Die betriebliche Altersvorsorge wird in Österreich ausgebaut. Ab dem Jahr 2028 wird der Zugang zur Firmenpension erleichtert, indem die Möglichkeiten der Abfertigung Neu mit dem Pensionskassensystem besser verzahnt werden. Arbeitnehmer können künftig entscheiden, ob sie beim bisherigen Modell der Abfertigung Neu mit einer Garantie und eingeschränkten Veranlagungsmöglichkeiten bleiben oder in das neue Modell („Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft“) ohne Kapitalgarantie und einer kapitalmarktorientierten Veranlagung bis zur Pension wechseln. Damit gehen ein längerfristiger Veranlagungshorizont und tendenziell auch bessere Renditenmöglichkeiten einher. Eine Auszahlung ist abgesehen von bestimmten Härtefällen im neuen System zum Pensionsantritt vorgesehen. Dann kann man zwischen einer Einmalauszahlung, die mit 6 Prozent versteuert wird, oder einer lebenslangen, steuerfreien Zusatzpension wählen.
Umfassende Stärkung nötig
Valida-Vorstand Philipp Mayer begrüßt grundsätzlich die beschlossene Reform der betrieblichen Altersvorsorge, „die neue Vorteile für unsere Kunden“ eröffnen werde. Sie stelle zwar einen wichtigen, aber zu kleinen Schritt dar. „Um eine ausgewogenere Balance zwischen Umlageverfahren und Kapitaldeckung bei der Pensionsfinanzierung zu gewährleisten, ist eine deutlich umfassendere strukturelle Stärkung der betrieblichen Vorsorge erforderlich“, betont Mayer.
Die Altersvorsorge in Österreich fußt auf drei Säulen, wobei die staatliche Pension, die erste Säule, die überwiegende Hauptlast trägt. Zusätzlich gewinnen die betriebliche und private Altersvorsorge, die zweite und dritte Säule, an Bedeutung und sollen für die Beibehaltung des gewohnten Lebensstandards beitragen. Ein Schritt in diese Richtung soll nun die Reform der zweiten Säule bringen.
„Erstmals bekommen alle Erwerbstätigen in Österreich die Möglichkeit, sich eine lebenslange betriebliche Zusatzpension aufzubauen“, erklärt Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensions- und Vorsorgekassen. Bisher hatten diese Möglichkeiten im Wesentlichen nur Beschäftigte von Arbeitgebern, die einen Pensionskassenvertrag für ihre Mitarbeiter abgeschlossen hatten. Vom Pensionskassensystem profitieren österreichweit aktuell etwas über 1 Million Menschen. Künftig soll das Potenzial durch die Reform auf etwa 4 Millionen steigen.
Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl bezeichnet die Reform als wichtigen Schritt: „In Zukunft gibt es die Möglichkeit, die vom Arbeitgeber ohnehin eingezahlten Beiträge aus der Abfertigung Neu kostenlos und steuerfrei in eine Pensionskasse zu übertragen.“ Damit werde allen Arbeitnehmern die Chance auf eine lebenslange Zusatzpension eröffnet. Sobald das neue Modell bekannter werde und sich etabliere, könne man über nächste Ausbauschritte der betrieblichen Altersvorsorge nachdenken.








