Proteine zählen zu den zentralen Bausteinen des menschlichen Körpers. Sie steuern Stoffwechselprozesse, ermöglichen Muskelaufbau und sind an nahezu allen biologischen Funktionen beteiligt. Entsprechend groß ist ihre Bedeutung – nicht nur in der Ernährung, sondern auch in Medizin, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.
Aufgrund steigender Nachfrage, Importabhängigkeiten und geopolitischer Risiken ist die Sicherung der Proteinversorgung in Österreich und der EU stark in den Fokus gerückt. Um die Selbstversorgung zu stärken, braucht es neben den richtigen Rahmenbedingungen vor allem neue Lösungen.
Vor diesem Hintergrund hat das Agro Innovation Lab (AIL), der Innovationshub der Raiffeisen Ware Austria (RWA), die „Proteinnovation Discovery“ ins Leben gerufen und Start-ups aus aller Welt eingeladen, neue Lösungen einzubringen – von neuen Proteinquellen über innovative Prozesse bis hin zu Produkten, von der Landwirtschaft über die Futtermittelbranche bis hin zur Lebensmittelindustrie. Aus den mehr als 100 Einreichungen aus 33 Ländern schafften es zehn ins Finale, das kürzlich im Rahmen des „Proteinnovation Summit“ gefeiert wurde.
„Die große internationale Resonanz zeigt uns, dass die Proteinfrage längst global gedacht wird. Entscheidend ist für uns, aus dieser Vielfalt jene Ansätze herauszufiltern, die wirtschaftlich tragfähig sind und sich in Europa tatsächlich umsetzen lassen. Unsere Aufgabe ist es, Innovation und Markt zusammenzubringen“, sagt AIL-Geschäftsführer Georg Sladek.
Die eingereichten Lösungen deckten die gesamte Bandbreite aktueller Entwicklungen ab: von pflanzenbasierten Ansätzen über Fermentation und die Nutzung von Nebenströmen bis hin zu Insekten, Algen und weiteren innovativen Technologien. Die Anwendungen reichen von der Lebensmittelindustrie über Futtermittel bis in den Pet-Food-Bereich.
Sichtbare Potenziale
„Der Ausbau der heimischen Eiweißproduktion ist ein zentraler Baustein für die Versorgungssicherheit“, betont Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Umso bemerkenswerter sei es, dass es Österreich 2025 erstmals zum drittgrößten Sojaproduzenten der EU geschafft hat. „Das zeigt: Die Maßnahmen der Österreichischen Eiweißstrategie wirken.“ Gleichzeitig brauche es aber auch Lösungen, die ressourcenschonend und klimafit sind: „Programme wie die Proteinnovation Discovery machen Innovationspotenziale sichtbar und stärken eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Agrar- und Lebensmittelwirtschaft“, wie Totschnig festhält.
„Jetzt geht es darum, die nächsten Schritte zu setzen und innovative Lösungen in die Praxis zu bringen. Für die österreichischen Landwirte und für die Ernährungssicherheit insgesamt“, bekräftigt auch RWA-Vorstandsdirektor Christoph Metzker bei der Preisverleihung.
Innovative Ansätze
Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen und „harten Diskussionen“ hat die Jury „Decameal“ aus Dänemark mit dem Proteinnovation Award, dotiert mit 10.000 Euro, ausgezeichnet. Das Unternehmen verarbeitet invasive Krabben zu hochwertigem Protein für Tierfutter. Ziel ist es, den Bedarf an Fischmehl und importiertem Soja zu reduzieren, lokale marine Ökosysteme zu schützen und eine umweltfreundliche Alternative zu schaffen.

Den Sonderpreis von TUM Venture Labs, der eine Jahresmitgliedschaft für die Venture Labs der TU München sowie eine Wildcard für die AgriFood Demo Days der TU München beinhaltet, ging an das australische Unternehmen Vortair. Das Start-up entwickelte eine Technologie, mit der organische Reststoffe und Nebenprodukte effizient zu feinen Pulvern verarbeitet werden können und so als Rohstoffe für die Lebensmittel-, Futtermittel- und Proteinproduktion nutzbar werden.








