Frau Pfeffer, Sie gelten als Verfechterin der Vorsorge – sowohl gesundheitlich als auch finanziell Warum ist das so ein wichtiges Thema für Sie?
Sabine Pfeffer: Weil es mir eine echte Herzensangelegenheit ist! Beim Auto wird wegen jedem kleinen Klackern sofort in der Werkstatt angerufen. Da investieren wir völlig selbstverständlich Zeit und Geld. Aber wenn der eigene Körper eine Warnleuchte einschaltet – wenn das Kreuz zwickt, das Knie schmerzt oder der Blutdruck steigt –, dann ignoriert man das oftmals sehr gerne. Dabei gilt: nur wenn ich weiß, wo ich gesundheitlich und finanziell stehe, halte ich das Lenkrad meines Lebens selbst in der Hand. Ein beruhigendes Sicherheitsgefühl entsteht erst dann, wenn wir für den Fall der Fälle vorsorgen. Das schützt nicht nur unsere Gesundheit, sondern garantiert uns im Alter auch finanzielle Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Menschen genau dabei zu unterstützen, aktiv und vorausschauend zu handeln, ist mein persönlicher Antrieb und unsere Verantwortung als UNIQA/Raiffeisen Versicherung. Vorsorge ist der klügste Boxenstopp, den man für sich selbst einlegen kann. Und da ist in Österreich noch viel Luft nach oben! Ich bin erst fertig, wenn ein echtes Umdenken stattgefunden hat und Vorsorge für uns alle selbstverständlich ist. Bis dahin bleibe ich hartnäckig! (lacht)
Gibt es etwas, das Ihnen in Österreich besonders auffällt?
Pfeffer: Ja, eine deutliche Schieflage zwischen den Geschlechtern: Frauen kümmern sich im Schnitt zu wenig um ihre Finanzen, Männer zu wenig um ihre Gesundheit. Bei den Finanzen regiert oft das Bauchgefühl. Unsere soeben veröffentlichte UNIQA Finanzvorsorgestudie zeigt: Zwar interessieren sich rund 70 Prozent für ihre spätere Pension, aber gerade einmal 17 Prozent haben sie konkret berechnen lassen! Nur 11 Prozent kennen die tatsächliche Lücke zum Letzteinkommen. Besonders Frauen unterschätzen die Auswirkungen von Teilzeit auf den Gender Pension Gap, der real bei bis zu 40 Prozent liegt. Uns geht es hier um Motivation: Wir müssen den Schritt von der bloßen Sorge in die konkrete Planung schaffen. Auf der anderen Seite stehen die Männer, die bei der Gesundheit oft sehr zögerlich sind. Das ist kein Vorurteil, sondern durch Studien belegt: Laut Daten des Dachverbands der Sozialversicherungsträger nutzen 2025 nur rund 18,5 % der Männer in Österreich die jährliche, kostenlose Vorsorgeuntersuchung. Gendermediziner erklären das oft mit dem traditionell männlichen Rollenbild: Ein Arztbesuch wird im Wertegefüge fälschlicherweise als Schwäche interpretiert. Ich höre von Ärzten im Kontext der Prävention immer wieder diesen einen, klassischen Satz im Wartezimmer: „Meine Frau hat mich geschickt.“ Von allein würden viele gar nicht im Raum sitzen. Ein Arztbesuch ist aber keine Schwäche, sondern eine wertvolle Investition in Lebensqualität und die Zukunft.
November ist ja Monat der Männervorsorge – bleiben wir also heute bei den Männern. Warum glauben Sie herrscht da so eine „Vorsorge-Faulheit“?
Pfeffer: Darüber kann ich als Frau natürlich nur spekulieren. Aber in der Realität ist es vermutlich eine riskante Melange aus psychologischer Verdrängung und einer gewissen Unterschätzung beim Thema Eigenverantwortung. Erstens wollen viele Männer sich nicht damit auseinandersetzen, dass ihr Körper verwundbar ist. Die Vorstellung, durch eine Erkrankung massiv eingeschränkt zu sein, wird verdrängt, ganz nach dem Motto: „Solange nichts wehtut, fehlt mir nichts.“ Das ist ein fataler Trugschluss. Viele schwere Krankheiten tun am Anfang eben genau nicht weh – und genau dafür ist die Vorsorge ja da: um zu entdecken, bevor es zu spät ist. Zweitens setzt sich dieses Denken nahtlos fort, wenn es um Unfälle und Absicherung geht. Viele wiegen sich in einer trügerischen Sicherheit: „Ich bin über die Arbeit unfallversichert und die Kasse zahlt eh alles.“ Das ist der direkte Weg ins böse Erwachen. Wer sich in der Freizeit beim Sport verletzt, ist über den Job eben nicht für langfristige Folgen abgesichert. Wir haben in Österreich zwar ein Gesundheitssystem, das eine hervorragende Basis bietet. Aber es ist eben genau das – eine Basisversorgung. Private Vorsorge ergänzt dort, wo Menschen mehr Wahlfreiheit und zusätzliche Leistungen brauchen. Am Ende entspringen Vorsorge-Lücken oft demselben Trugschluss. Wer hier wegschaut, riskiert im Ernstfall nicht nur seine Gesundheit, sondern auch seine wirtschaftliche Existenz.
Was heißt das konkret? Gibt es da ein Beispiel?
Pfeffer: Unzählige. Nehmen wir einen 27-jährigen Berufseinsteiger, der sich nach dem Studium den Traum vom ersten Motorrad erfüllt. Bei der ersten Ausfahrt stürzt er in der Freizeit schwer. Er wird im Spital lebensrettend versorgt, aber es bleibt eine Querschnittslähmung. Ein schweres Schicksal, gefolgt von einer enormen finanziellen Herausforderung: Der nötige barrierefreie Umbau von Wohnung und Bad kostet sofort 100.000 bis 150.000 Euro – das übernimmt bei Freizeitunfällen im staatlichen System niemand. Es kommt aber noch gravierender: Weil er wegen des Studiums noch keine 60 Beitragsmonate eingezahlt hat, besteht vom Staat nicht einmal Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitspension. Er hat auf einen Schlag immense Kosten, aber kein Einkommen mehr und fällt direkt in die Mindestsicherung. Wenn auch Partnerin, Partner oder Kinder vom Einkommen abhängig sind, betrifft eine fehlende Absicherung nicht nur eine Person, sondern die gesamte Familie. Deshalb gehört zu guter Vorsorge immer die Frage: Welche finanziellen Verpflichtungen bestehen – und wie wären sie abgesichert, wenn das Einkommen plötzlich wegfällt? Genau solche Fälle versuchen wir bei UNIQA und der Raiffeisen Versicherung zu verhindern. Es ist unsere Verantwortung in der täglichen Kundenberatung, genau auf solche Szenarien hinzuweisen und rechtzeitig die notwendigen Schutzschirme aufzuspannen.
„Ein Boxenstopp für das wichtigste Investment: uns selbst.“
Sabine Pfeffer, Mitglied des Vorstandes UNIQA Österreich, Kunde & Markt Bank Österreich
Ein beunruhigender Gedanke, aber das ist sicher nicht der Standardfall, oder?
Pfeffer: Der schwere Unfall auf der Straße ist vielleicht das eine traurige Bild, aber das Risiko lauert im Alltag oft ganz woanders. Noch öfter gibt es Berufsunfähigkeiten aufgrund von Erkrankungen – etwa nach Krebs, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Niemand rechnet damit, jeder hofft naturgemäß, dass es ihn nicht trifft. In solchen Fällen sichert eine private Gesundheitsvorsorge – am besten kombiniert mit einem sogenannten „Überleben“-Baustein – die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit. Zuerst greift die Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers, dann das Krankengeld. Aber nach knapp einem Jahr ist dieses staatliche Auffangnetz zu Ende. Der Rest bleibt am Betroffenen selbst hängen. Lediglich 25 % aller Anträge auf eine staatliche Invaliditätspension werden überhaupt genehmigt – im Schnitt mit nur 1.300 Euro monatlich. Diese genannten schweren Erkrankungen können neben der gesundheitlichen Belastung auch erhebliche finanzielle Folgen haben. Eine private Gesundheitsvorsorge liefert viele Antworten auf der einen Seite, für den möglichen Ausfall des Erwerbseinkommens braucht es jedoch eine eigene finanzielle Absicherung. Entscheidend ist daher nicht ein einzelnes Produkt, sondern ein durchdachtes Vorsorgekonzept, das zur jeweiligen Lebenssituation passt.
Abschließend: Wie sieht aus ihrer Sicht ein optimaler Vorsorgemonat November für unsere Männer in Österreich aus? Was würden Sie ihnen sagen?
Pfeffer: Nutzt den November für euren ganz persönlichen Boxenstopp! Macht einen Termin für die Vorsorgeuntersuchung aus und redet parallel mit eurer Beraterin oder eurem Berater in der Raiffeisenbank eures Vertrauens. Schaut euch gemeinsam an, wo ihr gesundheitlich und finanziell steht, wo eure persönlichen Deckungslücken liegen und wie ein maßgeschneidertes Absicherungskonzept für euch und eure Familien aussieht. Und ganz ehrlich: Wenn ihr das nächste Mal einen Termin fürs Pickerl bei eurem Auto ausmacht – dann bucht im selben Atemzug den persönlichen Gesundheits-Check. Euer eigenes Leben und die Zukunft eurer Liebsten sollten euch mindestens so viel wert sein wie euer Auto. Das wäre der perfekte November!








