Pistolen, Fichten und ein Fußballfeld

Die Raiffeisen-Landesbank Tirol zeichnete bereits zum zwölften Mal junge Kunstschaffende mit dem RLB Kunstpreis aus.

Ein Ort, der Arbeiten, Leben und Kultur in Innsbruck miteinander verbindet: Das neue Raiffeisen-Quartier „Das Raiqa“ der Raiffeisen-Landesbank Tirol zwischen Hauptbahnhof und Bozner Platz ist erst seit wenigen Wochen eröffnet. Mittendrin befindet sich die Kunstbrücke und bietet – als eigenständiges Kunstprojekt von der renommierten Künstlerin Dorit Margreiter Choy konzipiert – eine flexible Bühne für zeitgenössische Kunst. 

Die Kunstbrücke zählt seit ihrer Gründung 1998 als Galerie der RLB Tirol zu den wichtigsten Orten für Förderung aktueller Kunstpositionen in Tirol, der Ausstellungsbetrieb ruhte jedoch während der Umbaumaßnahmen weitgehend. Auf 220 Quadratmeter sind nun jeweils drei Ausstellungen pro Jahr zu sehen. Die jetzige Schau widmet sich den Gewinnern des diesjährigen RLB Kunstpreises. „Es ist ein besonderer Tag, wir können den Kunstpreis das erste Mal in den neuen Räumen der Kunstbrücke verleihen und mit einer Ausstellung verbinden“, sagt RLB-Vorstandsvorsitzender Thomas Wass anlässlich der Preisverleihung.

Höhere Preisgelder 

Im Zuge des Neustarts der Kunstbrücke wurde auch der RLB Kunstpreis neu positioniert. „Die Preisgelder wurden deutlich erhöht: Der Hauptpreis stieg von 10.000 auf 15.000 Euro, die beiden Förderpreise jeweils von 4.000 auf 6.000 Euro“, sagt Thomas Wass. Gleichzeitig wurde die Altersgrenze von 40 auf 45 Jahre angehoben. Die offene Ausschreibung richtet sich an Kunstschaffende, die in Tirol geboren sind oder hier ihren Hauptwohnsitz haben. Insgesamt 95 Künstler haben an der Ausschreibung teilgenommen. 

Der RLB Kunstpreis wird seit 2004 alle zwei Jahre von einer wechselnden Fachjury vergeben. Die Jury bestand diesmal aus Rosanna Dematté, Leiterin Sonderprojekte des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, Sophie Haslinger, Kuratorin des KunstHausWien, Thomas D. Trummer, Direktor des Kunsthauses Bregenz, sowie Sandro Droschl, Direktor der Halle für Kunst Steiermark, und Kunstbrücke-Leiterin Silvia Höller. 

Unverwechselbare Bildsprache

Der Hauptpreis geht heuer an Matthias Noggler, der Malerei an der Universität für angewandte Kunst Wien und der Akademie der bildenden Künste Wien studierte. „Mit Matthias Noggler wurde nach fast zwei Jahrzehnten wieder eine malerische Position ausgezeichnet“, freut sich Thomas Wass. 

Die Werke des 1990 in Innsbruck geborenen Künstlers vereinen verschiedene künstlerische Stile und Einflüsse. Dazu gehören das Fantastische, Elemente des Sozialistischen Realismus, abstrakte Malerei und die Pop-Art. „Noggler setzt sich intensiv mit der europäischen Bildgeschichte der Moderne auseinander und verbindet dabei unterschiedliche Stile zu einer unverwechselbaren Bildsprache“, sagt Kunstbrücke-Leiterin Silvia Höller. 

Noggler arbeitet mit Gouache und Farbstiften, geometrische Figuren in Grün, Blau, Rosa und Schwarz formen sich auf senfgelbem Hintergrund zu abstrakten Motiven. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man so, dass Pistolen abgebildet sind. Matthias Noggler betont: „In diesen Malereien ist die Pistole weniger als Symbol von Gewalt relevant, sondern als Bild, das vielen aus unterschiedlichen medialen Kontexten vertraut ist. Mich interessierten dabei vor allem die zunehmende Auflösung ihrer Bedeutung und der Prozess ihrer Bildwerdung.“ 

Teil des Hauptpreises ist zudem eine Einzelausstellung in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen, die aufgrund der laufenden Umbauarbeiten für Herbst 2029 vorgesehen ist.

Ein Fußballfeld entsteht

Einer der beiden Förderpreise geht an Simona Obholzer, die 1982 in Neustift im Stubaital geboren wurde und heute in Wien lebt. Die Jury habe die klare Konzeption und die präzise Umsetzung von Simona Obholzers Arbeiten überzeugt, so Höller. Obholzer widmet sich der Inszenierung künstlicher Natur für Spiel und Freizeit. In einer Videoinstallation macht die Künstlerin die Entstehung eines Fußballfeldes und den enormen Ressourcenverbrauch dahinter sichtbar. Das Feld entsteht nach einem bis ins Detail normierten Prozess. Erst kommen die Baggerschaufeln und reißen die Erde auf, dann werden die Sand- und Erdschichten planiert, Rasenstücke ausgerollt und zugeschnitten. „Ökologische und politische Fragen sind zentral für meine Arbeit. Mich interessiert der oft achtlose Umgang mit Ressourcen und wie sich dieser sichtbar machen lässt. Für mich ist die Auszeichnung eine große Anerkennung meiner Arbeit“, sagt Obholzer.

Sensibilität der Erzählung

Mit dem weiteren Förderpreis wird die 1992 in Kufstein geborene und heute in Wien lebende Vik Bayer ausgezeichnet. „Vik Bayer verknüpft in ihren Videoarbeiten fundierte Recherche mit einer analytischen und zugleich poetischen Darstellung ökologischer und sozialer Zusammenhänge“, sagt Silvia Höller zur Jurybegründung. 

In einer Videoarbeit richtet Bayer den Blick auf den Fränkischen Wald und dabei insbesondere auf die Fichten. Fichtenmonokulturen sind anfällig für Trockenheit und Schädlingsbefall, vor allem durch den Borkenkäfer. In einem weiteren Video widmet die Künstlerin sich dem Thema Agrarwirtschaft in Sizilien. Dort arbeitet eine landwirtschaftliche Kooperative daran, den Folgen von Dürren und Waldbränden entgegenzuwirken. Vik Bayer, selbst Teil einer Wiener Food-Kooperation, betrieb intensive Recherche vor Ort. Mit ruhiger, poetischer Bildsprache erzählt sie die Geschichten dahinter. Sie zeigt dabei bewusst nicht die spektakulären Bilder von Waldbränden, sondern „Szenen, die einerseits den Alltag mit dem Feuer und der Zerstörung zeigen, aber auch auf eine Sensibilität der Erzählung abzielen“, erklärt Bayer.

So unterschiedlich die Arbeiten der drei Kunstschaffenden auch sind, sie zeichnen sich alle durch einen präzisen Blick auf die Gegenwart aus. Noch bis zum 19. September sind die Werke in der Kunstbrücke zu sehen.

AusgabeRZ31-2026

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