Ernte: Trockenheit setzt Herbstkulturen unter Druck

Während die Getreideernte trotz Trockenheit noch akzeptable Mengen und gute Qualitäten brachte, fällt die Bilanz bei den Herbstkulturen deutlich schlechter aus.

Das Erntejahr 2026 hinterlässt tiefe Spuren in der heimischen Landwirtschaft. Zu wenig Niederschlag und hohe Temperaturen prägten weite Teile der Vegetationsperiode. Besonders hart traf die Trockenheit jene Kulturen, die lange auf den Feldern standen: Mais, Sojabohnen, Sonnenblumen, Kartoffeln, Kürbis und Zuckerrüben. 

„Bei Mais, Sojabohnen und Sonnenblumen befinden wir uns ertragsseitig deutlich in einer Verlustsituation“, bilanziert Werner Zumpf, Leiter Agrarhandel bei der RWA. Besonders betroffen sind Niederösterreich und Teile des Burgenlands, erhebliche Einbußen werden aber auch aus Oberösterreich und der Steiermark gemeldet. 

Beim bereits im Sommer geernteten Getreide fiel die Bilanz etwas besser aus. Die Produktion ohne Mais liegt laut AMA um 10,9 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Beim Weichweizen beträgt das Minus 15,6 Prozent. Positiv ist hingegen die Qualität: Der Anteil an Qualitäts- und Premiumweizen ist hoch, sodass die Versorgung der heimischen Mühlen mit Brotgetreide gesichert ist. Die guten Qualitäten eröffnen zudem Chancen im Export, insbesondere auf dem wichtigen italienischen Markt. 

Importbedarf bei Körnermais

Deutlich dramatischer präsentiert sich die Situation bei den Herbstkulturen. Bei Körnermais könnte die österreichische Gesamtmenge gegenüber dem Fünfjahresschnitt um knapp 30 Prozent sinken, bei Sojabohnen sogar um mehr als die Hälfte. Bei Kartoffeln wurden regional Ertragseinbußen zwischen 50 und 70 Prozent erwartet. In Oberösterreich liegen die Erträge bei Mais und Sojabohnen um 35 bis 40 Prozent unter dem guten Vorjahresniveau. 

Beim Körnermais verschärft sich die Situation zusätzlich durch den Futtermangel. Ein Teil des ursprünglich für den Markt bestimmten Maises wird direkt in der Tierfütterung eingesetzt und fehlt damit für die weitere Verarbeitung. Die Folge ist zusätzlicher Importbedarf – sowohl für die Futtermittelwirtschaft als auch für Verarbeiter, etwa in der Stärke-, Ethanol- oder Zitronensäureproduktion. 

Auch die Ölsaaten sind betroffen. Zwar wurde die Sonnenblumenfläche aufgrund attraktiver Preise ausgeweitet, die niedrigen Hektarerträge können dadurch aber nur teilweise kompensiert werden. Die Erntemenge könnte gegenüber dem Fünfjahresschnitt um mehr als ein Drittel zurückgehen. Beim Ölkürbis wird mit einem Minus von rund einem Fünftel gerechnet. Besonders schwierig ist die Situation bei Zuckerrüben: Neben einer auf rund 20.900 Hektar geschrumpften Anbaufläche drücken je nach Standort Ertragseinbußen von 30 bis zu 70 Prozent auf die Bilanz. 

Globale Märkte begrenzen Preisspielraum

Während Österreich und Teile Europas mit Ausfällen kämpfen, sind die internationalen Märkte grundsätzlich gut versorgt. Hohe Lagerbestände und gute Ernten in wichtigen Exportregionen begrenzen das Preissteigerungspotenzial. „Wir sind durch die Entscheidung, einen globalen Handel zuzulassen, auch mit globalen Preisen konfrontiert“, bringt Zumpf die Situation auf den Punkt. Umso wichtiger sei es, vorhandene Mengen bestmöglich zu vermarkten und zusätzliche Absatzmöglichkeiten zu erschließen. 

Hinzu kommen logistische Herausforderungen. Niedrige Wasserstände beeinträchtigen Transporte auf der Donau, während Bahn- und Lkw-Kapazitäten stärker nachgefragt werden und die Kosten steigen. Versorgungsengpässe werden dennoch nicht erwartet: Fehlende Mengen können innerhalb Europas oder über Importe aus Übersee beschafft werden. 

Kulturvielfalt, eine breitere Vermarktung und die Anpassung der Fruchtfolge werden künftig an Bedeutung gewinnen, weiß Zumpf. So könnten in besonders trockenen Regionen einzelne Kulturen zurückgedrängt und früher abreifende Alternativen an Bedeutung gewinnen. 

AusgabeRZ41-2026

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