Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Bank neue Standorte eröffnet oder bestehende umfassend erneuert. Auch als das Haupthaus der Raiffeisen-Regionalbank Gänserndorf nach rund drei Jahrzehnten in die Jahre gekommen war, kam die Frage auf: Warum noch so stark in einen physischen Standort investieren, wo doch das Bankgeschäft zunehmend digital wird?
Doch die Entscheidung, die Bankstelle im Ortszentrum von Grund auf zu modernisieren, sei eine ganz bewusste gewesen, betonte Geschäftsleiter Johannes Jaindl kürzlich bei der feierlichen Wiedereröffnung: „Wir wollen die Antithese zu dieser Hyperdigitalisierung bilden. Vertrauen kann nicht durch eine WLAN-Verbindung aufgebaut werden, sondern durch Handschlagqualität in der persönlichen Begegnung.“
Um das zu ermöglichen, brauche es Menschen und Räume. Die Mitarbeitenden seien vorhanden – doch die bisherigen Räumlichkeiten hätten diesen Anspruch nicht mehr erfüllt. Jaindl betonte, dass man sich klar zum Standort im Zentrum von Gänserndorf bekannt habe – trotz attraktiver Alternativen im Gewerbepark: „Wir stehen zu unseren Wurzeln und wollen ein Zeichen für die Belebung des Zentrums setzen.“
Als Jaindl mit dem Gänserndorfer Architekturbüro Atelier Deubner Lopez erstmals über das Projekt sprach, blickte er in verwunderte Gesichter. Die Idee: Die Räumlichkeiten sollten mehr wie eine Hotellobby wirken als wie eine Bankfiliale. Tatsächlich präsentiert sich das Gebäude in der Bahnstraße 8 heute innen und außen in völlig neuem Glanz. Über einen Zeitraum von acht Monaten wurde die Bankstelle im vergangenen Jahr technisch, räumlich und energetisch umfassend saniert.

Einladende Atmosphäre
Gestalterisch wurde bewusst auf natürliche Materialien wie Holz und Stein gesetzt, weg von Glas und Fliesen. „Es ging darum, einen wohnlichen Charakter hereinzubringen“, erklärte Magnus Deubner. Zugleich versprechen modern gestaltete Beratungsräume Diskretion. Ein besonderes Gestaltungselement ist die hexagonale Deckenkonstruktion – eine Reminiszenz an die Bienenwaben von „Sumsi“. Von den 30 beauftragten Gewerken stammen rund 90 Prozent aus der Region.
Obmann Martin Minkowitsch zeigte sich beeindruckt und gratulierte zur Umsetzung. Trotz einer Kürzung des ursprünglichen Budgetrahmens sei das Projekt nicht nur qualitativ überzeugend, sondern sogar unter Budget geblieben: „Das zeigt, dass wir die Verantwortung gegenüber den Kunden wahrnehmen und auf Sparsamkeit und Effizienz achten.“

Digital und persönlich gehen Hand in Hand
Für den musikalischen Rahmen der Eröffnungsfeier sorgte ein Ensemble der Philharmonie Marchfeld. Zu den rund 100 Gästen zählten neben Vertretern der Stadtgemeinde auch Repräsentanten von Wirtschaftskammer, Bezirksbauernkammer und Kooperationspartnern sowie Vorstandsdirektor Roland Mechtler von der RLB NÖ-Wien. „Ich bin schon gespannt, wann wir die ersten Hotelübernachtungen hier verbuchen werden“, scherzte Mechtler. Er unterstrich die tiefe Verankerung von menschlicher Interaktion in der DNA von Raiffeisen – was kein Widerspruch zur Digitalisierung sei: „Es ist kein Gegeneinander von digital und persönlich, sondern ein Miteinander.“
In diesem Sinne erfolgte auch die Segnung der Bankstelle durch Pfarrer Chudi Joseph Ibeanu. Bei der anschließenden Besichtigung mit einem regionalen Buffet wurde spürbar, was die Verantwortlichen mit dem Umbau erreichen wollten: einen Ort, der Bankgeschäft und persönliche Begegnung verbindet.









