RVS-Neujahrsempfang: „Leistung muss sich wieder lohnen“

Beim Neujahrsempfang des Raiffeisenverbandes Salzburg forderten Generaldirektor Heinz Konrad und Ökonom Franz Schellhorn wirksame Wirtschaftsreformen.

Was könnte sich Österreich von Ländern wie Dänemark, Argentinien oder der Schweiz abschauen? Und wo drückt bei Unternehmen im Bundesland Salzburg der Schuh? Antworten auf diese Fragen bekamen die Gäste beim diesjährigen Neujahrsempfang des Raiffeisenverbandes Salzburg (RVS). 

Bereits zum 28. Mal fand die traditionsreiche Veranstaltung statt, 1.300 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, ­Kultur und Sport – darunter Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, Festspielpräsidentin Kristina Hammer, Uniqa-Vorstand Peter Humer oder der Präsident der Salzburger Industriellenvereinigung Peter Unterkofler – folgten der Einladung in die Salzburger Felsenreitschule. Musikalisch begeisterten unter anderem das Orchester Bella Musica vom Mozarteum Pre-College sowie der Chor der Jugendkantorei das Publikum. 

Überbordende Bürokratie

Der heurige Impulsgeber war Ökonom Franz Schellhorn von der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Agenda Austria. Die schwächelnde Wirtschaft bestimmte das Gespräch zwischen RVS-Generaldirektor Heinz Konrad und Schellhorn. „Mit zaghaften Ansätzen kommen wir nicht mehr weiter, es braucht wirksame Reformen“, sagte Konrad. So drohe Österreich bei der Wirtschaftsentwicklung heuer auf einen der letzten Plätze in der EU abzurutschen. Die Herbst-Konjunkturprognose der Europäischen Union prognostiziert ein Wachstum von lediglich 0,9 Prozent. „Dass wir mal zu den Schlusslichtern gehören, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen“, mahnte Konrad und sagte: „Wenn Österreich erfolgreich bleiben soll, müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen – und zwar jetzt.“ 

Raiffeisen Salzburg habe das Ohr nah bei der Wirtschaft: „Und da hören wir eine Botschaft immer wieder: Unsere Betriebe brauchen eine spürbare Entlastung, um die Wettbewerbsfähigkeit halten zu können.“ Konrad betonte, dass man in Österreich im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Staaten die hohe Inflation nicht in den Griff bekomme. Zudem setze die überbordende Bürokratie den Unternehmen zu. Zähe Verfahren und kaum zu erfüllende Vorgaben bestimmten den Alltag der Firmen. „Viele exportorientierte und mittelständische Unternehmen leiden darunter.“

Die RVS-Geschäftsführung, Heinz Konrad, Anna Doblhofer-Bachleitner, Andreas Derndorfer und Manfred Quehenberger begrüßten 1.300 Gäste und Impulsgeber Franz Schellhorn (2.v.l.) in der Salzburger Felsenreitschule.
Die RVS-Geschäftsführung, Heinz Konrad, Anna Doblhofer-Bachleitner, Andreas Derndorfer und Manfred Quehenberger begrüßten 1.300 Gäste und Impulsgeber Franz Schellhorn (2.v.l.) in der Salzburger Felsenreitschule. © RVS

Substanzielle Entlastung

Franz Schellhorn unterstützte Heinz Konrads Ruf nach Reformen. „Wir müssen aufhören, uns etwas vorzumachen“, sagte Schellhorn. Es brauche große Würfe und keine „Reförmchen“. „Die aktuelle Bundesregierung hat auf alle Probleme nur eine Antwort: Noch höhere Staatsausgaben, noch höhere Schulden, noch höhere Steuern. Davon haben wir allerdings genug. Was wir brauchen, ist das genaue Gegenteil davon. Die Staatsausgaben müssen schrittweise auf 45 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.“ 

Als Vorzeigemodell für eine Budgetsanierung nannte Schellhorn die Schweiz, der Bund darf dort nur so viel ausgeben, wie er einnimmt – um konjunkturelle Schwankungen bereinigt. Zudem benötige es laut Schellhorn ein anderes Verständnis für den Sozialstaat. „Wir fördern und müssen aber auch mehr fordern.“ Schellhorn verwies auf Dänemark, die Dänen zahlen ein höheres Arbeitslosengeld, das allerdings mit Fortdauer des Bezugs sinkt. „Man kann drei Jobs ablehnen, dann landet man in der Grundsicherung“, so Schellhorn. Als dritte Forderung für Österreich nannte der Ökonom einen radikalen Bürokratieabbau. Für Schellhorn gilt diesbezüglich Argentinien als vorbildlich, das Land hat mit einem radikalen Schnitt Behörden, Dekrete und Gesetze reduziert. Der argentinische, ultraliberale Präsident Javier Milei strich zahlreiche Ministerien und Bürokratiestellen – und ließ sich dafür medienwirksam mit einer Kettensäge fotografieren. 

Heinz Konrad kritisierte darüber hinaus das aktuell leistungsfeindliche Lohnsteuersystem in Österreich. „Es bedarf einer substanziellen Entlastung des Mittelstandes. Leistung muss sich wieder lohnen.“ Diese Aussage brachte dem RVS-Generaldirektor einen großen Applaus vom Publikum ein. Konrad sagte: „Fast ein Drittel aller Erwerbstätigen in Österreich arbeitet in Teilzeit, zwei Drittel davon nicht aus familiären Gründen, sondern weil es sich steuerlich nicht auszahlt, mehr zu arbeiten.“ Das seien eine Millionen Menschen in Österreich. „Diese Fehlentwicklung ist nicht nur wegen der Altersvorsorge eine Katastrophe und gilt es zu korrigieren.“

Salzburg gut aufgestellt

Der RVS-Generaldirektor machte aber auch deutlich, dass Salzburg im innerösterreichischen Vergleich noch gut dastehe. „Wir sind ein starkes Bundesland. Unsere Arbeitslosenquote ist um zwei bis drei Prozent niedriger als der Durchschnitt Österreichs und wir haben das höchste BIP pro Kopf in Österreich.“ Zudem zählt Salzburg zu den 20 erfolgreichsten Wirtschaftsregionen in der EU. 

„Wir tragen als Raiffeisen Salzburg zur Stabilität in unserem Bundesland bei, unser Kompass ist dabei die genossenschaftliche Struktur. Alle unsere Entscheidungen werden in Salzburg getroffen, bei uns redet niemand aus Wien, Linz oder Mailand mit.“ 100 Prozent des Gewinns, den man erwirtschafte, bleibe in der Genossenschaft und damit bei den 81.000 Mitgliedern. „Wir werden auch in Zukunft vehement schauen, dass es Salzburg gut geht“, betonte Konrad.

Erfolgreiches Geschäftsjahr

Das 120. Geschäftsjahr des Raiffeisenverbandes Salzburg verlief trotz der schwächelnden Wirtschaft erfolgreich. „Wir konnten das Geschäftsjahr sehr gut abschließen“, so der Generaldirektor. Aufgrund eines Einmaleffekts aus einem Beteiligungsunternehmen werde es sogar ein „absolutes Rekordergebnis“ für 2025 geben. „Und auch die 33 selbstständigen Raiffeisenbanken werden auf aggregierter Basis an das Top-Ergebnis des Jahres 2024 anschließen können.“ Nähere Angaben folgen nach der Generalversammlung im April.

AusgabeRZ03-2026

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