Die geplante Reform der betrieblichen Altersvorsorge mit dem Ziel, das System zu verbreitern und auszubauen, dürfte im September im Nationalrat beschlossen werden. Sie soll künftig allen unselbstständig Beschäftigten den Zugang zum Pensionskassensystem mittels eines sogenannten Generalpensionskassenvertrags ermöglichen, mehr Wahlmöglichkeiten und bessere Ertragschancen schaffen. Außerdem wird die Möglichkeit geschaffen, dass Beschäftigte steuerfrei Kapital aus der „Abfertigung Neu“ in eine Pensionskasse transferieren und sich damit eine lebenslange Zusatzpension als Ergänzung der staatlichen Pension aufbauen können.
„Reform zur rechten Zeit“
Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensions- und Vorsorgekassen, spricht von einer „Zeitenwende“. Die Verzahnung der Vorsorgekasse mit der Pensionskasse sei die größte Reform des Pensionskassensystems seit dessen Einführung vor über 35 Jahren. „Die Reform kommt zur rechten Zeit“, so Zakostelsky mit Blick auf den demografischen Druck auf das staatliche Budget. Aktuell sind lediglich 24 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer im Pensionskassensystem und damit in der zweiten Pensionssäule erfasst. Voraussetzung dafür ist, dass der Arbeitgeber einen Pensionskassenvertrag für seine Mitarbeiter abschließt und so betrieblich zur Altersvorsorge beiträgt.
Die Einstellung der Österreicher zur betrieblichen Altersvorsorge wurde von dem Markt- und Meinungsforscher Unique Research im Auftrag des Fachverbandes in einer Online-Umfrage untersucht. Dafür wurden insgesamt 508 Personen zwischen 15 und 70 Jahren im Juli 2026 befragt. „Das Thema Vorsorge brennt den Menschen unter den Nägeln, weil sie die Sorge haben, dass sich das eine oder das andere für ihren Lebensstandard nicht ausgehen wird“, erklärte Marktforscher Peter Hajek bei der Vorstellung der Ergebnisse. Demnach tendieren 68 Prozent der befragten Berufstätigen zur Einschätzung, für ihre finanzielle Absicherung im Alter zusätzlich zur staatlichen Pension eine betriebliche Altersvorsorge zu benötigen. Nur 22 Prozent gehen eher davon aus, dass die staatliche Pension allein ausreichen wird.
Positives Stimmungsbild
„Das zentrale Ergebnis ist klar: Viele Menschen sehen den Bedarf an zusätzlicher Absicherung im Alter. Besonders bei den unter 50-Jährigen ist die Einschätzung stark ausgeprägt, dass es zusätzlich zur staatlichen Pension eine betriebliche Altersvorsorge braucht“, erklärte Hajek. Auch beim geplanten Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge zeigt sich ein grundsätzlich positives Stimmungsbild: 36 Prozent der Befragten stimmen dem Ausbau zu, weitere 31 Prozent stehen ihm zumindest offen gegenüber.
Besonders relevant ist für die Befragten die Möglichkeit, die „Abfertigung Neu“ in eine monatliche Zusatzpension umzuwandeln. 45 Prozent halten es für sehr oder eher sinnvoll, auf diesem Weg über die zweite Säule eine Zusatzpension zu beziehen. Besonders offen dafür zeigen sich jüngere Berufstätige und höher Gebildete.
Hoher Informationsbedarf
Trotz der öffentlichen Diskussion über das Pensionssystem in den vergangenen Monaten wissen 53 Prozent der Österreicher nicht, dass sich eine Reform der betrieblichen Altersvorsorge in der finalen Phase befindet. „Wir haben Informationsbedarf“, kommentierte Hajek diesen Wert. Lediglich 14 Prozent geben an, dass sie von der Reform gehört haben, weitere 27 Prozent meinen, davon gehört zu haben, seien sich aber nicht sicher. Generell sei das Thema Finanzen und Veranlagung oft relativ sperrig und technisch.
„Es muss daher permanent kommuniziert und an die Menschen herangetragen werden“, ist Hajek überzeugt. Denn: Auch wenn die Altersvorsorge ein wichtiges gesellschaftliches Thema sei, konkurriere sie mit anderen heiß diskutierten Themen wie dem Klimawandel, dem Gesundheitssystem und der Migration. Fachverbandsobmann Zakostelsky geht davon aus, dass das Interesse nach dem erwarteten Beschluss der Reform steigen werde. Einen Boost bei der Verbreiterung der Zusatzpensionen erwartet er kurzfristig, also in den ersten ein bis zwei Jahren nach der Reform noch nicht. Es dürfte einige Jahre dauern, bis das Thema Zusatzpension in die Gänge kommt, meint Zakostelsky.
Präferenzen
Bei der Altersvorsorge sind den befragten Personen Hajek zufolge vor allem mehr Sicherheit und Garantien wichtige Anliegen. „Das ist ein typisches Veranlagungsverhalten in Österreich“, kommentierte er. Außerdem werden der Umfrage zufolge steuerliche Vorteile bei der privaten Pensionsvorsorge und höhere Ertragschancen gewünscht.








