Zuwachs in der Skination

Österreichs Wintersportregionen starteten mit Rückenwind in die Hochsaison. Steigende Nächtigungszahlen und treue Stammgäste sorgen für Optimismus – auch wenn Fachkräftemangel und zunehmende Preissensibilität der Gäste die Betriebe fordern.

Jedes zweite weltweit verkaufte Paar Ski trägt ein österreichisches Logo – das ergab ein Faktencheck der Wirtschaftskammer Österreich. Ein klares Zeichen dafür, dass Skifahren für die Österreicher der liebste Wintersport, aber auch ein zentraler wirtschaftlicher Faktor ist. Nicht umsonst ist in den meisten Bundesländern der Februar mit den Semesterferien der stärkste Monat, was die Besucherzahlen betrifft. 

Die Liebe zum Schnee und zum Sport schlägt sich auch in der Wertschöpfung nieder: Rund 50 Millionen sogenannte „Skier Days“ sorgen laut WKO für 12,6 Milliarden Euro Umsatz und 6,7 Milliarden Euro Wertschöpfung (direkt und indirekt). 

Dank der anhaltenden Kälte verspricht auch der heurige Februar laut vorläufiger Buchungslage erfolgreich zu werden. Und auch die Zahlen der Statistik Austria bestätigen mit Blick auf die bisherige Wintersaison einen nicht unerheblichen Zuwachs.

Treue Stammgäste

Die bisherige Wintersaison 2025/26 (November und Dezember) fällt bislang klar positiv aus: In den ersten beiden Monaten der laufenden Wintersaison gab es österreichweit insgesamt 19,67 Millionen Nächtigungen, was einem Plus von 8,1 Prozent entspricht. Am deutlichsten fällt dieses in Salzburg mit plus 12,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus.

Blendet man den winterlichen Städtetourismus aus (Wien verzeichnet ein Plus von 9,6 Prozent) und legt den Fokus auf die Wintersportregionen, so folgen darauf Tirol mit 9,5 Prozent, Kärnten mit 7,1 Prozent sowie Vorarlberg (5,7 Prozent) und die Steiermark (4,8 Prozent). Parallel dazu nahm auch die Zahl der Gäste zu: Im November und Dezember 2025 wurden 6,57 Millionen Ankünfte in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen registriert. 

Was dabei noch auffällt? „Unsere Wintergäste sind sehr treu. Der Anteil an Stammgästen in Österreich betrug im Winter 2024/25 79 Prozent“, betont Susanne Kraus-Winkler, Bundesspartenobfrau für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKO. 

Hochsaison Semesterferien

Die stärksten Umsatztage bzw. -wochen sind laut WKO traditionell die Tage von Weihnachten über Neujahr, in manchen Bundesländern werden aber im Februar die meisten Nächtigungen verbucht. „Wir gehen davon aus, dass der Februar mit den Ferienzeiten bzw. der Faschingswoche in den Herkunftsmärkten – wie auch in den Vorjahren – der stärkste Wintermonat sein wird“, prognostiziert Christian Schützinger, Geschäftsführer des Vorarlberg Tourismus.

Auch aus Tirol wird dieser Trend bestätigt: „Auf den Februar entfallen im Schnitt fast 30 Prozent der Tiroler Winternächtigungen“, so Tirol Werbung-Geschäftsführerin Karin Seiler. In Kärnten erwartet man die meisten Ankünfte in der Woche vom 14. bis 21. Februar, wenn zeitgleich in Bayern und Tschechien Schulferien sind.

Plus und minus

Das Nächtigungsplus allein ist jedoch noch kein Maßstab für die tatsächliche wirtschaftliche Situation der Betriebe, wie Kraus-Winkler zu bedenken gibt: „Gute Zahlen sind ein Applaus für unsere Tourismusbetriebe. Entscheidend ist jedoch, ob am Ende auch ausreichend Ertrag für Investitionen im Betrieb bleibt und der steigende Mitarbeiterbedarf gedeckt werden kann.“ Dem stimmt auch Karin Seiler zu: „Auch wenn die Auslastung zufriedenstellen ist, hören wir von den Betrieben, dass die Ertragssituation wegen des anhaltenden Kostendrucks durchaus herausfordernd bleibt.“ 

Im Dezember 2025 waren fast 248.000 Personen im heimischen Tourismus beschäftigt. Trotz eines Beschäftigungszuwachses von 1,8  Prozent berichten viele Betriebe weiterhin von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen – gerade in der Hochsaison. Um den strukturellen Bedarf langfristig abdecken zu können, fordert Kraus-Winkler unterstützende Rahmenbedingungen und eine moderne Fachkräftestrategie seitens der Politik sowie eine Aufwertung der Lehre.

Wo gespart wird

Den steigenden Besucherzahlen stehen ebenso steigende Preise gegenüber, die auch vor dem Wintertourismus nicht Halt gemacht haben. Höhere Nächtigungskosten und teure Liftkarten belasten die Geldbörsen der Wintertouristen. Trotzdem macht sich nur ein leichter Spartrend auf Besucherseite bemerkbar. Laut der Winterpotenzialstudie 2025/26 der Österreich Werbung planen nur 12 Prozent der Befragten, weniger für Urlaubsreisen auszugeben. 

Michael Feiertag vom Steiermark Tourismus sieht in der Preissensibilität ein Thema, das den Tourismus auch weiterhin begleiten wird: „Hohe Qualität wird bezahlt, gespart wird allerdings schon immer wieder bei Zusatzleistungen.“ Fast alle Bundesländer beobachten ein ausgeprägtes Preis-Leistungs-Bewusstsein bei den Gästen – man spart nicht am Urlaub, sondern im Urlaub: „Die Konsumation von Neben- bzw. Zusatzleistungen, wie etwa für Wein oder Spa-Behandlungen, bleibt nach wie vor etwas verhaltener“, sagt auch Karin Seiler. Die durchschnittlichen Tagesausgaben (ohne Anreise) der Salzburger Wintersaisonen lagen 2024/25 bei 233 Euro – 2020/21 waren es 210 Euro.

Am meisten wird laut Winterpotenzialstudie bei der Gastronomie gespart (15 Prozent) sowie bei Einkäufen/Souvenirs (14 Prozent) und der Unterkunft (13 Prozent). „Gleichzeitig genießt Österreich ein ausgezeichnetes Image als Skireiseziel mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis – mit deutlichem Vorsprung vor Frankreich und Italien“, unterstreicht Klaus Ehrenbrandtner, Geschäftsführer von Kärnten Werbung.

Top-3-Gründe

Die Herkunft der Wintertouristen ist je nach Bundesland unterschiedlich. In der Steiermark sind die wichtigste Herkunftsgruppe nach wie vor Österreicher – gleiches gilt in Kärnten. Anders stellt sich die Situation in den westlichen Bundesländern dar, wo die Nähe zu Deutschland den Herkunftsmarkt bestimmt. In Tirol sorgen deutsche Gäste für rund jede zweite Nächtigung in der Wintersaison, in Salzburg sind es 36 Prozent und in Vorarlberg sogar 60 Prozent. Außerdem verbringen Besucher aus den Niederlanden, der Schweiz, Tschechien und Großbritannien gerne ihren Winterurlaub in Österreich.

Die T-MONA-Gästebefragung (Tourismus-Monitor Austria) zum Winter 2024/25 hat ergeben, dass die Berge, die Attraktivität des Skigebiets sowie die Lage der Unterkunft die Top-3-Gründe für die Wahl des Urlaubsziels sind. Der klassische Skisport bleibt dabei das Hauptmotiv für Winterurlaub in Österreich. Dazu gehören auch die hohe Pistenqualität, generelle Schneesicherheit, die landestypische Atmosphäre und nicht zuletzt kulinarische Anreize – das breite Après-Ski-Angebot inklusive.

Doch der Wintergast erwartet heute mehr als „nur“ Skifahren. Ein Trend Richtung Entschleunigung macht sich bemerkbar. In Kärnten ist der Anteil an Erholungsurlaubern in den letzten fünf Jahren um 8 Prozent auf 33  Prozent gestiegen. Generell gewinnen alternative Sportarten, wie Winterwandern oder Rodeln, an Bedeutung. Auch Spazierengehen, kulinarische Erlebnisse, Wellness und Thermenbesuche sind für viele Besucher wichtige Kriterien. 

Last-Minute-Trend

Trotz hoher Stammgästequote entscheiden sich viele Gäste immer später für ihren Winterurlaub. Laut Winterpotenzialstudie buchen rund 40 Prozent der Gäste erst in den letzten vier Wochen vor der Abreise. Von diesem Last-Minute-Trend können spontane Urlauber jetzt noch profitieren, wie Klaus Ehrenbrandtner aus Kärnten weiß: „Die Semesterferien sind gut gebucht, aber es gibt vereinzelt noch Verfügbarkeiten für Kurzentschlossene.“ 

AusgabeRZ07-2026

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