Leistung ist das Fundament für Wohlstand, Erfolg und sozialen Aufstieg. Doch was heute als Leistung gilt, verändert sich – darüber wurde beim Kärntner Konjunkturforum im Casino Velden diskutiert.
„Wir befinden uns in einer Zeit der Veränderung. Es geht um die Art, wie wir arbeiten, wie die Wertschöpfung heute funktioniert und wie Unternehmen wachsen – und diese Themen sind gerade im Fluss“, umriss Manfred Wilhelmer, Vorstandssprecher der Raiffeisen Landesbank Kärnten, die aktuellen Herausforderungen in der Wirtschaft. Während früher harte Arbeit und Produktivität im Zentrum des Leistungsbegriffs gestanden seien, gehe es heute mehr um Anpassungsfähigkeit, Innovationskraft und nachhaltiges Wirtschaften.
„Wir als Raiffeisenbanken sehen unsere Aufgabe darin, diesen Wandel aktiv zu begleiten und die Unternehmen dabei zu unterstützen – nicht nur als Kreditgeber, sondern auch als verlässlicher strategischer Partner“, so Wilhelmer. Denn Leistung erfordere Innovation und diese brauche Investition. „Leistung muss langfristig sein, wertschöpfend und nachhaltig. Besonders für die Kärntner Wirtschaft sind diese Effekte entscheidend“, strich Wilhelmer hervor.
Strategische Investitionen – etwa in Digitalisierung, Automatisierung, Forschung und neue Geschäftsmodelle – seien notwendig, um langfristig erfolgreich zu sein. Kärnten habe hier große Potenziale, etwa in der Holz- und Forstwirtschaft, in der Elektronik oder bei erneuerbaren Energien.
Österreichs Wirtschaft im Gegenwind
Raiffeisen-Chefanalyst Gunter Deuber zeichnete ein nüchternes Bild: Die heimische Wirtschaft steckt im dritten Rezessionsjahr. Für 2025 wird ein Rückgang des BIP um 0,7 Prozent erwartet. „Wir haben eine massive Verunsicherung am Wirtschaftsstandort – und der gilt es, Herr zu werden“, so Deuber. Das zeige sich etwa an der Sparquote der privaten Haushalte, die sich fast auf dem Corona-Niveau befindet.
Konsum, Investitionen und Export schwächeln. Dazu kommt eine sinkende Profitabilität der Unternehmen – steigende Energie- und Lohnkosten setzen viele unter Druck. Auch der Spielraum für Investitionen ist kleiner geworden. Deuber fordert von der Politik gezielte Maßnahmen wie eine zeitlich befristete Investitionsprämie. 2026 zeichne sich in Österreich ein gewisser Aufschwung ab. Sollte die Wirtschaft aber nicht in einen höheren Wachstumsgang umschalten, werde Österreich seinen BIP-Höhepunkt aus dem Jahr 2022 erst Ende 2028 bzw. 2029 erreichen, prognostiziert der Ökonom.
In Kärnten sei die Lage noch schwieriger, da die Industrie- und Exportquote besonders hoch ist. Die Inflation geht zwar zurück, bleibt aber leicht über 2 Prozent. Auch die Spielräume der EZB für weitere Zinssenkungen seien begrenzt. – für heuer könnte es nur noch eine weitere Senkung werden, anstatt der bisher erwarteten zwei Zinsschritte, so Deuber. Für 2026 steht im Raum, dass Zinssenkungen ausbleiben bzw. sogar leicht erhöht werden könnten. Der Kapitalmarkt habe schon sehr viel vorweggenommen, die langfristigen Renditen sind zuletzt auf fast 3 Prozent gestiegen.
Leistung braucht Wertschätzung
Wie sich der Leistungsbegriff gesellschaftlich verändert hat, erklärte Paul Eiselsberg, Senior Research Director bei IMAS: Viele Menschen zweifeln daran, ob sich Leistung noch lohnt – und ob sie ausreichend anerkannt wird. Eiselsberg identifiziert drei Schlüsselfaktoren, die den Leistungsgedanken entscheidend beflügeln: Motivation als innerer Antrieb, Aktion als konsequentes Umsetzen und ein Klima, das Leistung wertschätzt und fördert.
Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende des Halbleiterherstellers Infineon Technologies in Villach, sieht vor allem Verantwortung als Schlüssel: „Leistung hat damit zu tun, Verantwortung zu übernehmen und nicht auf andere zu warten.“ Engagement sei eine bewusste Entscheidung, etwas zu tun. „Betroffenheit oder Empörung hilft noch nicht. Und Kompetenz schließlich umfasst das Wissen darüber, was zu tun ist und wie es umgesetzt werden kann“, sagte die Infineon-Chefin.
Auch Unternehmensberater und Bildungsexperte Andreas Salcher betonte die Bedeutung von Selbstverantwortung, Teamgeist und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten: „Wer sich selbst nicht für super hält, wird nie ein Superheld.“