Trotz anhaltender geopolitischer Herausforderungen und Konflikte sowie der damit verbundenen Unsicherheiten zeigt sich die österreichische Außenwirtschaft resilient. Alles in allem wurde 2025 im grenzüberschreitenden Handel ein Leistungsbilanzüberschuss von 9,5 Mrd. Euro oder 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erzielt, wobei vor allem der Tourismus Treiber der positiven Entwicklung war.
Zum Vergleich: 2024 hatte Österreich noch einen Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von 11,7 Mrd. Euro oder 2,4 Prozent des BIP erwirtschaftet. „Der Güterhandel entwickelt sich zwar im internationalen Vergleich schwach, aber positiv. Und wir sehen bislang keine Anzeichen für eine Abwanderung der österreichischen Firmen zur Umgehung der US-Zölle“, betonte OeNB-Vizegouverneurin Edeltraud Stiftinger bei der Vorstellung der außenwirtschaftlichen Trends.
Insgesamt ist das österreichische Handelsvolumen mit dem Ausland, also die Summe aller Exporte und Importe von Gütern und Dienstleistungen, im Vorjahr um 2,7 Prozent auf rund 554 Mrd. Euro gestiegen, zeigen die OeNB-Zahlen. Dabei wurden rund 271 Mrd. Euro an Gütern, Dienstleistungen und im Reiseverkehr (Tourismus) importiert, während an die 282 Mrd. Euro exportiert wurden. Das Gros davon entfiel auf den Güterhandel mit einem Importvolumen von 184,3 Mrd. Euro und einem Exportaufkommen in Höhe von 189,4 Mrd. Euro. Mit einem Überschuss von 5,1 Mrd. Euro hinkt dieser allerdings der internationalen Dynamik (+7 Prozent) hinterher.
Die Diskrepanz zu den österreichischen Außenhandelszahlen der Statistik Austria, die beim Warenhandel einen Rückgang von 6,4 Mrd. Euro auf 387 Mrd. Euro verzeichnete, erklärte OeNB-Statistikleiterin Regina Fuchs folgendermaßen: Im klassischen Außenhandel werde der Austausch von Waren über die Grenze verstanden, wie es die Statistik Austria misst. In Zeiten der Globalisierung umfasst der Güterhandel aber den weltweiten Handel österreichischer Unternehmen. Wenn zum Beispiel ein österreichischer Konzern ein Tochterunternehmen in Deutschland hat und dieses etwa nach Ungarn exportiert, dann wird dieser Beitrag im Güterhandel gemessen, nicht aber in der Außenhandelsstatistik.
Tourismus sorgt für Stabilität
Positive Impulse kamen 2025, wie bereits erwähnt, aus dem Tourismus: Die Einnahmen von ausländischen Gästen legten im Jahresvergleich um 6,6 Prozent auf 26 Mrd. Euro zu. Die Ausgaben der Besucher in Österreich überstiegen jene der Österreicher im Ausland um 9,7 Mrd. Euro. Damit sei der Tourismus ein „eindeutiger Stabilitätsanker“ der österreichischen Leistungsbilanz, betonte OeNB-Vizegouverneurin Stiftinger. Im Schnitt gaben die Gäste hierzulande 222 Euro pro Übernachtung aus, ein Plus von 4 Prozent im Jahresabstand. Trotz dieses Anstiegs verdienten die Tourismusbetriebe real gesehen aufgrund der hohen Preissteigerung von 4,6 Prozent allerdings unterm Strich weniger. „Aufgrund der hohen Preissituation in Österreich schränken die ausländischen Gäste ihr Ausgabeverhalten ein“, erklärte Stiftinger.
Eine entscheidende Rolle spielen für Österreich die deutschen Gäste mit einem Anteil von zuletzt 44 Prozent. „Sie geben durchschnittlich knapp 200 Euro pro Nacht aus“, so Stiftinger. Wesentlich mehr geben die Schweizer Touristen (407 Euro) und US-Touristen (325 Euro) aus, während Gäste aus China mit durchschnittlich 194 Euro auf dem Niveau der Deutschen liegen. Für 2026 zeichnet sich eine Verschiebung im Tourismus aus: Die gestiegenen Treibstoffpreise machen Fernreisen teurer und risikobehafteter. Zwar generieren Gäste aus dem arabischen Raum für Gesamtösterreich gesehen einen geringen Anteil an den Tourismuseinnahmen (2 Prozent), allerdings sind sie für einzelne Reiseziele innerhalb Österreichs sehr wohl bedeutsam. Insgesamt dürfte die Zahl der Gäste aus dem arabischen Raum und Asien zurückgehen, während die Nachfrage aus den Nachbarländern wie in der Corona-Pandemie steigen dürfte, so Stiftinger.
Neue Herausforderungen
Vor allem die Folgen des Krieges im Nahen und Mittleren Osten stellen Österreichs Außenwirtschaft im laufenden Jahr vor neue Herausforderungen, auch wenn die Importe aus dieser Region mit einem Anteil von 2 Prozent gemessen an den Gesamtimporten nur eine untergeordnete Rolle spielen, erklärte OeNB-Chefökonom Wolf Heinrich Reuter. Da es sich dabei auch um Energieimporte vor allem aus Saudi-Arabien handle, hätten sie für die heimische Wirtschaft durchaus eine große Bedeutung. Die österreichischen Direktinvestitionen in diese Region betragen bisher 14,8 Mrd. Euro und haben damit einen Anteil von 5 Prozent der gesamten Direktinvestitionen im Ausland. Auch diese seien eng mit dem Energiemarkt verflochten, vor allem im Falle der Vereinigten Arabischen Emirate. Österreich sei grundsätzlich Energie-Nettoimporteur.
Der Anstieg der Energiepreise, vor allem bei Rohöl und Erdgas, infolge des Irankriegs und der Sperre der Meerenge von Hormuz wird die Leistungsbilanz 2026 zwar negativ beeinflussen, allerdings weniger stark als im Krisenjahr 2022, als Russland die Ukraine angegriffen hat. Reuter erwartet, dass der Leistungsbilanzsaldo heuer aufgrund der Preiseffekte um 0,6 Prozent schwächer ausfallen wird als im Vorjahr, allerdings dürfte es „höchstwahrscheinlich weiterhin positiv“ bleiben. Zur Erinnerung: 2022 hatten allein die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise 2 Prozentpunkte der Leistungsbilanz gekostet.
Es gebe auch positive Entwicklungen für die heimische Leistungsbilanz, hält Reuter fest. Dazu gehörten „neue und vertiefte“ Handelsabkommen mit der Schweiz, Australien, Indien und den Mercosur-Staaten. 2025 machten diese Märkte zusammen „mit großem Potenzial etwa 8 Prozent der Exporte und strategischen Firmenbeteiligungen aus, was vergleichbar mit dem Anteil der USA ist“. Gut für die heimischen Exporte seien auch die aktuellen Initiativen zur Stärkung des Binnenmarkts innerhalb der EU.
Hohe Finanzaktiva
Die anhaltenden Leistungsbilanzüberschüsse der letzten zwei Jahrzehnte gingen mit einem historischen Rekordstand der im Ausland gehaltenen Finanzaktiva einher. Österreich wies Netto-Forderungen gegenüber dem Ausland in der Höhe von 135 Mrd. Euro aus. Die internationalen Vermögensbestände Österreichs sind damit so hoch wie nie zuvor. Im Jahr 2025 wirkten sich insbesondere Kursgewinne von Finanzinvestitionen im Ausland in der Höhe von 47 Mrd. Euro positiv auf die Auslandsforderungen aus. Einen negativen Effekt auf den Vermögensaufbau hatten hingegen die Wechselkurseffekte, wobei insbesondere in US-Dollar notierte Investitionen aufgrund des schwachen US-Dollars verloren.
„Die Direktinvestitionen Österreichs im Ausland und vom Ausland in Österreich zeigten in den letzten Jahren wenig Dynamik und stagnierten – ein Trend, der die internationalen Deglobalisierungstendenzen widerspiegelt. Für das Jahr 2026 wird für Österreich jedoch eine Belebung erwartet, da bereits einige größere Investitionen angekündigt wurden“, erklärte Statistikleiterin Fuchs mit Blick auf die Bankenlandschaft, die aufgrund der guten Ertragslage für neue Impulse sorge. Man sehe bereits, dass sich die Investitionen in den Bilanzen niederschlagen.
Ein Blick auf die Direktinvestitionen in die USA zeigt bisher keine Anzeichen für eine Abwanderung österreichischer Firmen zur Umgehung der US-Zölle. Zum Jahresende 2025 wurden keine neuen Projekte angekündigt, sodass diese auf null sanken. Das werde sich 2026 ändern, wie man derzeit beobachten könne. „Direktinvestitionen sind langfristige Unternehmensentscheidungen, die werden nicht von heute auf morgen getroffen“, sagt Fuchs. Daher müsse man noch abwarten, ob österreichische Unternehmen aufgrund der US-Zölle Betriebsstätten in die USA verlegen werden.








