Der Begriff „historisch“ wird oft inflationär verwendet. Wenn sich aber die Fußball-Nationalmannschaft erstmals in diesem Jahrtausend für eine Weltmeisterschaft qualifiziert und damit eine 28 Jahre währende Durststrecke beendet, ist er durchaus angebracht. Doch ist die WM in den USA, Kanada und Mexiko längst nicht das einzige Highlight, auf das Fans und Sportler mit dem Giebelkreuz hinfiebern. Hier eine Übersicht der sportlichen Leckerbissen in 2026.
Olympische Winterspiele
Nach 1956 und 2006 finden die Winter Games zum dritten Mal in Italien statt, Austragungsorte ab dem 5. Februar sind Cortina d’Ampezzo und die Region Mailand, wo im Stadion San Siro, Heimstätte der großen Fußballklubs AC und Inter, auch die Eröffnungsfeier abgehalten wird. Bei den letzten Spielen 2022 in Peking, die unter dem Eindruck der Corona-Pandemie standen und bei denen viele Wettkämpfe ohne Zuschauer stattfanden, gewann Österreich sieben Goldmedaillen: drei im Ski alpin, drei beim Snowboard und eine beim Skispringen. Dazu kamen sieben Silber- und drei Bronzemedaillen, was am Ende Rang sieben im Medaillenspiegel ergab – das zweitbeste Abschneiden der Geschichte nach 2006.
Damals schon am Start: Snowboard-Crosser Jakob Dusek, der mit Rang 25 unter seinen Erwartungen blieb. Zwischenzeitlich wurde er Weltmeister und fährt sicherlich mit größeren Ambitionen in den Norden Italiens. Für Parallel-Snowboarder Andreas Prommegger, der im vergangenen November 45 Jahre alt wurde und immer noch zur Weltspitze gehört, könnte es die sechste Olympia-Teilnahme seiner Karriere werden. Auch im alpinen Ski könnte es die eine oder andere Athletin mit dem Giebelkreuz (Nina Ortlieb, Magdalena Egger) nach Italien schaffen, die endgültigen Nominierungen stehen noch aus.
Ab 6. März finden an gleicher Stelle auch die paralympischen Winterspiele statt, bei denen unter anderem die Ski-Familie Aigner wieder mit sehr guten Medaillenchancen an den Start gehen wird.
WM-Quali des Frauen-Nationalteams
Das Frauen-Team des ÖFB hat die letzte EURO-Endrunde zwar verpasst, hat aber trotzdem ein klares Ziel vor Augen. „Es ist ein Traum, den wir uns im siebten Anlauf erfüllen möchten“, sagt Teamchef Alexander Schriebl. Und meint damit die erstmalige Teilnahme an einer Weltmeisterschaft überhaupt. Um bei der WM 2027 in Brasilien dabei sein zu können, muss in einer Gruppe mit Topfavorit Deutschland, Slowenien und Norwegen entweder Platz eins errungen oder über eine gute Platzierung eine machbare Ausgangslage geschaffen werden, um im anschließenden Play-off einen schaffbaren Gegner zugelost zu bekommen. Ein schwieriges Unterfangen, das Schriebl mit dem Rückenwind des geschafften Klassenerhaltes im A-Pool der Nations League mit Optimismus angeht: „Man spielt eine Qualifikation immer, um sich für ein Turnier zu qualifizieren. Unser Hauptaugenmerk liegt jetzt einmal darauf, bis zum Ende die Chance zu haben, dabei zu sein.“
Die Quali-Spiele finden zwischen März und Juni statt, das Highlight mit dem Heimspiel gegen Deutschland ist für den 18. April terminiert.
Welt- und Europameisterschaften
In einigen Sportarten, bei denen Raiffeisen-Sportler zur Weltspitze gehören, finden dieses Jahr Welt- oder Europameisterschaften statt. Die Schwimmer tragen ihre EM im August in Paris aus, dafür ist Christian Giefing vom ASV 2000 Stockerau über 200 und 400 Meter Freistil bereits qualifiziert – der nächste Schritt in der beeindruckenden Karriere des jungen Sportlers. Die Wildwasser-Kanuten tragen ihre Weltmeisterschaften Ende August im polnischen Posen aus, dort wird auch Felix Oschmautz am Start sein und bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden wollen. Und zu den Highlights der Kletterer gehört auch wieder der Weltcup in Innsbruck, der heuer im Juni über die Bühne gehen wird und bei dem Lokalmatador und Publikumsliebling Jakob Schubert zu den Favoriten zählt.
Außerdem ist das österreichische Eishockey-Team zum fünften Mal nacheinander bei einer A-WM (15. bis 31. Mai in der Schweiz) dabei, die Frauen (von 6. bis 16. November in Dänemark) kämpfen dagegen erstmals in der Top-Division um Punkte. Für eine Überraschung sorgen wollen auch die rot-weiß-roten Handballer, die bei der Mitte Jänner beginnenden EM in Skandinavien in der Vorrunde auf die ganz harten Brocken Deutschland, Spanien und Serbien treffen. Und: Zum allerersten Mal überhaupt haben sich Österreichs Frauen sportlich für eine Volleyball-EM qualifiziert, diese geht im September/Oktober in der Türkei über die Bühne.
Fußball-WM in Nordamerika
Das größte Highlight aus rot-weiß-roter Sicht wird aber die Fußball-Weltmeisterschaft sein, die vom 11. Juni bis 19. Juli stattfinden wird. Erstmals seit 1998 ist der ÖFB wieder bei einer Endrunde dabei, die Vorrundengegner lauten Argentinien (amtierender Weltmeister mit Superstar Lionel Messi), Jordanien und Algerien. Eine interessante, vor allem aber machbare Gruppe, die Träume vom Aufstieg in die K.o.-Runde durchaus zulässt. „Wir sollten das Ziel haben, 100 Prozent von dem abzurufen, was wir zu leisten imstande sind“, sagt Michael Gregoritsch, der mit seinem Tor zum 1:1 gegen Bosnien das WM-Ticket endgültig löste.
Das Team-Basecamp der Männer von Ralf Rangnick wird in Kalifornien sein, von dort reist der Tross zu den Spielorten in Dallas, San Francisco und Kansas City. Die Testspiele, die im März gegen zwei noch nicht bestätigte Gegner stattfinden, dienen dann nicht nur der reinen Vorbereitung, sondern auch als Casting, welche Spieler der Teamchef letztlich mitnimmt auf die WM-Mission. Die übrigens auch aus finanzieller Sicht durchaus interessant ist. Jedes Team bekommt etwa zehn Millionen Euro als eine Art Startprämie, wer am Ende Weltmeister wird, kann bis zu 50 Millionen Euro verdienen. Überhaupt ist es ein Turnier der Rekorde: Erstmals nehmen 48 Mannschaften an einer WM teil, es werden 104 Spiele vonnöten sein, um am Ende einen Gewinner küren zu können – bei der vergangenen „Winter-WM“ in Katar waren es noch 64.
Wer Weltmeister werden will, muss mindestens acht Spiele bestreiten, doch so weit denkt der Teamchef, der zuletzt ein Engagement über die WM hinaus dezidiert nicht ausgeschlossen hat, dann doch nicht. „Nichts ist unmöglich. Wir wollen weiter kommen als bei der Euro.“ Dort beendete die Türkei in der ersten K.o.-Runde das rot-weiß-rote Sommermärchen, das heuer etwas länger andauern soll.









