Der Aufsichtsrat des deutschen angeschlagenen Agrarkonzerns Baywa, an dem die Raiffeisen Agrar Invest beteiligt ist, wird umgebaut. Drei Mitglieder des 15-köpfigen Kontrollgremiums haben ihr Ausscheiden angekündigt: Raiffeisen-NÖ-Wien-Generaldirektor Michael Höllerer, der mit 1. Juli 2026 an die Spitze der Raiffeisen Bank International (RBI) wechselt, und die deutsche CSU-Politikerin Monika Hohlmeier haben ihren Rücktritt zum 31. März 2026 bekanntgegeben. Monique Surges wird ihr Mandat zum 30. Mai 2026 niederlegen. Sie wird Leiterin der deutschen Handelskammer in Neuseeland.
Die drei Aufsichtsratsmandate „sollen zeitnah nachbesetzt und durch die Hauptversammlung 2026 bestätigt werden“, teilte Baywa in einer Aussendung mit.
Schrittweise Änderungen
Die strategische, kulturelle und personelle Erneuerung mache auch vor dem Aufsichtsrat nicht halt, betonte dessen Vorsitzender Gregor Scheller. Das Gremium werde Schritt für Schritt verändert. Dabei orientiere man sich „konsequent an den zukünftigen Anforderungen der Baywa.“ Ab 2028 sollen die Aufsichtsratsmitglieder wie bei börsennotierten Unternehmen üblich gestaffelt gewählt werden, sodass jedes Jahr zwei Posten neu zu besetzen sind. Zudem wird die Amtszeit von fünf auf vier Jahre verkürzt.
Dem Baywa-Vorstand soll das Gremium künftig genauer auf die Finger schauen: Alle Geschäfte über 50 Mio. Euro müssen vom Aufsichtsrat gebilligt werden, vorher lag die Schwelle bei 200 Mio. Euro. Den ausscheidenden Mitgliedern dankte Scheller „für ihre engagierte und vertrauensvolle Mitarbeit“.
Medienberichten zufolge sollen Aktionäre Druck für eine Erneuerung des Aufsichtsrates machen, weil das Gremium den schuldenfinanzierten Expansionskurs des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz gestützt hatte. Die Schulden hatten Baywa 2024 in eine finanzielle Krise gestürzt und ein Sanierungsverfahren ausgelöst.
Wesentliche Abweichungen
Unterdessen scheinen neue Probleme bei der auf erneuerbare Energien spezialisierten Tochter Baywa r.e. AG aufzutauchen. „Vor dem Hintergrund erkennbarer Marktentwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien in den USA und Europa sowie einer Presseanfrage“ gehe man davon aus, dass es wesentliche Abweichungen bei der Geschäftsplanung der Tochter geben könnte, teilte Baywa Anfang der Woche mit. Dies hätte Auswirkungen auf die im Baywa-Sanierungskonzept geplanten Gesamterlöse aus der bis 2028 vorgesehenen Beteiligungsveräußerung der BayWa r.e. AG. Der Vorstand habe deshalb vorsorglich Gespräche mit Finanzierungspartnern und Hauptaktionären aufgenommen.
Für die Liquidität und das operative Geschäft der Baywa ergäben sich aber keine direkten negativen Auswirkungen. „Der Vorstand ist weiterhin zuversichtlich, die Sanierung der Baywa AG erfolgreich umzusetzen“, hieß es. Allerdings könne sich die bis 30. April 2026 vorgesehene Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2025 verzögern.









