Das Aktienbarometer 2026 – eine jährliche Umfrage im Auftrag der Industriellenvereinigung (IV), des Aktienforums und der Wiener Börse – zeigt, dass 31 Prozent der Menschen in Österreich Wertpapiere besitzen. Ein nennenswerter Anstieg im Vergleich zu 2022, da lag der Wertpapierbesitz bei 25 Prozent. Darüber hinaus geben rund 19 Prozent der Bevölkerung an, sich grundsätzlich vorstellen zu können, künftig in Wertpapiere zu investieren. „Ein erhebliches Potenzial“, wie Studienautor Peter Hajek betont.
Nach wie vor besitzen mehr Männer als Frauen Wertpapiere; zudem gilt: Je höher das Einkommen und das Bildungsniveau, desto eher wird investiert. Unter den Wertpapierbesitzern sind Investmentfonds/ETFs (24 Prozent) und Aktien (18 Prozent) die verbreitetsten Anlageformen. Anleihen (11 Prozent) spielen eine deutlich geringere Rolle, zeigen aber wie Investmentfonds/ETFs ebenfalls einen signifikanten Anstieg gegenüber den Vorjahren, so Hajek.
Überschaubares Vertrauen
Als wichtigste Investment-Motivation werden langfristiger Vermögensaufbau (81 Prozent), Werterhalt des Geldes (76 Prozent) und Pensionsvorsorge (62 Prozent) genannt. Letztere verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Anstieg von 5 Prozentpunkten. Das könnte am überschaubaren Vertrauen in die staatliche Pension liegen: „Mehr als die Hälfte der Befragten zweifelt daran, dass die staatliche Pension allein ausreichen wird. Besonders jüngere Altersgruppen setzen daher stärker auf zusätzliche private Vorsorge“, berichtet Hajek.
„Wer privat vorsorgt und damit die Sozialsysteme entlastet, darf dafür nicht bestraft werden. Im Gegenteil: Es braucht steuerliche Entlastungen wie zum Beispiel eigene Vorsorgedepots“, fordert IV-Generalsekretär Christoph Neumayer und betont: „Man sieht, dass die Bevölkerung schon weiter ist als die Politik.“ Der Entwicklung müsse endlich Rechnung getragen werden.
Teil der Lösung
Während andere Länder auf einen leistungsfähigen Kapitalmarkt setzen, ist Österreich weiterhin mehr als zögerlich und schöpft sein Potenzial nicht aus, ist auch Angelika Sommer-Hemetsberger, Präsidentin des Aktienforums, überzeugt: „Wir brauchen Investitionen, um Innovationen zu finanzieren.“ Der Kapitalmarkt sei zudem wesentlich für die Aufrechterhaltung des Sozialsystems, die Absicherung des Gesundheitswesens und des Pensionssystems. „Das heißt, ein funktionierender Kapitalmarkt ist die Grundvoraussetzung für eine nachhaltig geführte Volkswirtschaft und die ist wiederum die Basis für das Sozialsystem. Ohne Wertschöpfung keine Verteilung, ohne Wachstum keine Stabilität“, bekräftigt Sommer-Hemetsberger.
Hinsichtlich der Absicherung des Pensionssystems lohne sich ein Blick auf andere europäische Länder: „Während etwa die nordischen Länder viel stärker in die kapitalmarktorientierte Vorsorge investieren, ist Österreichs Wert mit weniger als 10 Prozent des BIP verschwindend gering.“
Dem stimmt auch Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, zu: „Während Schweden, Dänemark und Polen Milliarden am Kapitalmarkt für die Zukunft arbeiten lassen und Deutschland Vorsorgekonten mit Steuervorteilen startet, setzt Österreich noch aufs Umlagemodell.“ 340 Milliarden Euro würden hierzulande bar oder unverzinst auf Sparkonten herumliegen, Potenzial, das es zu mobilisieren gilt: „Ein modernes Vorsorgesystem bringt Rendite für die Menschen, Kapital für Unternehmen und entlastet den Staat. Diese Win-win-Chance dürfen wir nicht länger ignorieren.“








