RC-27: Alles für die Kinder

Der RC-27 aus dem niederösterreichischen Randegg setzt mit seinem Kinder-Kriterium Maßstäbe und gilt als der etwas andere Radverein.

Es ist schon erstaunlich, wie oft der Zufall im Leben und besonders im Sport Regie führt. Und was daraus alles entstehen kann. Das beginnt schon beim Namen des RC-27. Denn die genaue Begründung, was die Zahl hinter dem RC für Radclub eigentlich zu bedeuten hat, kann heute niemand mehr liefern. „Es gibt dazu keine mythische Geschichte oder eine spannende Anekdote. Ich vermute, dass es auf die übliche Dimension von 27-Zoll-Rennrädern zurückzuführen ist, kann aber auch nur mutmaßen“, sagt Hermann Tod über den 1990 von Franz Adelsberger, Hermann Scholler und Engelbert Pruckner jun. gegründeten Verein. Und Tod würde es wissen, denn er übernahm 1993 den Klub als Obmann, dem er im Jahr zuvor beigetreten war – aus Zufall.

Denn Tod war zu der Zeit eigentlich Läufer und machte sich in Disziplinen wie Triathlon und vor allem Orientierungslauf einen Namen. Weil er aber Probleme mit seinen Gelenken bekam, suchte er sich eine schonendere Sportart – und landete schließlich beim Radfahren und dem RC-27. Ein Verein, der nicht den Anspruch hatte, Top-Talente zu kreieren oder gar den Radsport zu revolutionieren. Sondern der seinen Mitgliedern die ­Möglichkeit geben wollte, unter möglichst professionellen Bedingungen Ausfahrten zu machen und ihrem Hobby auf zwei Rädern nachzugehen. „Es war immer der Ansatz, für die Gesellschaft, die Förderung der Jugend und des Breitensports einzutreten – darum geht es“, erklärt Tod.

Rennen für alle

Weil er und seine Frau Marianne, die heute als Kassiererin im Verein engagiert ist, einen damals fünfjährigen Sohn hatten, entwickelte er eine Idee, die eine Marktlücke füllte. Denn um an Radrennen teilnehmen zu können, musste man damals ein gewisses Mindestalter haben oder zumindest bei einem Verein sein, der als Teil des Österreichischen Radsport-Verbandes (ÖRV) über die entsprechenden Lizenzen verfügt. „Wir aber wollten Kindern die Möglichkeit geben, ohne Druck und großen Aufwand ein Rennen bestreiten zu können“, erinnert sich Tod.

So entstand – mehr oder weniger aus Zufall – das Kinder-Kriterium, das bis heute das Highlight im Vereinsleben des RC-27 darstellt und das mittlerweile weit über die Grenzen der niederösterreichischen Gemeinde hinausstrahlt. Wenn am 23. August das Event zum 34. Mal über die Bühne geht, werden auf dem Gelände der Firma Mosser, einer der größten Leimholz- und Schnittholzproduzenten Europas, zwölf Rennen in verschiedenen Kategorien stattfinden. 

Die ältesten Teilnehmer sind dabei zwischen 13 und 15 Jahren alt und drehen auf „echten“ Rennrädern ihre Runden auf dem etwa 600 Meter langen Kurs. Die jüngsten dagegen sind eineinhalb Jahre alt und gehen mit Laufrädern, Bobbycars, Stützrädern und allem, was dazwischen liegt, an den Start. Die besten drei jeder – in Mädchen und Burschen aufgeteilten – Kategorie bekommen Pokale, am Ende nehmen alle an einer großen Preis-Verlosung teil, unabhängig vom Abschneiden. „Niemand soll enttäuscht nach Hause gehen, egal, ob man schnell unterwegs war oder ausgeschieden ist“, betont der 69-Jährige. „Wir sagen immer, wir machen alles für die Kinder!“

Regionales Engagement

Ein Ansatz, der auch von den beiden großen Sponsoren mitgetragen wird. Neben der Firma Mosser ist das auch die Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel, die von der ersten Stunde an mit an Bord war und ihre Partnerschaft erst kürzlich bis Ende 2028 verlängert hat. „Raiffeisen ist mittlerweile über 36 Jahre ein treuer Partner geblieben“, sagt Tod. „Diese Partnerschaft ist weit mehr als ein klassisches Sponsoring. Sie steht für gegenseitige Unterstützung, regionales Engagement und eine starke Gemeinschaft. Wir freuen uns, gemeinsam weiterhin junge Talente zu fördern und den Radsport in der Region nachhaltig zu stärken.“

Auch wenn die Nachwuchsförderung und der Breitensport im Fokus stehen – überregionale Highlights, dank derer der RC-27 Schlagzeilen machte, gab es in der Vereinsgeschichte dennoch. So wurde über 25 Jahre ein Bergzeitfahren veranstaltet, bei dem kein Geringerer als Dietmar Hauer gleich bei der Premiere 1990 die niemals unterbotene Bestzeit von zehn Minuten und elf Sekunden aufstellte. „Hauer war zu seiner Zeit der beste Rennfahrer des Landes, Gewinner der Österreich-Rundfahrt und Großglockner-König“, sagt Tod. Und ein Re­voluzzer, der stets einen kritischen Blick auf seinen Sport hatte und sich strikt dem Doping verweigerte. Wohl auch ein Grund, warum er schon früh mit 26 Jahren seine aktive Karriere beendete. In den Vereinsannalen hat er mit seinem Husarenritt trotzdem seinen fixen Platz.

Genauso wie Christoph Sulzer, auch wenn der Kontakt zu ihm heute nur noch sehr sporadisch besteht. „Aber er fuhr eine Zeitlang für unseren Verein, ehe er seinen großen Erfolg gefeiert hat.“ Was Tod damit meint: 2010 wurde Sulzer Indoor-Weltmeister der Mountainbiker bei der 24-Stunden-WM in Freistadt. Eine Meisterleistung, bei der Sulzer mehr als 400 Kilometer und knapp 10.000 Höhenmeter abspulte – und das Rad nur kurz abstellte, wenn er seine Notdurft zu verrichten hatte. „So ein Titel ist der Traum eines jeden Sportlers“, sagt Tod.

Dessen aktueller Traum wäre es, in möglichst naher Zukunft jemanden zu finden, der die Obmannschaft des Vereins übernimmt und ihn in die Zukunft führt. Schließlich hat der Familienvater fast die Hälfte seines Lebens dem RC-27 an vorderster Front gedient. Doch eine Nachfolge zu finden, ist kein einfaches Unterfangen, und im konkreten Falle möchte er sich auch keineswegs auf den Zufall verlassen. „Es ist tatsächlich sehr schwer, in der Organisation Leute zu finden, die diesen Job erledigen“, sagt der pensionierte Berufssoldat. „Aber wir haben mit dem Kinder-Kriterium oder dem großen Rad-Basar, den wir einmal im Jahr veranstalten, starke Veranstaltungen, die mit Sicherheit auch in Zukunft funktionieren werden.“ 

AusgabeRZ29-2026

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