5/8erl in Ehr’n feiern 20 Jahre

Seit 2006 kultiviert „5/8erl in Ehr’n“ eine Klang­sprache mit einer unverwechselbaren Identität. Ihre „20 Jahre Wiener Soul – Jubiläumstour“ führt die Band quer durch Österreich.

Was als musikalische Liebhaberei mit Heurigenromantik begann, wurde zu einer Erfolgsgeschichte der österreichischen Popmusik. Zum 20-jährigen Bestehen blickt die Wiener Band „5/8erl in Ehr’n“ auf sieben Alben, sieben Amadeus Awards und eine erstaunlich widerstandsfähige Gemeinschaft zurück.

Die 5/8erln Max Gaier, Miki Liebermann, Hanibal Scheutz, Robert Slivovsky und Clemens Wenger teilten sich seit Bestehen der Band über 1.000-mal die Bühne. Live-Auftritte, bei denen es in der Regel Zoom gemacht hat. Dass dem so ist, lässt sich im Haupterkennungsmerkmal von 5/8erl in Ehr’n erklären: „Wir haben zwei eigenständige Sänger, die aber auch miteinander singen. Außerdem haben wir kein Schlagzeug. Wir spielen grooveorientiert und das so sehr, dass viele Menschen zu tanzen beginnen. Das würde man von akustischer Musik gar nicht erwarten“, sagt Hanibal Scheutz. „Zudem sind es unsere Fans gewohnt, dass wir uns von Album zu Album immer teilweise neu erfinden – also auch neue klangliche Wege gehen und neue Instrumente ausprobieren. Wir sind eine sehr orientierungsoffene Band.“ 

Geprägt haben sie einen eigenen Begriff für ihre Musik: Wiener Soul. Darin begegnen einander die sprachliche Direktheit des Wienerlieds, die harmonische Beweglichkeit des Jazz, die rhythmische Gelassenheit des Soul und die erzählerische Beobachtungsgabe des Pop. Das Ergebnis ist weder folkloristische Selbstvergewisserung noch ironische Dialektfolklore, sondern eine musikalische Gegenwartskunst, die ihre Herkunft kennt, ohne sich von ihr einschränken zu lassen. 

Markante Stimmen

Bemerkenswert sind bereits die Biografien der einzelnen Bandmitglieder. Max Gaier gehört zu den beiden markanten Stimmen der Band, dessen Ausbildung Jazzgesang umfasste. Sein musikalischer Zugang ist stark von der Verbindung zwischen vokaler Interpretation und erzählerischer Gestaltung geprägt. Gemeinsam mit Robert „Bobby“ Slivovsky bildet er ein Gesangsduo, das nicht auf eine klassische Frontmann-Konstellation reduziert werden kann. Vielmehr entstehen aus den unterschiedlichen Stimmcharakteren dialogische und bisweilen kontrapunktische Situationen.

Slivovsky war in seiner Kindheit Wiener Sängerknabe und absolvierte später eine Ausbildung im Jazzgesang. Clemens Wenger wiederum ist Mitbegründer der Jazzwerkstatt Wien, die als Plattform für junge Musikerinnen und Musiker entstand, die sich mit zeitgenössischem Jazz und Improvisation auseinandersetzen. Bei 5/8erl in Ehr’n ist er für einen wesentlichen Teil der harmonischen und klanglichen Identität verantwortlich. Neben dem Akkordeon kommen Klavier und Wurlitzer zum Einsatz, das zur charakteristischen Verbindung von Soul und Wiener Liedtradition beiträgt.

Miki Liebermann, nimmt innerhalb der Band eine besondere Stellung ein, da ihre musikalische Vergangenheit stärker von der österreichischen Rock- und Bluesgeschichte geprägt ist als jene ihrer Kollegen. Sie spielte unter dem Künstlernamen Lilli Marschall bei Ostbahn Kurti & die Chefpartie – eine Erfahrung, die für den Bandsound nicht unwesentlich ist. Ihre Gitarre übernimmt häufig eine solistische und rhythmisch prägende Funktion, die sie mit der fast kammermusikalischen Ästhetik der Band verbindet.

Hanibal Scheutz ist der Bassist von 5/8erl in Ehr’n und Sohn des Musikers Wilfried Scheutz. „Beim Musikmachen am Konservatorium haben wir uns besser kennengelernt und unseren Sound entwickelt“, so der Bassist. „Im Alter von Mitte 20 sind wir schon auf Tour gegangen, das ging schnell. Aber es ist schön, dass man 20 Jahre lang miteinander zu tun hat. Oft hat man so lange nicht einmal den gleichen Freundeskreis.“ 

Mit „Siasse Tschick“ gelang der Band früh ein Stück, das weit über den ursprünglichen Wirkungskreis hinausreichte. Später folgten „Alaba – How Do You Do?“, „Vaporizer“ und „Badeschluss“. Die Lieder erzählen von Wiener Eigenheiten, zwischenmenschlichen Verwerfungen, gesellschaftlichen Widersprüchen und den kleinen Absurditäten des Alltags. Hinter dem Schmäh liegt häufig eine präzise Beobachtung gesellschaftlicher Verhältnisse.

Aus dem bemerkenswerten Œuvre der Band gefällt Hanibal Scheutz das Lied „Gengan zwa Warme auf a Hasse“ besonders gut, „weil wir Haltung bekennen dazu, wie wir Menschen generell akzeptieren“, so Scheutz. „Aber was es einzigartig macht: Das haben wir vor 20 Jahren geschrieben, als es fast noch ein Tabuthema war, über Homosexualität zu singen und sie aufzuzeigen. Heutzutage würden wir dieses Lied auf andere Art schreiben und viel mehr Randgruppen einbeziehen.“

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