Konjunktur: Zwischen Reformdruck und Zuversicht

Beim achten Wirtschaftsforum der Raiffeisenbank Region Schallaburg beleuchtete Ökonom Christoph Badelt die wirtschaftlichen Herausforderungen Österreichs.

Nach einer langen Schwächephase zeichnen sich für Österreichs Wirtschaft erste Anzeichen einer Erholung ab. Doch die grundlegenden Probleme bleiben bestehen. Darauf verwies Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrates, der beim Wirtschaftsforum der Raiffeisenbank Region Schallaburg die Herausforderungen der kommenden Jahre skizzierte.

Das Interesse war groß: Mit 120 Teilnehmenden war die Veranstaltung vollständig ausgebucht. Für Obmann Dietmar Schöner steht beim Wirtschaftsforum der genossenschaftliche Mehrwert im Mittelpunkt. Neben der Vermittlung von Wissen gehe es darum, Menschen zusammenzubringen, den Austausch zu fördern und neue Perspektiven zu eröffnen.

Erholung mit Hindernissen

Badelt beurteilt die Entwicklung der heimischen Konjunktur vorsichtig optimistisch. Laut aktueller WIFO-Prognose dürfte die österreichische Wirtschaft heuer um 0,9 Prozent und 2027 um 1,3 Prozent wachsen. Vor allem die Industrie zeigt erste Erholungstendenzen, während Konsum und Investitionen weiterhin schwach bleiben. Insgesamt sei die wirtschaftliche Stimmung im Land schlechter als die tatsächliche Lage.

Die leichte konjunkturelle Erholung dürfe allerdings nicht über die strukturellen Probleme hinwegtäuschen. Als wesentliche Belastungen nannte Badelt die gestiegenen Lohnstückkosten, hohe Energiepreise und den ­zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck. Insbesondere China dränge längst nicht mehr nur in die Automobilindustrie, sondern zunehmend auch in traditionelle Stärkefelder der österreichischen Industrie. „Es geht daher darum, immer mehr Nischen zu finden“, so Badelt.

„Konsolidieren, ohne die Zukunft kaputtzusparen.“

Christoph Badelt

Hinzu kommen Schwächen bei der Produktivitätsentwicklung und eine rückläufige Arbeitszeit pro Kopf, unter anderem durch den steigenden Anteil an Teilzeitbeschäftigten. Weiters ortet Badelt einen Mangel an Risikokapital: „Es ist ökonomisch ungesund, wie hoch die Bankenfinanzierung von Unternehmen in Österreich ist. Es wäre volkswirtschaftlich besser, wenn wir mehr privates Risikokapital zur Finanzierung hätten.“

Auch im Bereich Forschung sieht Badelt Verbesserungsbedarf. Zwar werde viel investiert, gemessen an den Ausgaben würden aber zu wenige Ergebnisse in Form von Patenten und wirtschaftlichen Anwendungen erzielt. „Es ist nicht effizient, wenn man so viel zahlt und zu wenig rauskommt.“ Langfristig werde zudem der demografische Wandel den Fachkräftemangel weiter verschärfen.

Reformen statt Stillstand

Besonders deutlich wurde Badelt bei den Staatsfinanzen. Die öffentlichen Ausgaben seien in den vergangenen Jahren wesentlich stärker gestiegen als die Einnahmen. Ohne Gegenmaßnahmen drohe die Staatsschuldenquote weiter in Richtung 88 Prozent zu wachsen. Allein die jährlichen Zinszahlungen könnten innerhalb weniger Jahre von derzeit rund neun auf 15 bis 16 Milliarden Euro steigen. Geld, das dann für andere Aufgaben fehle.

Die zentrale Herausforderung bestehe darin, die öffentlichen Haushalte zu sanieren und gleichzeitig notwendige Investitionen zu ermöglichen. „Konsolidieren, ohne die Zukunft kaputtzusparen“, brachte Badelt es auf den Punkt.

Dafür brauche es tiefgreifende Strukturreformen. Insbesondere die steigenden Ausgaben für Pensionen, Gesundheit und Pflege würden die öffentlichen Haushalte langfristig belasten. Badelt sprach sich dabei für ein höheres Pensionsantrittsalter aus. Angesichts der steigenden Lebenserwartung könne nicht die gesamte zusätzlich gewonnene Lebenszeit in der Pension verbracht werden. „Das kann sich nicht ausgehen“, so der Ökonom. Im Gesundheitswesen gelte es, ineffiziente Strukturen abzubauen und die Planung zu verbessern. Auch bei den Förderungen brauche es eine bessere Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden.

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Wie sich diese Herausforderungen in der Praxis auswirken, zeigte eine Podiumsdiskussion mit Badelt, NÖ-Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Reiseunternehmer Simon Edtbrustner und Markus Zuser, Geschäftsleiter der RBR Schallaburg.

Edtbrustner verwies auf die steigenden Belastungen für Unternehmen. Hohe Lohn- und Energiekosten sowie eine ausufernde Bürokratie würden insbesondere kleine und mittlere Betriebe unter Druck setzen. Er forderte langfristiges politisches Denken, das sich an kommenden Generationen und nicht an Wahlterminen orientiert. 

Pernkopf betonte die Bedeutung der Versorgungssicherheit und einer stärkeren heimischen Energieproduktion. Österreich müsse seine Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren. Auch an einer Reform des Pensionssystems werde man nicht vorbeikommen.

Zuser unterstrich die zentrale Rolle der Banken, die als Teil eines stabilen Finanzsystems Vertrauen schaffen und zugleich die Verunsicherung der regionalen Wirtschaft unmittelbar spüren würden. Um wieder mehr Bewegung in die Wirtschaft zu bringen, brauche es neben entsprechenden Rahmenbedingungen auch eine positive Grundhaltung. Überbordende Bürokratie dürfe die Banken dabei nicht zusätzlich bremsen.

Zum Abschluss appellierte Badelt an die Politik, notwendige Reformen auch tatsächlich umzusetzen. Dafür brauche es allerdings Rückhalt aus der Bevölkerung. „Wir können den Pack an Problemen nur lösen, indem wir selber anpacken und auch wirklich den Politikern das Backing geben: Sie sollen sich was trauen“, so der Ökonom.

AusgabeRZ43-2026

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