Auch wenn Bankabschlüsse Anfang März noch nicht fertig sind, gewährt die Raiffeisenbank Wels traditionell bereits im Frühjahr einen Überblick über das abgelaufene Geschäftsjahr und kommende Projekte. „Es macht Sinn, relativ zeitig im Jahr Ausblicke zu geben. Wenn wir das erst im Mai oder Juni tun, ist das halbe Jahr schon wieder vorbei“, erklärt Vorstandsvorsitzender Roland Hechenberger.
Mit Blick auf das volkswirtschaftliche Umfeld sei ein halbes Prozent Wirtschaftswachstum 2025 zwar kein Anlass für Enthusiasmus, ursprünglich hatten IHS und WIFO jedoch eine negative Zahl prognostiziert. Vor Beginn des Iran-Kriegs wurde für 2026 ein Wachstum von 1,0 bis 1,2 Prozent prognostiziert. „Der Ausgangspunkt dieses moderaten Aufschwungs ist unter anderem auch, dass sich die Industrie etwas erholt. In unserer Region als industriell geprägtem Wirtschaftsraum ist das besonders wichtig, denn da hängen viele Zulieferer sowie Klein- und Mittelbetriebe dran“, erklärte Hechenberger. Als starker Partner der Wirtschaft – fast zwei Drittel der Kredite werden im Kommerzbereich vergeben – ist dieser Aufschwung auch für die Raiffeisenbank Wels spürbar.
Bei der Arbeitslosigkeit ist Oberösterreich nach wie vor deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, jedoch weisen die industriellen Zonen Linz, Wels, Steyr und Braunau eine deutlich höhere Arbeitslosenrate auf. Hechenberger bleibt dennoch positiv: Wenn die Industrie sich wieder verbessere, gehe auch die Arbeitslosigkeit in den betroffenen Regionen deutlich schneller zurück. „Ich prognostiziere, dass wir spätestens nächstes Jahr wieder diesen Wettbewerb um die Talente in der Region sehen werden, der jetzt ein bisschen abgenommen hat“, so der Vorstandsvorsitzende. Die Bank selbst hat im Jahr 2025 eine zweistellige Zahl an neuen Mitarbeitern eingestellt und hat insgesamt 130 Beschäftigte.
Investitionen in Sport, Kultur und Wohnbau
Gewachsen ist im Vergleich zum Vorjahr abermals auch die Anzahl der Kunden um 2,5 Prozent auf nunmehr 42.241. „Wir können immer mehr Menschen überzeugen – vielleicht auch, weil wir so sichtbar sind“, vermutet Hechenberger und verweist auf über 75 unterstützte Vereine und Initiativen, darunter die Fußballer von Hertha Wels, die Basketballer der Flyers Wels, das Kirschblütenrennen oder das „MusikfestiWels“. Dieses Engagement sei nicht selbstverständlich: Viele Menschen fragen, warum bei uns ein Konto etwas kostet und bei der Onlinebank nicht. Aber ich habe noch keinen Schriftzug einer Onlinebank auf der Dress eines regionalen Sportvereins gesehen“, sagt Hechenberger. Es müsse der Bank gut gehen, um solche Sponsorings tätigen zu können, als auch um das Filialnetzwerk mit elf Standorten zu erhalten. 2025 habe man dafür sehr viel Geld in die Hand genommen, insbesonders für die Modernisierung der Bankstelle Marchtrenk. Im Zuge dessen wurde dort die obere Ebene in Wohnungen umfunktioniert.
Mit über 300 Wohnraumfinanzierungen – 2024 waren es nur etwa 50 – hat die Bank auch hier einen Schwerpunkt gesetzt und etwa 1.000 Menschen ein Dach über dem Kopf ermöglicht. „Wir wollen in der Region die Wohnbaubank Nummer 1 sein, das ist uns offensichtlich ganz gut gelungen“, ist Hechenberger stolz. Insgesamt flossen in den Wohnbau rund 60 Mio. Euro.
Zweitbestes Ergebnis
Auch mit den erwarteten Bilanzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr sind die Verantwortlichen zufrieden. Nachdem 2024 bei der Bilanzsumme erstmals die 2-Milliarden-Marke überschritten wurde, ist diese 2025 mit 1,994 Mrd. Euro wieder leicht rückläufig. „Die Spareinlagen unserer Kunden sind etwas zurückgegangen, das ist auch ein Ausdruck der konjunkturellen Entwicklung“, erklärt Vorstand Michael Hag, der insgesamt eine positive Entwicklung sieht: „Wir sind überzeugt, dass es im Zuge der verbesserten Konjunktur auch mit diser Kennzahl wieder nach oben geht.“ Das gesunkene Betriebsergebnis von 33,77 auf 27,57 Mio. Euro sei „angesichts der doch rückläufigen Zinsen kein untypisches“.
Zugleich konnte das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit gegenüber 2024 um 12,86 Prozent gesteigert werden: „Das operative EGT steht mit 17,8 Millionen Euro zu Buche und ist damit das zweitbeste in der Geschichte der Raiffeisenbank“, betont Hag. Über die vergangenen Jahre ist auch das Gesamtmittelaufkommen – das nicht nur Spareinlagen, sondern auch andere Veranlagungen wie Wertpapiere oder Versicherungen umfasst – konstant gestiegen, was das hohe Vertrauen der Kunden zeige.
Auf 215 Mio. Euro (+6,96 Prozent) gewachsen sind auch die Eigenmittel, seit 2020 konnte diese Kennzahl um 65 Mio. Euro gesteigert werden. Für Hag ein klares Zeichen für Stabilität: „Zusätzliches Eigenkapital ist auch ein Garant dafür, dass sich unsere Kunden bei uns gut aufgehoben fühlen können. Mit diesem Polster sind wir gut gewappnet für Krisen aller Art.“








