Couragierte Mithilfe 

Zivilpersonen und Exekutivbeamte erhielten für ihre gemeinsamen Ermittlungserfolge in NÖ den Sicherheitsverdienstpreis.

Die Preisträger des Sicherheitsverdienstpreises NÖ
Zehn Zivilpersonen und 39 Exekutivbeamte wurden für ihren Einsatz geehrt. Stefan Jauk und Erwin Hameseder (vorne links) luden die Preisträger dazu in das Raiffeisenhaus in Wien. (c) Roland Rudolph

Im Oktober 2021 bemerkten Sefa Pembe und Filip Iagar-Rotar in Pottschach im Bezirk Neunkirchen einen Hausbrand, woraufhin sie rasch die Einsatzkräfte verständigten. Kurze Zeit später trafen Hannes Rabe und Michael Hofer von der Polizeiinspektion Ternitz ein und stellten fest, dass im hinteren Teil des Gebäudes eine Frau im Rollstuhl in den Flammen eingeschlossen war. Trotz hoher Rauchbildung rannten die vier Männer unter akuter Gefahr für sie selbst in das brennende Haus und konnten die 69-Jährige befreien, ehe Teile des Dachstuhles einbrachen. Durch unverzügliches Handeln wurde so wohl ein Leben gerettet.

Im Bezirk Baden konnte im vergangenen Jahr ebenfalls durch die Zusammenarbeit von Zivilpersonen und Exekutivbeamten eine Straftat abgewandt werden. Slavko Lampret und Theresia Eisenkirchen verhinderten einen Diebstahl an ihrer 93-jährigen Nachbarin. Die Pflegerin der Pensionistin wollte Goldbarren und weitere Gegenstände im Wert von rund 900.000 Euro stehlen. Dafür platzierte sie eine Sporttasche mit den Wertsachen zwischen den Restmülltonnen vor dem Haus, zwei Komplizen sollten diese danach mit einem Pkw abholen. Lampret, der sich für gewöhnlich um die Müllentsorgung seiner pensionierten Nachbarin kümmert, fiel die verdächtige Sporttasche auf, woraufhin er eine weitere Nachbarin und die Polizei verständigte. Durch das Eingreifen von Lampret und Eisenkirchen konnten die Einsatzkräfte rechtzeitig vor Ort eintreffen und der Diebstahl verhindert werden. Eisenkirchen konnte zudem Merkmale des Flucht-Pkw wiedergeben, wodurch die Komplizen später ausgeforscht werden konnten.

Viel Engagement und soziale Verantwortung

Couragierte Einsätze und gemeinsame Ermittlungserfolge wie diese sind beispielhaft und gehören entsprechend gewürdigt, sind sich die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien und die Niederösterreichische Versicherung einig. Daher wurde heuer einmal mehr der Sicherheitsverdienstpreis für Niederösterreich verliehen. Die Preisträger – 39 Polizisten und zehn Privatpersonen – bewiesen mit ihrem Einsatz im letzten Jahr nicht nur Zivilcourage, sondern verhinderten auch einige Verbrechen und halfen tatkräftig bei deren Aufklärung mit.

„Bereits zum 45. Mal dürfen wir den Sicherheitsverdienstpreis an Vertreter der Exekutive und an Zivilpersonen vergeben und damit an Menschen, die sich um die Sicherheit in Niederösterreich besonders verdient gemacht haben“, betonte Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und Aufsichtsratsvorsitzender der RLB NÖ-Wien, der sich auch als Präsident vom Kompetenzzentrum Sicheres Österreich (KSÖ) für Sicherheit einsetzt. Er lud die erfolgreichen Ermittler ins Raiffeisenhaus nach Wien und überreichte die Preise gemeinsam mit Stefan Jauk, Generaldirektor der Niederösterreichischen Versicherung. „Wir verstehen uns als starker und verlässlicher Partner des Landes und seiner Menschen“, so Jauk. „Mit der Verleihung dieser Preise ehren wir jene Personen, die im letzten Jahr besonders viel Engagement und soziale Verantwortung gezeigt haben und sich selbstlos und mutig für ihre Mitmenschen eingesetzt haben.“

Insgesamt kam es 2021 in Niederösterreich erneut zu einem Rückgang der Kriminalität. Rund 59.300 angezeigte strafbare Handlungen bedeuten ein Minus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Dies ist vor allem auf die stark veränderte gesellschaftliche Situation rund um die Corona-Pandemie zurückzuführen“, erklärte Landespolizeidirektor Franz Popp bei der Preisverleihung. Bei den Ermittlungen setzt er auf die Expertise und Erfahrung seiner Beamten, „aber auch auf unseren kontinuierlichen Austausch und Kontakt mit der Bevölkerung, die dazu beiträgt, Straftaten entweder rasch aufzuklären oder präventiv zu verhindern.“

Kriminalität verlagert sich

Während im Vorjahr die Anzahl der Eigentumsdelikte in NÖ (rund 14.800 Anzeigen) um 15 Prozent sank, bedeuteten rund 6.500 angezeigte Fälle im Bereich Internetkriminalität einen Anstieg um 24 Prozent. „Vorwiegend handelt es sich hierbei um Betrugshandlungen und erpresserische Massenmails“, so Popp. „Die Polizei setzt hier verstärkt auf Aufklärungsarbeit, weshalb viele Tathandlungen ebenso beim Versuch blieben. Die Ermittlungen gestalten sich hingegen schwierig und erfordern internationale polizeiliche Zusammenarbeit sowie eine permanente Weiterentwicklung im technischen und personellen Bereich.“

Kriminalität im Online-Bereich nimmt jedenfalls zu. Das bekommt nach Einschätzung von Erwin Hameseder auch der Bankensektor vermehrt zu spüren: „Seit dem Ukraine-Krieg haben sich die Cyberangriffe im Finanzbereich dramatisch vervielfacht, auch die wirtschaftlichen Schäden, die daraus entstanden sind.“ Raiffeisen NÖ-Wien konnte Angriffe dieser Art bisher abwehren, dafür sind jedoch laufend hohe Investitionen in die Cybersicherheit notwendig.