RUG: „Das Potenzial liegt vor unserer Haustür“

Die Raiffeisen Umweltgesellschaft ist auf Energie, Umwelt, Gefahrgut und Nachhaltigkeit spezialisiert. Seit 1. September steht Christopher Cech an der Spitze des Unternehmens. Im Interview spricht der neue Geschäftsführer über die bisher geringe Bekanntheit der RUG, das Potenzial innerhalb der Raiffeisenorganisation und die künftige Ausrichtung.

Herr Cech, Sie sind seit 1. September Geschäftsführer der RUG Raiffeisen Umweltgesellschaft. Was bringen Sie für diese Aufgabe mit und was hat Sie daran gereizt?
Christopher Cech: Ich bringe vor allem eine langjährige Erfahrung innerhalb der RWA und ein sehr breites Verständnis für unterschiedliche Bereiche und Perspektiven im Unternehmen mit. Ich bin 2003 in die RWA eingetreten und habe dort unterschiedliche Stationen durchlaufen – vom Produktmanagement zum Zentralbetriebsratsvorsitzenden über die Zuständigkeit für das Property Management in CEE bis eben jetzt zur Geschäftsführung der Raiffeisen Umweltgesellschaft. Diese neue Aufgabe ist eine große Verantwortung in einem spannenden Gestaltungsfeld mit viel Potenzial. Gemeinsam mit unserem erfahrenen Team und unseren Experten wollen wir das Unternehmen modern aufstellen und unsere fachliche Kompetenz stark auf die zukünftigen Anforderungen unserer Kunden ausrichten. Schließlich verändern sich auch die regulatorischen Vorgaben innerhalb der EU laufend. Hier ist es unser Ziel, unsere Expertise einzusetzen, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und unseren Kunden passende Lösungen anzubieten.

Die RUG ist selbst innerhalb der Raiffeisenorganisation kaum bekannt. Woran liegt das und wie wollen Sie das ändern?
Cech: Das hat sicher auch mit der bisherigen Ausrichtung und mit historischen Gründen zu tun. Genau darin sehe ich jetzt aber die Chance. Wir verfügen seit vielen Jahren über Erfahrung und über ein sehr breites Leistungsspektrum mit konkreten Lösungen für Unternehmen im Umweltbereich. Der ursprüngliche Gedanke war, die Lagerhäuser zu betreuen. Nun überlegen wir, wie wir diesen Radius insbesondere in Richtung der Raiffeisenbanken und externer Kunden außerhalb der Raiff­eisenwelt erweitern können. Meine Aufgabe sehe ich darin, die Raiffeisen Umweltgesellschaft stärker nach außen zu positionieren und sichtbarer zu machen. Wir müssen nachschärfen, welche Produkte wir am Markt anbieten können, um diese Strategie umsetzen zu können. Wir wissen, dass wir gute Arbeit leisten, und diese Arbeit müssen wir auch sichtbar machen. Dazu werden im ersten Schritt die Banken und andere Unternehmen innerhalb der Raiffeisenorganisation gezielt und persönlich angesprochen, unsere Leistungen vorgestellt und gezeigt, wo wir sie unterstützen können. Wenn wir innerhalb der Raiffeisenfamilie entsprechend wahrgenommen werden, hilft uns das letztlich auch bei externen Kunden.

Ist das auch der Grund, weshalb Sie künftig stärker unter dem vollständigen Namen RUG Raiffeisen Umweltgesellschaft auftreten wollen?
Cech: Ja. In der Vergangenheit ist das Unternehmen hauptsächlich als RUG und damit verkürzt aufgetreten. Ich finde diese Bezeichnung schwierig, weil sie nicht erkennen lässt, was dahintersteht. Die Verbindung zu Raiffeisen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Identität, und das wollen wir stärker transportieren. Wir haben mit Raiffeisen einen sehr wertvollen Namen, den sollten wir auch nutzen. Wir wollen weg von der Frage „Was ist die RUG?“ und hin zur Wahrnehmung: Das ist die Raiffeisen Umweltgesellschaft, und dafür steht sie.

Was sind die fachlichen Schwerpunkte und wo wird künftig der Fokus liegen?
Cech: Das Leistungsspektrum ist sehr breit. Im Energiebereich reicht es von der geförderten Energie(spar)beratung über gesetzlich verpflichtende Energieaudits und Energieausweise bis hin zu Energiemanagementsystemen nach ISO 50001 und zum Energiemonitoring. Im Bereich Nachhaltigkeit bieten wir unter anderem CO2-Emissionsberechnung sowie zukünftig die Unterstützung bei Nachhaltigkeitsberichten an. Ein weiterer großer Bereich ist das Thema Gefahrgut mit entsprechenden Schulungen und der Möglichkeit, externe Gefahrgutbeauftragte bereitzustellen. Darüber hinaus erstellen wir komplexe Abfallwirtschaftskonzepte, übernehmen die Funktion des externen Abfallbeauftragten und beschäftigen uns mit Arbeitssicherheit. Strategisch richten wir uns gerade stärker in Richtung Nachhaltigkeit aus. Neu bauen wir unsere Unterstützung rund um Nachhaltigkeitspositionierung und -kommunikation aus.

Wer sind die bisherigen Kunden und wo sehen Sie Potenzial innerhalb von Raiffeisen?
Cech: Wir arbeiten bereits jetzt sowohl für Unternehmen innerhalb der Raiffeisenorganisation als auch für externe Kunden. Dazu zählen beispielsweise Toyota Material Handling und weitere größere Unternehmen. Zu unseren Referenzen zählen unter anderem zahlreiche Lagerhaus-Genossenschaften, Genol, Iglo, Austria Juice, Bonus Holsystem und viele mehr. Mein Anspruch ist aber, dass wir unsere Dienstleistungen verstärkt innerhalb der Raiffeisenlandschaft anbieten. Wenn wir schon Raiffeisen Umweltgesellschaft heißen, sollte unser vorrangiges Ziel sein, innerhalb der Raiffeisenfamilie präsent zu sein – bei Banken, Immobiliengesellschaften und den vielen anderen Raiffeisenunternehmen und Beteiligungen. Ich bin überzeugt, dass dort sehr viel Potenzial vorhanden ist, das gewissermaßen direkt vor unserer Haustür liegt. Wir sind Teil dieser großen Unternehmensgruppe, wir können diese Leistungen kunden- und lösungsorientiert anbieten, und viele Unternehmen brauchen sie. Nun gilt es, konkrete Ansatzpunkte für eine wirkungsvolle Unterstützung abzuleiten.

Wie sieht die längerfristige Begleitung eines Unternehmens konkret aus?
Cech: Im Normalfall gibt es ein Einstiegsprodukt. Wir beginnen beispielsweise mit einer Energieanalyse oder einem Energieaudit, das in einem wiederkehrenden Zyklus stattfindet. Dabei identifizieren wir Einsparungspotenziale und entwickeln konkrete Maßnahmen. Anschließend können diese Maßnahmen umgesetzt und die Energie­daten regelmäßig überwacht werden. Daraus lassen sich wiederum weitere Schritte ableiten. Gleichzeitig stehen damit Daten zur Verfügung, die etwa für Nachhaltigkeitsberichte verwendet werden können. Bei einem Kunden, für den wir ein Energiemanagementsystem erstellen, können sich in Gesprächen oder bei Betriebsrundgängen weitere Themen ergeben. Vielleicht besteht Handlungsbedarf bei der Arbeitssicherheit, das Unternehmen benötigt ein Abfallwirtschaftskonzept oder möchte die Funktion des Abfallbeauftragten beziehungsweise des Gefahrgutbeauftragten auslagern. So können wir gezielt prüfen, wo sich aus unserer Produktpalette konkrete Anknüpfungspunkte ergeben.

Wie wollen Sie sich vom Mitbewerb abheben?
Cech: Der Mitbewerb hängt stark vom jeweiligen Geschäftsfeld ab. Bei Energieaudits oder technischen Prüfungen treten beispielsweise große Anbieter wie der TÜV Austria auf, bei Nachhaltigkeitsberichten sind es Unternehmen wie PwC oder EY. Wir bewegen uns also in einem Markt, in dem teilweise sehr große und etablierte Player aktiv sind. Unser Anspruch ist nicht, diese Unternehmen zu kopieren. Unser Vorteil liegt in Spezialisierung, Nähe und der Fähigkeit, Lösungen individuell auf den Kunden zuzuschneiden. Und wir wollen unsere eigenen Stärken gezielt ausspielen: Wir verfügen über einen starken Namen, sind Teil einer großen Unternehmensgruppe. Darauf wollen wir aufbauen, um unsere Position innerhalb der Raiff­eisenfamilie Schritt für Schritt zu stärken und uns langfristig zusätzliche Marktpotenziale zu erschließen.

Woran wollen Sie den Erfolg dieser Ausrichtung messen?
Cech: Natürlich müssen am Ende des Tages auch die wirtschaftlichen Zahlen passen. Wenn wir uns durch Qualität und Verlässlichkeit auszeichnen, auf Kundenbedürfnisse eingehen und uns kontinuierlich am Bedarf weiterentwickeln, bin ich überzeugt, dass wir langfristige Kundenbeziehungen aufbauen können. Mit jedem erfolgreichen Projekt stärken wir unsere Position als verlässlicher Partner, gewinnen neue Kunden und schaffen damit die Basis für eine entsprechende Auslastung. Dann sind wir mehr als zufrieden.

Wenn man in drei Jahren einen Geschäftsleiter einer Raiff­eisenbank oder einer Lagerhaus-Genossenschaft nach der Raiffeisen Umweltgesellschaft fragt: Welche drei Begriffe sollte er mit ihr verbinden?
Cech: Kompetenz, Verlässlichkeit und Lösungen. Wenn es uns gelingt, für diese drei Dinge zu stehen, haben wir ein wichtiges Ziel erreicht. Kunden sollen bei Fragen zu Energiemanagement, Umweltmanagement oder Nachhaltigkeit wissen, dass die RUG Raiffeisen Umweltgesellschaft der richtige Ansprechpartner ist.

AusgabeRZ39-2026

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