Die Getreideernte ohne Mais wird in Österreich heuer auf 2,5 Millionen Tonnen geschätzt. Das entspricht einem Rückgang von fast 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2025. „Die Witterung hat damit deutliche Spuren bei den Erträgen hinterlassen“, betont Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria, bei der AMA-Pressekonferenz zur Getreideernte 2026. Inklusive Mais rechnet Griesmayr mit einem Ertrag von 4,5 Millionen Tonnen bis zum Herbst, – „mit einem großen Fragezeichen, wie sich die Herbstkulturen wirklich entwickeln werden. Es kann sein, dass die Prognosen noch einmal nach unten revidiert werden müssen“, gibt er aufgrund des auch weiterhin ausbleibenden Niederschlags zu bedenken.
Weniger Körner durch Trockenheit
Betrachtet man den 5-Jahres-Durchschnitt, so liegt die heurige Ernte (ohne Mais) 14,4 Prozentpunkte darunter. Begründet wird dieser wenig erfreuliche Wert mit den widrigen Wetterbedingungen während fast aller Entwicklungsphasen. Auf einen niederschlagsarmen Herbst mit trotzdem guten Anbaubedingungen folgte ein trockener Winter. „Dann hat es sich aufgeschaukelt“, fasst Griesmayr die Wetterentwicklung zusammen. Denn mit März, April und Mai manifestierte sich die Trockenheit, was sich direkt auf die Zahl der Ähren pro Quadratmeter ausgewirkt hat. Gleichzeitig wurden aufgrund der fehlenden Niederschläge weniger Körner pro Ähre ausgebildet. Dadurch konnte zumindest die Qualität gesichert und „die Ertragsdepression bereits von der Pflanze vorweggenommen werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende.
Grundsätzlich fielen die Auswirkungen von Dürre und Hitze auf die verschiedenen Kulturen unterschiedlich aus. Frühere Kulturen, wie etwa die Wintergerste, „konnten die Kornfüllungsphase noch sehr gut meistern, beim Weizen gab es dann schon erste Schäden“, sagt Griesmayr.
Auch regional beobachtet man große Unterschiede. Laut GeoSphere Austria fiel in der ersten Jahreshälfte 2026 um 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. In manchen Teilen Österreichs war die Lage noch weitaus angespannter – wie etwa im niederösterreichischen Rabensburg. Nur 130 Millimeter Niederschlag in sieben Monaten – ein Wert, der unter normalen Bedingungen in einem Monat erreicht wird – wurde dort dokumentiert. „Da ist Steppe, dementsprechend starke Ertragsrückgänge bzw. Totalausfälle“ müssen die Bauern der Gemeinde hinnehmen, sagt Lorenz Mayr, Vorsitzender des Verwaltungsrats der AMA.
Historischer Tiefststand
Was die Dürre in Zahlen bedeutet, wird bei mehreren Kulturen deutlich. Die Erntemenge von Weichweizen, der den Großteil des Getreideanteils ausmacht, wird voraussichtlich 1,2 Millionen Tonnen betragen – ein Minus von 22,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Rückgang ist allerdings nicht nur auf die Trockenheit, sondern auch auf einen Rückgang der Anbaufläche um 5.000 Hektar zurückzuführen. „Wir haben bei Getreide ohne Mais einen historischen Tiefststand“, sagt Griesmayr. Die Anbaufläche beträgt aktuell 501.692 Hektar.
Die Flächen für Roggen wurden um 2.700 Hektar ausgeweitet, bei einem Ernterückgang von 7,1 Prozent. Den größten Flächenzuwachs bei klassischem Getreide verzeichnet man bei Wintergerste (plus 4.471 Hektar) – doch auch hier steht ein Minus von 7 Prozent vor dem Ertrag (132.000 Tonnen). Trotzdem übertrifft die heurige Mahlgetreideernte (insgesamt 1,5 Millionen Tonnen) den Bedarf der österreichischen Mehl- und Backwarenwirtschaft voraussichtlich deutlich.

Blick in den Herbst
Die Zuckerrübenfläche verzeichnet heuer nach dem massiven Flächeneinbruch im Vorjahr (–18.413 Hektar) mit einem Minus von 4.119 Hektar erneut einen starken Rückgang und sinkt auf ein historisch niedriges Niveau von 20.900 Hektar. Die Auswirkungen der Trockenheit sind auch hier sichtbar, aber: „Die Zuckerrübe ist von allen Kulturen die einzige, die das Potenzial des Regens noch nutzen kann“, sagt Mayr.
Nachdem bei Raps 13 Jahre in Folge Flächen verloren gegangen sind, ist heuer wieder ein leichter Zuwachs (700 Hektar) zu sehen – bei einem Ernteminus von 7,7 Prozent. Der Flächenrückgang ist auf die Schädlingsproblematik – verstärkt durch den Klimawandel – vom Anbau bis zur Ernte zurückzuführen. „Dabei wäre gerade Raps eine wichtige Kultur“, betont Mayr mit Blick auf aktuelle Krisen und fehlenden Treibstoff. „Unsere Ölfelder blühen und brennen nicht.“ Mitte August startet der Anbau von Raps für das kommende Jahr – auch das eine Herausforderung für die Bauern, sollte der Regen weiterhin ausbleiben.
„Wir schauen mit großer Sorge in den Herbst“, sagt Mayr. Mais wird vielerorts bereits jetzt zu Tierfutter siliert, weil teilweise keine Kolbenausbildung möglich war. Da auch der Almabtrieb aufgrund trockener Wiesen mancherorts schon einen Monat früher stattfindet, wird das Futter für die längere Stallperiode gebraucht.
Bei Sojabohnen, die zwar gut geblüht, aber aufgrund fehlenden Niederschlags immer wieder ihre Hülsen abgeworfen haben, erwartet Mayr ebenfalls keine großen Erträge.
Auch die Erdäpfelfelder seien mittlerweile so dürr, dass auch möglicher Regen keine Verbesserung mehr bringe, so Mayr. Aktuelle Probegrabungen lassen eine Erntemenge von maximal 15 Tonnen pro Hektar erwarten.
Herausforderung und Chance
Wie die gesamte Landwirtschaft sind auch die Getreidebauern mit hohen Produktionskosten, wie steigenden Treibstoff- und Düngemittelpreisen, konfrontiert. Zudem sind die Märkte aufgrund geopolitischer Krisen sehr volatil. „Wir haben aktuell Produktionskosten von 300 Euro pro Tonne Weizen“, so Mayr. Dem steht ein Erlös von 200 Euro gegenüber. Lorenz Mayr plädiert daher für eine Anpassung der Preise, um die Versorgungssicherheit durch die Bauern auch weiterhin zu gewährleisten.
Diese ist heuer trotz der geringeren Erntemenge gegeben – dank der sehr guten Qualitäten, die auch die Analyseergebnisse der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung belegen. Mehr als 70 Prozent des Weizens konnte in Premiumqualität geerntet werden, was eine gute Vermarktung in Aussicht stellt. Die Versorgung mit heimischen Brot- und Backwaren ist also gewährleistet, zeigt sich Günter Griesmayr zufrieden: „Auch unter den schwierigen Bedingungen des heurigen Jahres haben es die Bauern geschafft, die Versorgung sicherzustellen.“








