Prommegger bei Olympia: Das crazy, Oida!

Snowboard-Ass Andreas Prommegger steht vor seiner sechsten Olympia-Teilnahme – kein Österreicher war öfter bei Winterspielen dabei. Hier verrät der 45-jährige Salzburger, warum eine Medaille nicht alles ist und Olympia seine ganz eigenen Gesetze hat.

Andreas Prommegger und die Flamme – das ist eine ganz eigene Geschichte. Da ist zum einen die Flamme, die in ihm lodert, die der Begeisterung fürs Snowboarden, die auch nach fast einem Vierteljahrhundert im Profi-Zirkus noch nicht erloschen ist. „Ich habe schon vor vielen Jahren gesagt, wenn ich diese Flamme nicht mehr spüre, höre ich von einem Tag auf den anderen auf“, meint Prommegger, der als ältester rot-weiß-roter Athlet zu den Spielen reist. „Und nun stehe ich da und bin voller Vorfreude auf meine sechsten Olympischen Spiele. Ein Wahnsinn!“ Oder wie man heute auch sagen könnte: Das crazy, Oida!

Es gibt aber noch eine weitere Flamme, die den 45-jährigen Parallelfahrer beschäftigt. Und das ist die olympische Flamme selbst. Denn wann immer die brannte, vermochte er nicht die Ergebnisse einzufahren, die er von sich selbst gewohnt ist. Er wurde Weltmeister, Weltcupsieger und hat mit sagenhaften 61 Podiumsplätzen bei Weltcup-Rennen die meisten in der Geschichte des Snowboardens eingeheimst. Eine Fabel-Karriere, die ihresgleichen sucht. Nur bei den Spielen blieb ihm stets eine Top-Platzierung verwehrt. Verletzungen, Fehler, unglückliches Ausscheiden – eine Liebesbeziehung zwischen ihm und den fünf Ringen war es aus sportlicher Sicht bisher nicht.

Ein Grund zum Hadern? Ein Anlass, den Druck vor den Spielen in Italien noch einmal zu erhöhen? Wer das glaubt, kennt Andreas Prommegger schlecht. Der Mann, der sich seit ewigen Zeiten mit einem Raiffeisen-Helm zu Tale stürzt (außer natürlich bei den stets werbefreien Olympia-Rennen), ruht diesbezüglich in sich. „Ich durfte so viele tolle Momente in meiner Karriere erleben, dass ich mich eines Tages auf jeden Fall mit einem breiten Lachen im Gesicht verabschieden kann. Olympia hat seine ganz eigenen Gesetze, da muss inklusive dem Faktor Glück wirklich alles zusammenpassen, um mit einer Medaille um den Hals die Heimreise anzutreten.“

Funktionierendes Gesamtpaket

Was natürlich nicht bedeutet, dass der Salzburger ohne große Ambitionen nach Livigno, wo die Snowboard-Bewerbe ausgetragen werden, reisen würde. Denn die Flamme des Ehrgeizes, die lodert nach wie vor in seinem immer noch topfitten Körper. „Ich weiß, dass ich vom Speed her mit der Spitze mithalten kann“, sagt er. „Das haben auch die Zeiten in der bisherigen Weltcup-Saison gezeigt.“ Nachsatz: „Auch wenn es ein Jahr mit vielen Ups and Downs war.“

Ich weiß, dass ich vom Speed her mit der Spitze mithalten kann.

Andreas Prommegger

Das kann man wohl sagen. Drei Top-10-Platzierungen stehen auf der einen, ein paar Ausreißer nach unten auf der anderen Seite. Rückschlüsse auf das Abschneiden bei Olympia lassen diese Resultate aber nicht zu, denn: „Bei keinem Rennen ist der Druck so groß wie dort. Das ist auch der Grund, warum Favoriten so oft straucheln und so mancher Olympiasieger aus dem Nichts kommt.“ Ein Umstand, bei dem eine gewisse Routine natürlich hilft. Und über die verfügt der Familienvater wie kaum ein anderer.

Mit seiner sechsten Teilnahme findet Prommegger Einlass in einen ganz exquisiten Klub. Denn es gibt nur vier weitere Sportler aus Österreich, die genauso oft bei Olympischen Winterspielen eingecheckt haben: die Eisschnellläuferin Emese Hunyady (1984 bis 2002), der Biathlet Alfred Eder (1976 bis 1994), der Rennrodler Markus Prock (1984 bis 2002) sowie der Nordische Kombinierer Mario Stecher (1994 bis 2014), der heute als Sportdirektor beim Österreichischen Ski Verband (ÖSV) fungiert. „Allein mit diesen Persönlichkeiten in einem Atemzug genannt zu werden, zeigt, dass man über viele Jahre ein sehr gut funktionierendes Gesamtpaket gehabt haben muss. Und das besteht aus Unterstützern, Freunden, Familie, aber auch aus Partnern und Sponsoren, für die ich sehr dankbar bin.“

Hohe Erwartungen

Was die Strecke in Livigno angeht, erwartet sich der Polizeisportler eine Wundertüte. Denn sie ist ganz neu, kein Fahrer konnte sich mit den Gegebenheiten vertraut machen. „Wobei ich schon davon ausgehe, dass die Italiener ihren Heimvorteil nutzen und die eine oder andere Trainingsfahrt im Vorfeld dort absolvieren“, sagt Prommegger, der sich die Topografie des Hanges natürlich schon ganz genau angeschaut hat. Und in seiner Einschätzung Feuer und Flamme ist: „Er ist sehr selektiv, geht vom Start gleich steil weg, hat Übergänge und Flachstücke. Nachdem wir Österreicher technisch sehr versierte Fahrer sind, müssten wir damit schon zurechtkommen.“ 

Überhaupt glaubt Prommegger, der seine Premiere bei den Spielen ebenfalls in Italien feierte (2006 in Turin), dass Österreich im Medaillenspiegel ähnlich gut abschneiden könnte wie zuletzt vor vier Jahren in Peking. Damals holten die rot-weiß-roten Athleten 18 Medaillen, sieben davon in Gold, was am Ende Rang sieben im Medaillenspiegel bedeutete. „Die Skispringer räumen extrem ab, die Kombinierer sind wahnsinnig gut drauf, die Skifahrer sind in fast allen Sparten konkurrenzfähig. Und auch wir Snowboarder haben schon geliefert, ich denke da zum Beispiel an Sabine Payer, die im Weltcup ganz vorne ist“, analysiert Prommegger.

Diesmal fährt die Eisenbahn drüber, das werden ganz bestimmt meine letzten Spiele.

Andreas Prommegger

Auch wenn er zugibt, dass jeder am Ende für sich selbst und seinen Erfolg antritt, hat die mannschaftliche Geschlossenheit bei Olympia schon einen speziellen Faktor: „Wir sind eine Wintersport-Nation. Da hat ein gutes Abschneiden im Medaillenspiegel schon eine gewisse Bedeutung.“

Bleibt die Frage, wie sehr es ihn selbst juckt, auch noch nach den Spielen vier Jahre dranzuhängen und 2030 in Frankreich zum alleinigen Rekord-Teilnehmer bei Winterspielen zu werden. Immerhin hat er auch schon nach Peking 2022 angekündigt, die olympische Bühne nie mehr zu betreten, was sich, nun ja, als Trugschluss erwies. „Diesmal fährt die Eisenbahn drüber, das werden ganz bestimmt meine letzten Spiele“, macht er der Flamme der Hoffnung gleich einmal den Garaus. Um dann doch noch einmal mit einem Augenzwinkern zu relativieren. „Zumindest als Aktiver. Aber meine Kinder sind begeisterte Snowboarder, die ihrem Papa womöglich nacheifern wollen. Vielleicht kehre ich ja dann als deren Servicemann zu Olympia zurück.“

AusgabeRZ05-2026

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