„Ein konstruktiver Dialog mit Aufsicht und Politik ist wichtig“

Eva Landrichtinger ist seit Ende 2025 neue Geschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung. Die zunehmende regulatorische Dichte sieht die Juristin und Ex-Kabinettschefin im Wirtschaftsministerium als eine der größten Herausforderungen für die Branche.

Sie sind seit 1. November 2025 Geschäftsführerin der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich. Wie ist Ihr Start verlaufen?
Eva Landrichtinger: Der Start war intensiv, aber sehr positiv. Ich habe in den ersten Wochen viele Gespräche geführt: mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche, aber auch mit Aufsicht, Politik und anderen Stakeholdern. Die Sparte ist gut aufgestellt, fachlich stark und breit vernetzt. Gleichzeitig haben aktuelle regulatorische Themen von Beginn an viel Aufmerksamkeit erfordert, das gehört zur Realität dieser Branche. Ich kenne viele Akteure und Themen aus meiner früheren Rolle, das hilft.

Welche Schwerpunkte und Initiativen planen Sie in Ihrem Wirkungsbereich zu setzen?
Landrichtinger: Ich will eine starke und konstruktive Stimme für den Sektor sein. Ein zentraler Schwerpunkt wird für mich eine verhältnismäßige Regulierung sein, die Risiken adressiert, aber unterschiedliche Geschäftsmodelle stärker berücksichtigt. Darüber hinaus ist mir der konstruktive Dialog mit Aufsicht und Politik wichtig, auf nationaler wie auf europäischer Ebene. Banken, Versicherungen, Pensions- und Vorsorgekassen sind zentrale Partner bei Zukunftsthemen wie Vorsorge, Finanzierung der Transformation und wirtschaftlicher Stabilität. Diese Rolle möchte ich klarer sichtbar machen und inhaltlich weiter stärken.

Porträt von Eva Landrichtinger
Eva Landrichtinger © Clemens Fabry

Wie sehen Sie die österreichischen Banken derzeit aufgestellt?
Landrichtinger: Die österreichischen Banken sind insgesamt sehr gut aufgestellt. Die Kapitalausstattung ist gut, das Risikomanagement professionell und viele Institute, insbesondere Regionalbanken, sind sehr nah an ihren Kundinnen und Kunden. Gerade diese Nähe ist ein großer Vorteil in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Gerade im internationalen Vergleich zeigt sich, dass das österreichische Bankensystem stabil ist und seine zentrale Rolle für die Finanzierung der Realwirtschaft zuverlässig erfüllt.

„Für mich ist nicht klar erkennbar, welchen konkreten Nutzen der digitale Euro bringen soll.“

Eva Landrichter

Worin bestehen die größten Herausforderungen für die Branche in der Zukunft?
Landrichtinger: Eine der größten Herausforderungen ist die stetig zunehmende regulatorische Dichte. Institute müssen immer mehr Ressourcen für administrative Anforderungen aufwenden. Gleichzeitig stehen die Banken vor großen Transformationsaufgaben, von der Digitalisierung über Nachhaltigkeitsanforderungen bis hin zur Sicherstellung der Kreditvergabe in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Entscheidend wird sein, dass Regulierung Stabilität sichert, ohne Innovationskraft und regionale Finanzierung zu behindern. Hier möchten wir als Bundessparte auch eine starke Stimme für die Branche sein. Die Erwartungshaltung ist klar: Wenn seitens der Politik von Entbürokratisierungsmaßnahmen gesprochen wird, muss das auch für den Bankensektor gelten.

Wie stehen Sie der möglichen Einführung eines digitalen Euro gegenüber?
Landrichtinger: Seit Jahren arbeitet die Europäische Zentralbank an diesem Projekt, doch bis heute ist nicht klar erkennbar, welchen konkreten Nutzen der digitale Euro bringen soll. Die Stärkung der europäischen Souveränität im Zahlungsverkehr ist ein wichtiges gemeinsames Ziel, das wir als Finanzbranche unterstützen. Jedoch sind viele zentrale Fragen – etwa zur Rolle der Banken, zur Datensicherheit und zum tatsächlichen Mehrwert für Kundinnen und Kunden – aus meiner Sicht noch nicht ausreichend geklärt.

Porträt von Eva Landrichtinger
Eva Landrichtinger © Clemens Fabry

Worauf sollte man dabei konkret achten?
Landrichtinger: Wichtig ist, dass der digitale Euro das bestehende Bankensystem nicht schwächt, sondern sinnvoll ergänzt. Für alle Beteiligten – die Bevölkerung ebenso wie Banken und den Handel – sollte klar ersichtlich sein, welchen konkreten Nutzen der digitale Euro bringen soll und welche Auswirkungen er auf die Finanzstabilität hat. Bevor es hier kein klares Gesamtbild gibt, bin ich skeptisch, ob der digitale Euro das geeignete Instrument zur Erreichung der angestrebten Ziele ist. Aus meiner Sicht sollte die Zielsetzung darin bestehen, auf bereits bestehenden europäischen, privatwirtschaftlichen Initiativen aufzubauen, anstatt neue, kostenintensive Strukturen zu schaffen.

Welche Erwartungshaltung haben Sie gegenüber der Aufsicht?
Landrichtinger: Ich erwarte mir einen sachlichen, transparenten und dialogorientierten Zugang. Ein regelmäßiger Austausch auf Augenhöhe ist dafür zentral. Aufsicht und Branche verfolgen letztlich ein gemeinsames Ziel: ein stabiles, funktionierendes Finanzsystem. Dafür braucht es klare Regeln, aber auch Augenmaß und Verständnis für unterschiedliche Geschäftsmodelle. Gute Rahmenbedingungen entstehen nicht, weil man immer neue Vorgaben macht, sondern indem man bestehende Regeln bestmöglich an aktuelle Entwicklungen anpasst.

AusgabeRZ08-2026

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