Das große Pensionsrätsel

In Pension gehen: Für viele Österreicherinnen und Österreicher ein wichtiges Ziel. Doch rund um das Thema kursieren zahlreiche Mythen.

Die Aussagen reichen von „Ich bekomme 10 Prozent des Letzt­gehalts“ bis „Für mich gibt es ohnehin keine Pension mehr“. Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen.

Wie funktioniert das österreichische Pensions­system?

Österreich finanziert Pensionen über das sogenannte Umlageverfahren. Die Beiträge der aktuell Erwerbstätigen werden für die laufenden Pensionen verwendet. Gleichzeitig werden auf dem persönlichen Pensionskonto jährlich Gutschriften verbucht. Diese betragen 1,78 Prozent des jeweiligen Bruttojahreseinkommens. Alle Gutschriften zusammen ergeben die sogenannte
Gesamtgutschrift. Sie bildet die Basis für die spätere Pension.

Wer eine Alterspension beziehen möchte, muss grundsätzlich mindestens 180 Versicherungsmonate, davon 84 Monate aus Erwerbstätigkeit, nachweisen. Das gesetzliche Pensionsalter liegt für Männer bei 65 Jahren. Für Frauen wird es schrittweise auf 65 Jahre ange­hoben.

Früher in Pension?

Ein vorzeitiger Antritt ist über die Korridorpension möglich. Ab 63 Jahren und mit ausreichend Ver­sicherungsjahren kann früher ausgestiegen werden. Dafür fallen jedoch Abschläge von 5,1 Prozent pro Jahr an. Umgekehrt erhalten Personen, die über das Regelpensionsalter hinaus arbeiten, Zuschläge. Gesundheitsbedingte Pensionen, etwa wegen Berufsunfähigkeit, bilden eigene Sonderregelungen.

Neben der Korridorpension gibt es weitere Aus­nahmen, etwa für Schwerarbeit oder langjährig Versicherte. Die tatsächlichen Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Fall.

Die Pensionslücke verstehen

Nach Abschluss der Angleichung des Frauenpensions­alters gilt vereinfacht die Formel 45 – 65 – 80: Wer 45 Beitragsjahre erreicht und mit 65 Jahren in Pension geht, erhält rund 80 Prozent seines durchschnittlichen Lebenseinkommens. Dieser Wert ergibt sich aus den jährlichen Gutschriften von 1,78 Prozent über ein gesamtes Erwerbsleben.

Entscheidend ist jedoch: Die 80 Prozent beziehen sich auf das Durchschnittseinkommen über das gesamte Arbeitsleben, nicht auf das letzte Gehalt. Deshalb entsteht immer eine Pensionslücke. Für viele Menschen liegt die Pension sehr deutlich unter dem letzten Arbeitseinkommen. Prozentuell besonders betroffen sind Gutverdienende über der Höchstbeitragsgrundlage. Absolut vor allem jene mit längeren Teilzeitphasen.

Der demografische Druck wächst

Das staatliche Pensionssystem steht zusätzlich unter Druck. Während Anfang der 1960er-Jahre noch rund sechs Erwerbstätige einen Pensionisten finanzierten, sind es heute nur noch etwa drei. 2040 werden es zwei sein. Reformen gelten daher langfristig als unausweichlich. Wie hoch die staatliche Pension für heute jüngere Generationen tatsächlich ausfallen wird, lässt sich nur eingeschränkt prognostizieren.

Was bedeutet das für die Vorsorge?

Eine solide Altersvorsorge stützt sich auf drei Säulen: die staatliche Pension, betriebliche Vorsorge und private Vorsorge. Die gesetzliche Pension bleibt dabei das Fundament. Betriebspensionen und Abfertigungen helfen ebenfalls. Wer seinen Lebensstandard im Alter aber vollständig erhalten möchte, sollte frühzeitig seine individuelle Pensionslücke prüfen und vorsorgen. Ein Gespräch mit dem Raiffeisen-Berater hilft dabei, die persönliche Situation zu analysieren und passende Lösungen für die Zeit nach dem Berufsleben zu finden.

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