Irankrieg trübt Aussichten

Der Irankrieg trifft die heimische Wirtschaft zu einer Unzeit und sorgt angesichts der gestiegenen Energiepreise für neue Konjunktursorgen.

Der Irankrieg kommt für die österreichische Konjunktur, die nach einer langen Rezessionsphase nur zaghaft an Fahrt gewinnt, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. „Dauert der Konflikt nur ein paar Wochen und steigen die Energiepreise nicht viel weiter und nachhaltig an, dürfte sich der konjunkturelle Schaden in Grenzen halten und die Inflation kaum zunehmen. Kommt es anders, dürfte das Wachstum heuer auf 0,5 Prozent halbiert werden und die Inflation mindestens einen halben Prozentpunkt höher ausfallen – 2,5 Prozent statt 2,0 Prozent“, erklärt Matthias Reith, Senior-Ökonom bei Raiffeisen Research. Eine Rezession erwartet der Wirtschaftsexperte allerdings nicht. Zugute komme der heimischen Konjunktur lediglich, dass die aktuellen Prognosen ohnehin nur eine verhaltene Investitions- und Exportdynamik unterstellen und damit die „Fallhöhe“ geringer sei als etwa in der Eurozone. 

Ein Déjà-vu des Energieschocks nach dem Ausbruch des Ukrainekrieges 2022 mit rekordhoher und weit über dem Euroschnitt gelegener Inflation droht nach Ansicht von Reith nicht unmittelbar, eine „Stagflation light“ hingegen schon. Am prognostizierten Rückgang der Inflation heuer im Jahresvergleich dürfte der Krieg im Iran nichts ändern, allerdings könnte er das Ausmaß entscheidend beeinflussen, denn er sei mit Blick auf die Entwicklung der Teuerung die größte Unbekannte.

Die aktuelle Prognose für die Jahresinflation 2026 von Raiffeisen Research in Höhe 2,0 Prozent enthalte noch keinen „Iran-Aufschlag“. Im Vorjahr hatte sie noch hohe 3,6 Prozent betragen. „Blieben die Energiepreise für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau, also das Rohöl um die 80 US-Dollar pro Fass, würde die Inflation heuer um bis zu 0,2 Prozentpunkte höher ausfallen“, sagt Reith. In einem Extremszenario für den Konflikt, der sich unter Umständen über mehrere Monate ziehen würde und substanzielle Folgen für die Energie- und Zivilinfrastruktur im Golf und eventuell auch darüber hinaus hätte, wären deutlich höhere Ölpreise von etwa 150 Dollar je Fass denkbar. Dann dürfte die Inflation auf Jahresebene um mindestens 0,5 Prozentpunkte höher ausfallen als derzeit erwartet. Danach sieht es aktuell aber nicht aus: US-Präsident Donald Trump stellte in einem Interview ein rasches Ende des Krieges in Aussicht und sorgte damit für einen Preisrutsch beim Erdöl.

Industrie besonders betroffen

Vor allem die ohnehin schwächelnde heimische Industrie, die stark in globale Wertschöpfungsketten eingebunden ist, dürfte unter den wirtschaftlichen Folgen besonders leiden, warnt die Wirtschaftskammer Österreich. Steigende Energiepreise infolge verunsicherter Märkte sowie mögliche Lieferkettenunterbrechungen setzen vor allem energieintensive Branchen wie Stahl, Chemie und Düngemittel massiv unter Druck.  Gleichzeitig könne eine schwächere Industrienachfrage Produktionsrückgänge auslösen und einen negativen Dominoeffekt für die heimische wie internationale Industrie nach sich ziehen. Aber auch der Tourismus ist betroffen: Flugausfälle und Unsicherheiten im internationalen Reiseverkehr stellen insbesondere Reisebüros und Veranstalter infolge der komplexen und volatilen Lage vor Herausforderungen.

AusgabeRZ11-2026

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