„Versuche es ein bisschen weiter rechts! Komm, einmal geht noch! Ja, super, jetzt klappt es!“ Jakob Schubert ist in seinem Element. Er feuert an, korrigiert, gibt Hilfestellung, sichert ab. Und bekommt leuchtende Augen, wenn eines seiner „Kids“ eine komplizierte Stelle meistert oder einen Gipfel erreicht. Willkommen im Klettercamp von Jakob Schubert. Einem zweitägigen Event, bei dem sich der Rekord-Weltmeister und zweimalige olympische Bronzemedaillen-Gewinner heuer bereits zum vierten Mal des Nachwuchses annimmt.
„Für mich ist es genial, diese Gruppendynamik zu sehen, zu erleben, wie die Burschen und Mädels miteinander auskommen, sich gegenseitig pushen und unterstützen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.“
Und wenn jemand weiß, wie dieser Schlüssel beschaffen sein sollte, ist es der 35-jährige Tiroler, der in seiner Karriere alles erreichte, wovon viele träumen. Vor allem Kinder und Jugendliche. Und genau denen möchte er nicht nur ein Role Model sein, sondern aktiv mithelfen, sie an das Klettern auf hohem Niveau heranzuführen. So wie den 11-jährigen David Rabl aus Erpfendorf, der begeistert erzählt: „Allein auf der Fahrt ins Klettergebiet konnten wir Jakob alles fragen, er hat uns genau erklärt, worauf es im Training und im Wettkampf ankommt. Einfach weil er alles selbst schon ganz oft erlebt hat.“ Und gerne darüber berichtet.
Deswegen musste sich Christine Hofer, Geschäftsführerin der Raiffeisen Werbung Tirol, auch gar nicht lange ins Zeug legen, um Jakob Schubert für die Idee eines Klettercamps zu motivieren. „Im Gegenteil: Er war sofort Feuer und Flamme, als wir darüber brainstormten, wie wir unsere Partnerschaft weiter vertiefen und dabei noch kletterbegeisterten Kids eine Hilfestellung leisten könnten“, erzählt Hofer.
Bereits seit 2011 trägt Schubert das Giebelkreuz auf seinem Dress, eine Partnerschaft, die im Laufe der Zeit immer enger und vertrauensvoller wurde und die an die lange Tradition von Raiffeisen anschließt, die besten Tiroler Kletterer zu unterstützen.

Ab in die Natur
Bei den ersten beiden Auflagen des Camps ging man noch in die Kletterhalle Innsbruck, ab 2025 entschloss man sich, das Event auf zwei Tage auszuweiten und in ein „echtes“ Klettergebiet zu fahren – Übernachtung am Berg inklusive. „Nach zwei Auflagen wollten wir das Camp weiterentwickeln und dachten uns: Warum fahren wir nicht in die Natur? Schließlich haben wir in Tirol unglaublich schöne Gebiete, in denen man auf tollem Niveau klettern kann“, sagt Hofer.
Eine Idee, mit der sie bei Schubert auf offene Ohren stieß. Denn für ihn war und ist das Klettern am Felsen bis heute einer der faszinierendsten Teile seines Sports. „Wenn ich an den Beginn meiner eigenen Karriere zurückdenke, war es für mich sehr wichtig, schon ganz am Anfang Kontakt zum Felsen gehabt zu haben. Zum einen lernt man dort sehr viel übers Klettern, mir geht es zum anderen aber auch darum, den Ursprung des Kletterns zu begreifen.“

Freunde am Boden
Es gibt aber auch noch einen weiteren wichtigen Aspekt, den es zu erwähnen gilt. Und der wahrlich nicht in jeder Sportart eine Rolle spielt, sondern fast ein Alleinstellungsmerkmal dieser besonderen Szene ist. „Die Kids sollen vermittelt bekommen, dass die Sportler in der Wand zwar Konkurrenten sein mögen, außerhalb aber durchaus eine verschworene Einheit sein können. Es steht nicht der Wettstreit im Vordergrund, sondern das Miteinander, sodass man auch einem anderen Athleten den Sieg vergönnen kann.“ Konkurrenten an der Wand, Freunde am Boden, lautet das Motto.
Ein Ansatz, den auch die Jugendlichen schnell verinnerlicht haben. „Am meisten hat mich überrascht, wie gut Jakob seine Kletterkollegen aus dem Weltcup kennt. Und dass sie sich sogar gegenseitig Tipps geben, obwohl sie ja auch Konkurrenten sind“, sagt David Rabl. Er ist einer von acht Glücklichen, die aus fast 100 Bewerbern ausgelost wurden, bei dem Camp mitmachen zu dürfen. Ausgeschrieben wurde dies einerseits über die Social-Media-Kanäle von Raiffeisen Tirol, andererseits über das Management von Jakob Schubert, das ständig am Puls der Kletter-Community ist. Zwei Aspekte waren den Veranstaltern dabei wichtig. Zum einen, dass die Teilnehmer aus möglichst vielen Bundesländern kommen und nicht nur aus Tirol. Schließlich boomt der Sport seit vielen Jahren in ganz Österreich. „Und zum anderen haben wir festgelegt, dass die Teilnehmer ein gewisses Niveau mitbringen müssen, damit das gemeinsame Trainieren auch sinnvoll und für jeden zielführend ist“, sagt Hofer.
Dass es das auch wirklich war, zeigen die Reaktionen der Teilnehmenden an der diesjährigen Auflage. „Mein Traum ist jetzt auf jeden Fall, Profi-Kletterin zu werden“, sagt die zwölfjährige Aylén Gomez aus Klagenfurt. Und Emil Heller (13) aus Bad Vöslau ergänzt: „Jakob war schon immer ein Idol für mich. Allein, wenn man sieht, wie viel Freude er auch heute noch beim Klettern ausstrahlt, ist das richtig cool.“



Unglaubliche Energie
Aber nicht nur die Kids waren am Ende der zwei Tage begeistert, sondern auch Schubert selbst. „Es hat mich total fasziniert zu sehen, mit was für einer unglaublichen Energie die Kinder ausgestattet sind. Man musste sie fast aus dem Klettergebiet wegziehen. Am liebsten würden sie unendlich lange dabei sein.“
So wie es bei Jakob in seiner Kindheit selbst der Fall war. Und in Wahrheit auch bis heute so ist. Nur so ist es zu erklären, dass er sich sowohl in der Halle, wo Olympia 2028 in Los Angeles als großes Fernziel winkt, als auch am Felsen immer wieder neue Herausforderungen sucht. Erst in diesen Tagen hat er versucht, als erster Mensch der Welt zwei Routen mit dem höchstmöglichen Schwierigkeitsgrad 9c zu durchsteigen. Ein Mammut-Projekt, das ihn seit Langem nicht loslässt.
Und trotzdem freut er sich jetzt schon darauf, auch 2028 wieder ein Klettercamp durchzuführen, bei dem er den Stars von morgen seine Erfahrung weitergibt. „Wir haben die Planung bereits aufgenommen und werden im Frühjahr 2027 die Ausschreibung machen“, verrät Hofer. Und würde sich nicht wundern, wenn die Begeisterung dann noch einmal größer werden würde als die letzten Male.








