Arbeit und Leistung sind in unserer Gesellschaft oft negativ behaftet. Alle reden von der berühmten Work-Life-Balance, auf die die GenZ so großen Wert legt – die aber nicht unbedingt der Schlüssel zum Glück ist. Studien zeigen aber, dass motivierte, positiv eingestellte Mitarbeiter für messbares Wirtschaftswachstum sorgen und entscheidende Faktoren für den Erfolg eines Unternehmens darstellen.
Die Zukunfts- und KI-Managerin, Wissenschafterin und Autorin Monika Herbstrith-Lappe bezeichnet sich selbst als „workeuphoric“. Sie vergleicht Leistungsstärke mit Spitzensport für das Gehirn – ohne dabei Raubbau am Körper zu betreiben. „Entscheidend ist die Bewertung in unserem Gehirn“, sagt die Trainerin beim diesjährigen Kongress Lebens- und Arbeitsfreude im Raiffeisenhaus Wien. Sie propagiert Leistungsstärke auf Basis von Lebensfreude und möchte weg von Work-Life-Balance, hin zu „Life-in-Balance“, denn unserem Gehirn sei es egal, ob wir gerade bei der bezahlten Arbeit oder in der Freizeit sind: „Wenn wir uns im sogenannten Flow befinden – ein Ausdruck, der ebenfalls aus dem Spitzensport stammt –, bekommen wir eine gesunde Dosis an Stress, die uns besonders kreativ und produktiv macht. Flow ist die Meisterschaft der Leichtigkeit“, sagt Herbstrith-Lappe.
Nicht der Leistungsdruck, sondern die Leistungsfreude, der Wunsch, etwas zu schaffen, steht dabei im Vordergrund – dieser Meinung ist auch Christoph Schnedlitz von Mavie. „Menschen werden nicht glücklicher durch Müßiggang und Ruhe, sondern durch Leistung“, zitiert Schnedlitz das Ergebnis der Glücksforschung. Bewegung spiele dabei ebenfalls eine entscheidende Rolle. Regelmäßiges Trainieren helfe dabei, unsere Gehirnleistung zu verbessern, die Knochen zu stärken und mit Stress umzugehen.


Die Rolle des Gehirns
Um ausgeglichen und produktiv sein zu können, braucht es einerseits ein entsprechendes Arbeitsumfeld, aber auch Selbstverantwortung – denn jeder Einzelne ist selbst seines Glückes Schmied. „Spaß an der Arbeit ist unsere Entscheidung“, bringt es Influencerin Greta Silver auf den Punkt. Die eigene Erwartungshaltung, mit der man in den Tag startet, entscheidet über die Energie, die man ausstrahlt. „Dein Gehirn wird alles tun, damit du recht behältst“, sagt sie und spielt damit auf die Hirnforschung an. Wer mit einem negativen Mindset ins Büro kommt, richte seinen Fokus auf alle Hindernisse und Widrigkeiten, die der Tag mit sich bringen kann. Alle Chancen blieben dabei ungesehen.
Eine McKinsey-Studie belegt, dass Menschen „im Flow“ fünf Mal produktiver sind. „Holt euch Entscheidungsfreude und Kraft in eure Unternehmen hinein“, appelliert Silver an die Führungskräfte, denn sie seien der Weg zum Erfolg – auch aus wirtschaftlicher Perspektive.
Wachsen aus der Krise
Dass der Weg zu Lebens- und Arbeitsfreude auch steinig sein kann, weiß Kriminalpsychologe Thomas Müller. „Lebens- und Arbeitsfreude ist untrennbar mit der Fähigkeit verbunden, außergewöhnliche Situationen zu meistern“, sagt der Krisenmanager. Mit jeder Herausforderung und Krise wachsen wir und werden resilienter. „Resilienz muss man trainieren wie einen Muskel“, sagt Müller. Dazu brauche es die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, über den Tellerrand zu schauen und Neues auszuprobieren. Auch hier sei es die Betrachtungsweise, die über den Erfolg entscheidet. Die vier Säulen der Resilienz nennt der Kriminalpsychologe Weiterentwicklung, die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, das eigene Selbstwertgefühl und eine offene, ehrliche Kommunikation. Wer mit diesen vier Säulen vertraut ist, sei gut vorbereitet, denn „es ist nicht die Frage, ob eine Krise kommt, sondern wann sie kommt“, weiß Müller.


Kooperative Intelligenz
Gewisse Herausforderungen aus der Welt der Biologie sind durchaus mit jenen der Arbeitswelt und der Bedeutung von Kooperation vergleichbar, wie Genetiker Markus Hengstschläger beweist und dafür Charles Darwin zitiert. Der Forscher hat schon vor rund 150 Jahren gesagt: „Ein Team überlebt dann mit höherer Wahrscheinlichkeit, wenn die Mitglieder eine höhere Kooperationsbereitschaft haben.“ Am Beispiel der anpassungsfähigen Hydra, mikroskopisch kleiner Nesseltiere, veranschaulicht er den Vorteil der Kooperation, wenn es um kreative Überlebensstrategien geht. Die Fortpflanzung sorge für eine höchstmögliche Diversifizierung, was mit einer optimalen Überlebenswahrscheinlichkeit verbunden ist – man spricht von der kooperativen Intelligenz. „Ein kooperatives System wird immer klüger“, weiß Hengstschläger. Das trifft auch auf die Arbeitswelt zu, denn „einem Team, in dem alle gleich sind, fällt zu wenig ein“. Es gehe um Lösungsbegabung und das Trainieren von Talenten.
Gemeinsam stark
Das Thema Kooperation steht auch im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Raiffeisen-Landesbanken und Primärstufe. Für „Hausherr“ Martin Hauer, Generaldirektor von Raiffeisen NÖ-Wien, bedeutet Kooperation, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen und miteinander etwas erreichen zu wollen. Dazu seien die richtige Haltung und Freude am Tun notwendig. Martin Schaller, Generaldirektor der RLB Steiermark, bezeichnet Zusammenarbeit gerade in einer dezentralen Struktur wie Raiffeisen als „absolutes Muss“. Eva Fugger, designierte Generaldirektorin der RLB Burgenland, stellt vor allem die Kommunikation in den Mittelpunkt: Sie sei Voraussetzung, um Zuversicht und Vertrauen zu schaffen.
Aus Sicht der Primärstufe betonen Elisabeth Nail von der RRB Region Fügen-Kaltenbach-Zell und Leo Gruber-Doberer, Obmann der RB Mittleres Mostviertel und Obmann-Stellvertreter der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, die Bedeutung von Begegnung auf Augenhöhe, gegenseitigem Respekt und offenem Austausch. Hengstschläger bringt es auf den Punkt: „Kooperieren bedeutet, Menschen Respekt zu zeigen.“
Einigkeit herrscht auch darüber, dass sich veränderte Rahmenbedingungen auch auf die Kooperation auswirken und Flexibilität sowie die Bereitschaft zur Weiterentwicklung erfordern. Dazu müsse man auch „über den Tellerrand schauen“, betont Hauer. Raiffeisen müsse „den Mut und die Bereitschaft haben, sich weiterzuentwickeln“, unterstreicht Schaller. Denn nur so könne es gelingen, wettbewerbsfähig „zu sein, zu bleiben und zu werden“, ergänzt Gruber-Doberer.




Das richtige Mindset
Wie sehr Lebens- und Arbeitsfreude von der eigenen Haltung abhängen, zeigen zwei Beispiele aus dem Spitzensport. Rollstuhltennis-Profi Nico Langmann macht deutlich, welchen Unterschied lösungsorientiertes Denken machen kann. Entscheidend sei nicht, Schwierigkeiten auszublenden, sondern den Blick auf jene Möglichkeiten zu richten, die man selbst beeinflussen kann. Eine Haltung, die laut Langmann nicht nur im Sport hilft, Grenzen zu verschieben, sondern auch im Berufs- und Privatleben neue Perspektiven eröffnet.
Ex-Skirennläuferin Lizz Görgl widmet sich der „Magie des Flows“ – jenem Zustand, in dem Konzentration, Können und Freude am Tun ineinandergreifen. Wer seine Stärken kenne, ihnen vertraue und sich auf eine Aufgabe einlasse, schaffe gute Voraussetzungen, um sein Potenzial zu entfalten. Lebens- und Arbeitsfreude entstehe dort, wo Menschen ihre Gestaltungsmöglichkeiten erkennen und sich in der richtigen Balance aus Herausforderung und Leistungsfähigkeit weiterentwickeln. mt/emu








