Stockerau-Hollabrunn: „Das Beste aus beiden Banken“

Die Raiffeisenbank Stockerau stellte bei ihrer Generalversammlung die Weichen für die Fusion mit der Raiffeisenbank Hollabrunn.

Geopolitische Unsicherheiten, steigende regulatorische Anforderungen, volatile Märkte und ein anspruchsvolles wirtschaftliches Umfeld: Bei der 69. Generalversammlung der Raiffeisenbank Stockerau war der Rückblick auf 2025 geprägt von vielschichtigen Herausforderungen. „Umso wichtiger war es, rechtzeitig die richtigen Entscheidungen zu treffen und verantwortungsvoll zu handeln – genau das haben wir getan“, betonte Obmann Gerhard Forstner. Tatsächlich stand die Versammlung im Sinne einer weitreichenden Weichenstellung für die Zukunft: Einstimmig wurde die Verschmelzung mit der Raiffeisenbank Hollabrunn beschlossen, zuvor war auch dort einstimmig dafür gestimmt worden.

Immer wieder gebe es Herausforderungen, die in einer größeren Gemeinschaft besser zu lösen seien als im Alleingang, sagte Forstner: „Mit dem Zusammenschluss schaffen wir die Basis für eine leistungsstarke Regionalbank mit noch größerer Kompetenz, breitem Know-how und einer starken Verankerung in der Region.“ Resilienz sei der entscheidende Faktor in der heutigen Zeit, gefragt seien daher nachhaltiges Wirtschaften und vorausschauendes Handeln. „Genossenschaft heißt organisierte Resilienz“, so der Obmann.

Durch die Fusion entsteht das Finanzinstitut „Raiffeisenbank Stockerau-Hollabrunn“ mit einer Bilanzsumme von rund 1,2 Mrd. Euro, etwa 35.000 Kunden sowie rund 100 Mitarbeitenden. Die technische Zusammenführung der beiden Banken ist für September 2026 geplant. Erklärtes Ziel ist, Einsparpotenzial aus Synergien zu nutzen und die Effizienz zu steigern.

Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Dobritzhofer betonte, dass es sich um „keine Zwangsheirat, sondern eine Liebesheirat“ handle. Der gesamte Fusionsprozess sei respektvoll und auf Augenhöhe passiert. „Das zeigt sich auch daran, dass wir die aufnehmende Bank sind, aber der Firmenbuchsitz in Hollabrunn sein wird“, sagte Dobritzhofer.

Bewusste Risikovorsorgen

Auch der Geschäftsbericht stand im Zeichen dieses Übergangs. Die Bilanzsumme der Raiffeisenbank Stockerau lag zum Jahresende bei rund 532 Mio. Euro, die harte Kernkapitalquote bei 20,7 Prozent. Geschäftsleiter Johann Schreiber sprach daher von einer „sehr gut ausgestatteten Raiffeisenbank“. 

Dass der Jahresabschluss dennoch einen Bilanzverlust von 1,43 Mio. Euro ausweist, ordnete Geschäftsleiter Walter Pamperl ausdrücklich im Kontext der anstehenden Fusion ein. Operativ habe die Bank „wirklich ein tolles Ergebnis erreicht“: Der Nettozinsertrag lag bei 13,7 Mio. Euro, das Provisionsergebnis bei 3,7 Mio. Euro, die Betriebserträge bei 18,5 Mio. Euro. Trotz des im Vergleich zum Vorjahr rückläufigen Zinsumfelds wurde ein Betriebsergebnis von 10,2 Mio. Euro erzielt.

Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch hohe Risikovorsorgen in Höhe von rund 10 Mio. Euro. „Diese haben wir bewusst gebildet, da wir mit sauberen Büchern in die Fusion gehen wollten“, so Pamperl.

Intensive Vorbereitung

Betont wurde, dass diese Vorsorgen nicht auf Druck der Aufsicht erfolgt seien, wiewohl die Bank einer OeNB-Adressrisikoprüfung unterzogen wurde. Laut Geschäftsleiterin Ursula Paul habe diese die Bank „knapp drei intensive Prüfmonate in Atem gehalten“. Nach erfolgreichem Abschluss habe die Nationalbank der Bank jedenfalls „ein wirklich gutes Zeugnis ausgestellt“. Entsprechend wurde auch von der Revision ein Bestätigungsvermerk mit uneingeschränktem Prüfungsurteil erteilt. „Wir haben im letzten Jahr intensiv daran gearbeitet, den zukünftigen Weg gemeinsam zu gehen“, sagte Paul. „Unser Motto dabei war immer: Das Beste aus beiden Banken.“

Auch personell stand die Generalversammlung im Zeichen des Neubeginns, Vorstand und Aufsichtsrat wurden neu besetzt. Gerhard Forstner verabschiedete sich nach 26 Jahren im Vorstand, 18 davon als Obmann. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Obmann der Raiffeisenbank Hollabrunn, Josef Reinwein, bestimmt. Ursula Eichler folgt Wolfgang Dobritzhofer als Aufsichtsratsvorsitzende nach.

Vergoldeter Abschied

Als einer der ersten Gratulanten zur Fusion richtete Ehrengast Martin Hauer, designierter Generaldirektor von Raiffeisen NÖ-Wien, klare Worte an die Versammlung: „Sie haben nicht nur eine weitreichende, sondern auch eine sehr gute Entscheidung getroffen.“ Die Bank sei dadurch besser gewappnet für die Herausforderungen, die künftig auf die gesamte Raiffeisen-Bankengruppe zukommen. 

Abschließend nahm Hauer die Verabschiedung und Ehrung verdienter Funktionäre, darunter Karl Lehner und Peter Spitzer, vor. Allen voran wurde der scheidende Obmann Forstner für seinen langjährigen Einsatz für die Raiffeisenbank, nicht zuletzt auch im Rahmen des Fusionsprozesses, mit dem Ehrenzeichen in Gold ausgezeichnet.

AusgabeRZ23-2026

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