Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und handelspolitischer Unsicherheiten richten österreichische Exportunternehmen ihren Fokus wieder verstärkt auf Europa, zeigt eine aktuelle Kundenbefragung der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB). Während Nordamerika und Südostasien in den vergangenen Jahren als besonders attraktive Wachstumsmärkte galten, gewinnt der europäische Binnenmarkt nun deutlich an Stellenwert.
Laut der im März 2026 durchgeführten Umfrage sehen 59 Prozent der befragten Betriebe Europa als Hoffnungsmarkt – ein Anstieg um 21 Prozentpunkte im Vergleich zur Erhebung zu Jahresanfang 2024. Nordamerika und Südostasien werden hingegen nur noch von rund einem Drittel der Unternehmen als besonders aussichtsreiche Regionen genannt. 2024 war es noch jeder zweite befragte Betrieb. Auslöser für diese Verschiebung sind unter anderem die zunehmenden handelspolitischen Spannungen. 38 Prozent der befragten Exportunternehmen geben an, stark von US-Einfuhrzöllen betroffen zu sein. Als Konsequenz planen zwei von drei Unternehmen eine stärkere Diversifizierung ihrer Zielmärkte, um Abhängigkeiten von einzelnen Regionen zu reduzieren.

Raues Umfeld
Die Entwicklung erfolgt vor einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld. Die österreichischen Warenexporte gingen 2025 um 0,5 Prozent zurück. Belastend wirkten insbesondere die schwache Nachfrage in Deutschland und im übrigen Euroraum sowie ein deutlicher Rückgang der Exporte in die USA um 20 Prozent. Für 2026 wird zwar wieder ein moderates Wachstum erwartet, allerdings bleiben die Aussichten angesichts geopolitischer Konflikte und globaler Unsicherheiten verhalten.
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen verfolgen viele Unternehmen weiterhin eine internationale Wachstumsstrategie. Dabei liegt der Schwerpunkt zunehmend auf dem Ausbau bestehender Märkte. 85 Prozent der Befragten (2024: 75 Prozent) wollen ihre Aktivitäten in diesen Märkten ausweiten. Die Erschließung neuer Märkte bleibt zwar wichtig, verliert gegenüber den Vorjahren jedoch etwas an Dynamik.
„Die geo- und handelspolitischen Konflikte der letzten Monate haben ihre Spuren hinterlassen“, konstatiert OeKB-Vorstand Helmut Bernkopf. Die stärkere Orientierung an Europa sei nachvollziehbar. Gleichzeitig verweist er darauf, dass Schwellen- und Entwicklungsländer weiterhin höhere Wachstumsraten aufweisen und langfristig wichtige Chancen für österreichische Unternehmen bieten.








