang drei und in die Europa League, trotzdem folgte nach der Spielzeit die Trennung. „Im Nachhinein gesehen sicher nicht unsere beste Entscheidung“, gibt Buric heute zu. 

Doch die Konstellation hatte einen kleinen Haken: Kühbauer stand mittlerweile beim WAC unter Vertrag, machte die Kärntner zum Cupsieger 2025 und bastelte im Lavanttal an einer Mannschaft, die sich langfristig in den Top 6 der Liga etablieren sollte. Allerdings hatte er auch eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag, die es ihm ermöglichte, bei entsprechenden Angeboten eine neue Herausforderung anzunehmen. Das machten sich die Oberösterreicher zunutze und schlugen zu.

LASK-Sportdirektor Dino Buric
Dino Buric ist seit Mai 2025 Sportdirektor des LASK. © APA-Images/Harald Dostal

Damals gab es durchaus Stirnrunzeln ob des fliegenden Wechsels des ehemaligen Nationalspielers. Heute weiß man: Es war für beide Seiten eine goldrichtige Entscheidung. Kühbauer stellte das Spielsystem auf Dreier- beziehungsweise Fünferkette um, verschob Spieler auf Positionen, die besser zu ihnen passen. Und er warf sein größtes Asset in den Ring: eine klare Ansprache, bei der jeder um seine Aufgabe weiß. „Wer Didi kennt, weiß: Da wird nichts ummantelt oder beschönigt, er spricht die Dinge an, wie sie sind“, erklärt Buric das Rezept des Burgenländers. „Aber natürlich haben uns auch die Ergebnisse in die Karten gespielt, um das am Boden liegende Selbstvertrauen der Spieler wieder aufzubauen.“

Das kann man wohl sagen. Vor seinem ersten Spiel – ausgerechnet gegen Rapid, wo er als Trainer und Spieler zu einer Kultfigur wurde – baute Kühbauer die halbe Mannschaft um. Und startete eine Serie von sechs Siegen in Folge. Das ist in der Geschichte der Bundesliga noch keinem Trainer gelungen, der während der laufenden Saison eine Mannschaft übernahm. Und die Konkurrenz staunte, wie es sein kann, dass ein Team, das bis dahin gehemmt und planlos wirkte, plötzlich derart auftrumpfen kann. „Das hätte uns Anfang Oktober sicher niemand zugetraut“, sagt Buric.

Fans träumen vom Titel

Und die Frage ist: Was ist dem LASK, der die Fans in der vor drei Jahren eröffneten Raiffeisen Arena emotionalisiert wie lange nicht mehr, noch zuzutrauen? Gerade einmal drei Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Red Bull Salzburg vor dem Start der Frühjahrsrunde, und nicht wenige Anhänger träumen schon davon, den Meisterteller auf die Gugl zu holen. Das gelang in der langen Geschichte des Vereins erst einmal, und zwar 1965, als man sich als erster österreichischer Titelträger, der nicht aus Wien kommt, feiern lassen durfte. 

„Wir wissen genau, wo wir herkommen und dass wir gut beraten sind, demütig zu bleiben.“

Dino Buric

Doch auf solche Gedankenspiele wollen sich weder Kühbauer noch Buric einlassen. „Wir wissen genau, wo wir herkommen und dass wir gut beraten sind, demütig zu bleiben“, betont Buric. „Es sind noch fünf schwere Runden zu spielen bis zur Ligateilung, der Vorsprung auf Rang sieben (Anm.: der erste Platz, der nicht zur Teilnahme an der Meistergruppe berechtigt) beträgt auch nur vier Punkte. Wenn wir nicht hart und konsequent weiterarbeiten, kann es auch wieder ganz schnell in die andere Richtung gehen.“

Interne und externe Verstärkungen

Anzeichen, dass diese Sorge berechtigt ist, gibt es allerdings nicht. In der Vorbereitung wurden vier von fünf Spielen gewonnen, im ÖFB-Cup gelang am vergangenen Freitag der Einzug ins Halbfinale. Und das gegen den Lokalrivalen Blau-Weiß Linz, was die Euphorie der Fans weiter anheizen dürfte. Außerdem wurde mit dem Niederländer Xavier Mbuyamba in der Winterpause ein Innenverteidiger geholt, um auf dieser Position noch breiter aufgestellt zu sein. „Ein sehr besonnener und intelligenter Spieler, der schon ein bisschen was hinter sich hat“, sagt Buric. Und spielt damit darauf an, dass der 23-Jährige nicht nur im Nachwuchs bei Topklubs wie Chelsea oder Barcelona engagiert war, sondern auch mit einem Defibrillator spielt, nachdem bei ihm bei einer Vorsorgeuntersuchung Herzprobleme festgestellt worden waren. „Wir haben ihn ausgiebig durchgecheckt, der Defibrillator ist eine Vorsichtsmaßnahme. Er ist in unserer medizinischen Abteilung in guten Händen.“

Und vielleicht gibt es ja sogar so etwas wie einen internen Neuzugang. Denn die im vergangenen Sommer aufsehenerregende Leihe von Nationalspieler Saša Kalajdžić von den Wolverhampton Wanderers hat sich im Herbst noch nicht ausgezahlt, meist saß der 28-Jährige auf der Bank. „Mit ihm wird aber noch zu rechnen sein“, glaubt Buric. „Er kam ja aus einer langen Verletzung, wir wollten ihm bewusst die Zeit geben, sich wieder heranzuarbeiten. Die Vorbereitung macht mich jedenfalls sehr optimistisch.“ 

Die Galavorstellung von Kalajdžić im Cupspiel am vergangenen Freitag (ein Tor, ein Assist) untermauert diese These. Und zeigt, wie schnelllebig der Fußball eben wirklich manchmal sein kann – in die eine oder andere Richtung.

AusgabeRZ06-2026

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