Zahlungsmoral wird schwächer

Unternehmen zahlen jede fünfte Rechnung in Österreich zu spät, zeigt eine Umfrage des Gläubigerschutzverbandes KSV1870.

Das Zahlungsverhalten in Österreich hat sich verschlechtert: 2026 wird jede fünfte Rechnung verspätet beglichen, im Vorjahr war es noch jede sechste. Gleichzeitig verlängert sich die Zahlungsdauer bei Firmenkunden um 4 auf 29 Tage, zeigen die Zahlen des Gläubigerschutzverbandes KSV1870.

„Ob der multiplen Krisen ist es gar nicht einmal ein so schlechtes Bild“, kommentierte Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH, die Entwicklung. Die schlechtesten Zahler in Österreich seien aber weder die Unternehmen noch die Konsumenten, sondern der Bund mit durchschnittlich 36 Tagen und die Länder mit 32 Tagen, während Gemeinden nach 27 Tagen bezahlen. Koch erinnerte daran, dass das gesetzliche Zahlungsziel bei 30 Tagen liegt. Insgesamt nehme das Forderungsmanagement zu. Auch der Gläubigerschutzverband erhalte zwar mehr Inkassoaufträge, die Einbringlichkeitsquote sei dennoch stabil. Dort, wo Preissteigerungen deutlich erkennbar sind, hinke die Einbringlichkeit offener Forderungen hinterher, so Koch weiter.

Als häufigste Gründe für den Zahlungsverzug nennen Unternehmen Liquditätsengpässe (45 Prozent), Ineffizienz der Verwaltung (43 Prozent), aber auch das Ausnützen einer Machtposition (35 Prozent). Privatkunden geben Vergesslichkeit (50 Prozent), ebenfalls Liquiditätsengpässe (43 Prozent) und vorsätzliches Nichtzahlen (29 Prozent) an. 49 Prozent der vom KSV1870 betriebenen Inkassoforderungen haben eine Höhe bis zu 200 Euro, 46 Prozent von 201 bis 3.000 Euro und 5 Prozent mehr als 3.000 Euro.

Konjunktur belastend

Das raue wirtschaftliche Umfeld trägt zur  schlechteren Zahlungsmoral bei. Die Stimmung in der österreichischen Wirtschaft ist bei vielen im Keller, zeigt der „Austrian Business Check“ des KSV1870. So haben im August 2026 lediglich 42 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage mit „sehr gut“ oder „gut“ eingestuft. Das sind um 5 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr und bedeutet den tiefsten Wert seit der Pandemie. Der Frust der österreichischen Unternehmer sei sehr hoch, kommentierte Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding, und ergänzte: „Die Inflation, der anhaltend schwache Konsum und die erneute Verschärfung der Öl- und Energiepreise haben dazu geführt, dass die Geschäftslage auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen ist.“

Während zwischen Herbst 2025 und Frühjahr 2026 noch punktuelle Verbesserungen zu beobachten waren, weise die Wirtschaftsentwicklung seit dem heurigen Frühjahr überwiegend nach unten, zeigt die KSV1870-Umfrage. Im Gewerbe (46 Prozent), im Dienstleistungssektor (44 Prozent) und ganz besonders im Handel (35 Prozent) hat sich die Situation in den vergangenen Monaten zunehmend verschärft. Einzig die Industrie (40 Prozent) konnte ihr niedriges Niveau zuletzt halten, wenngleich auch sie im Jahresvergleich an Boden verloren hat. Auf Bundesländerebene gibt es in Vorarlberg (55 Prozent) die meisten Betriebe mit einer positiven Geschäftslage, während Kärnten (35 Prozent) das Schlusslicht bildet. Beim Konsumverhalten berichten 51 Prozent der rund 1.000 im August befragten Firmen, dass Privatpersonen weniger Geld ausgeben als vor drei Jahren. Die Investitionsfreude der Unternehmen fällt ausgesprochen zurückhaltend aus.

Mehrheit erwartet Gewinn

Wie die aktuelle KSV1870-Umfrage zeigt, werden 55 Prozent der Unternehmen laut Eigenangabe das Geschäftsjahr 2026 mit Gewinn abschließen – im Gewerbe (61 Prozent) fällt dieser Anteil am höchsten aus. Während das Gesamtergebnis gegenüber dem Vorjahr ein leichtes Plus von einem Prozentpunkt bedeutet, ist im mehrjährigen Vergleich ein deutlicher Rückgang erkennbar: 2021 haben noch 63 Prozent mit Gewinn abgeschlossen. Darüber hinaus dürften 28 Prozent (2025: 25 Prozent) der Betriebe am Jahresende eine „schwarze Null“ erzielen – insbesondere die Industrie (32 Prozent) und der Dienstleistungssektor (31 Prozent).

„Gelingt es einem Unternehmen nur knapp, schwarze Zahlen zu schreiben, ist das ein Alarmzeichen. Denn in diesen Fällen könnte sich bei weiteren Preiserhöhungen, Umsatzverlusten oder gröberen Zahlungsausfällen rasch die Existenzfrage stellen“, warnt Vybiral. Weiters erwarten 9 Prozent (2025: 11 Prozent) am Jahresende einen Verlust, während bei den restlichen 8 Prozent der Ausgang noch offen ist.

AusgabeRZ42-2026

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