Valida fordert weniger Kosten, mehr Nutzen bei der Pension

Das österreichische Pensionssystem soll mit dem Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge insgesamt resilienter und nachhaltiger werden. Valida zeigt auf, wie das gelingen kann.

Österreichs Pensionssystem gilt als großzügig, aber fiskalisch als nicht nachhaltig. So ist die Finanzierung der Pensionen nur durch massive Zuschüsse der öffentlichen Hand möglich. Insgesamt belaufen sich diese jährlich auf über 30 Mrd. Euro. Leere Staatskassen und die demografische Entwicklung erhöhen den Finanzierungsdruck.

„Österreich gehört zu den Ländern mit den höchsten Pensionsausgaben, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Jeder siebente Euro der Wirtschaftsleistung fließt in die Pensionen“, erklärt Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria. Sie plädiert dafür, sich bei der Altersvorsorge an internationalen Vorbildern wie Dänemark, Schweden oder den Niederlanden zu orientieren. „In Österreich haben wir das Potenzial der zweiten Säule noch nicht ausgeschöpft. Umso wichtiger ist es, rasch von erfolgreichen Pensionssystemen zu lernen – nicht nur, um unsere Altersvorsorge zukunftssicher zu machen, sondern auch, um unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken“, betont die Ökonomin. 

Jeder siebente Euro der Wirtschaftsleistung fließt in die Pensionen.

Monika Köppl-Turyna

Das Beispiel Dänemark zeige, dass ein Mischsystem aus dem Umlageverfahren und einer starken Kapitaldeckung insgesamt resilienter sei und höhere Leistungen ermögliche, so Köppl-Turyna. So wendet das Land etwas über 8 Prozent des BIP für eine steuerfinanzierte staatliche Grundpension („Folkepension“) auf, den Rest decken Pensionsfonds ab, die ein Kapitalvolumen in der Höhe von rund 200 Prozent des BIP verwalten. Die Bruttoeinkommensersatzrate liegt beim Durchschnittseinkommen mit etwa 73 Prozent auf dem Niveau Österreichs (74 Prozent). Allerdings haben die Dänen auch das Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt: Bis 2040 steigt das gesetzliche Pensionsalter auf 70 Jahre. 

System optimieren

Auf die Schieflage im österreichischen Drei-Säulenmodell der Altersvorsorge weist Valida-CEO Martin Sardelic hin: „Die zweite und dritte Säule sind fast nicht vorhanden.“ 90 Prozent der Pensionsleistungen kommen aus der ersten Säule, der staatlichen Pension. Lediglich 4 Prozent leistet die zweite und 6 Prozent die dritte Säule (private Vorsorge). Mit einem Ausbau der zweiten Säule könne man das System optimieren und insgesamt leistungsstärker machen. Das will auch die Bundesregierung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die betriebliche Altersvorsorge zu attraktivieren und den Zugang zur zweiten Säule als Ergänzung zu einer starken ersten Säule zu verbreitern. „Länder wie Dänemark zeigen, wie ein zukunftsfähiges System mit einer starken zweiten Säule ausschauen kann“, so Sardelic. 

Die zweite und dritte Säule sind fast nicht vorhanden.

Martin Sardelic

Dass der Handlungsbedarf enorm ist, verdeutlicht der Valida-CEO auch mit der fortschreitenden Alterung der österreichischen Gesellschaft: So lag der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung 2023 bei 19,7 Prozent, im Jahr 2040 wird dieser laut Prognosen auf 26,7 Prozent anwachsen und 2060 auf 29 Prozent. Während im Jahr 2023 statistisch gesehen noch 3,1 Beschäftigte auf einen Pensionisten kamen, werden es 2040 nur mehr 2,1 und 2060 gar 1,8 Beschäftigte sein.              

Bessere Diversifikation

Valida-Vorstand Philipp Mayer will die oft ideologisch geführte Diskussion über das Pensionssystem versachlichen: „Meine absolute Überzeugung als Risikomanager und Mathematiker ist es, dass es nie gut ist, alle Eier in einen Korb zu legen.“ Derzeit sei das österreichische Pensionssystem vollständig vom Arbeitsmarkt abhängig und im Wesentlichen von der Demografie getrieben. Er plädiert dafür, auch den Kapitalmarkt, der langfristig einen guten Return liefert, als zusätzliche Finanzierungsquelle einzubeziehen: „Es wird Jahre geben, in denen der Kapitalmarkt schlecht läuft, und es wird Jahre geben, in denen der Arbeitsmarkt schlecht ist, aber es wird selten Jahre geben, in denen beide schlecht laufen.“ Langfristig gesehen könne man damit das systemische Risiko reduzieren. 

Um die angestrebte diversifizierende Wirkung entfalten zu können, müsse die Kapitaldeckung eine relevante Größe erreichen, so Mayer. Ein stabiles Mischsystem, bei dem rund 30 Prozent der Pensionen aus der zweiten Säule kommen, kann die Pensionen für künftige Generationen sichern. „Aus einem Zahnstocher wird so eine wichtige Stütze im System“, betont der Mathematiker. Wichtig wäre es, dass die betriebliche Vorsorge flächendeckend für alle Erwerbstätigen zugänglich werde.

Zahlreiche Vorteile

Profitieren würden von einem solchen Mischsystem alle Beteiligten, sind sich die Experten einig: Der Staat, weil sinkende Zuschüsse den öffentlichen Haushalt spürbar entlasten; die Generation Alpha (Jahrgang ab 2010), die in ein stabileres und nachhaltiges System hineinwächst; alle Erwerbstätigen, die durch eine effizientere Kapitalanlage und eine flächendeckende betriebliche Vorsorge bessere Chancen auf eine höhere Zusatzpension erhalten; sowie die Volkswirtschaft, die langfristig von einer höheren Kaufkraft künftiger Pensionist:innen profitiert.

Ein erster Schritt wäre, die ,Abfertigung Neu’ künftig der Pensionsvorsorge zu widmen.

Philipp Mayer

Ein solcher Schritt sei aber nichts, das von heute auf morgen gehe, ist Mayer überzeugt. Es würde Jahrzehnte brauchen, damit ein Umbau seine volle Wirkung erzielen könne. Das erschwere die Umsetzung. Umso wichtiger sei es, zeitnah mit dem Umbau zu beginnen und an den richtigen Schrauben zu drehen – denn wie so oft stecke der Teufel im Detail. „Ein erster wichtiger Schritt in Richtung eines zukunftsfähigen Mehrsäulenmodells wäre, die ,Abfertigung Neu’ künftig der Pensionsvorsorge zu widmen. In der Regel sollten die Abfertigungsguthaben von den betrieblichen Vorsorgekassen bis zum Pensionsantritt veranlagt und anschließend mittels Generalpensionskassenvertrag als Zusatzpension verwendet werden“, so Mayer. In diese Richtung denkt auch die Bundesregierung. 

Bereits fünf nach zwölf

Darüber hinaus wäre es sinnvoll, die Veranlagung in Form eines Lebensphasenmodells zu flexibilisieren, bei dem die Kapitalanlagestrategie laufend an das Alter der Kunden angepasst wird.  In der Vorsorgekasse könne aufgrund der Kombination einer kurzen Liegedauer des Kapitals und einer Kapitalgarantie oft nur die halbe Performance erzielt werden wie in der Pensionskasse. „Auf diese Weise lassen sich Risiken systematisch reduzieren und zugleich über das gesamte Erwerbsleben deutlich höhere Erträge erzielen“, so Mayer.

Für Sardelic ist es beim Thema Pensionen bereits fünf nach zwölf: „Wir haben einerseits eine Vision – Dänemark –, aber wir kennen auch die österreichische politische Realität, die praktisch keinen Spielraum im Budget hat.“ Daher könne eine Optimierung des Systems aktuell nur in kleinen Schritten vorgenommen werden. „Wenn Sie mich fragen, ob das ausreicht? Nein, bei Weitem nicht, aber nichtsdestotrotz müssen wir einmal anfangen. Wir sind der Meinung, dass es jetzt die Chance gibt, mehr zu bewegen als in vergangenen Jahrzehnten. Es geht darum, mit weniger Kosten mehr Nutzen zu ermöglichen“, so Sardelic abschließend.

AusgabeRZ06-2026

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