Bruckner erobert erneut Linz

Unter dem Motto „endlich“ widmet sich das Linzer Brucknerfest erneut dem Erbe Bruckners und der Musik im Heute.

Im Blick auf die Endlichkeit trauen wir in Feststimmung dem Augenblick und feiern klingende Gegenwart. Wir wagen einen unglaublichen Kulturherbst“, formuliert Norbert Trawöger, Direktor der Linzer Event Management Company LIVA, die Programmidee des diesjährigen Brucknerfests. Gerahmt werden die insgesamt rund 19 Programmpunkte mit zwei Konzerten zum Geburts- und Todestag des Komponisten. So lässt man heuer – noch vor der offiziellen Eröffnung des Festivals mit dem Oberösterreichischen Jugend­sinfonieorchester unter der Leitung der schwedischen Dirigentin Kajsa Boström – bereits am 4. September mit Riccardo Chaillys „Filarmonica della Scala“ die 4. Symphonie Tschaikowskis und Rachmaninoffs 4. Klavierkonzert erklingen.

Als Solist für das Jubiläumskonzert zu Bruckners 202. Geburtstag wird der russische Ausnahmepianist Alexander Malofeev sich im Brucknerhaus einfinden. Ebenfalls in der zentralen Spielstätte des Festivals gastiert Franz Welser-Möst. Der österreichische Dirigent leitet am 11. Oktober, dem 130. Todestag Bruckners, zum letzten Mal als Chefdirigent das Cleveland Orchester in Linz. 

Originalinstrumente

Mit der letzten vollendeten Symphonie Gustav Mahlers, der 9., befindet sich dieses Jahr zudem eine weitere Besonderheit im Großen Saal auf dem Spielplan. Das aus Mitgliedern europäischer Spitzenorchester bestehende „Mahler Academy Orchestra“ sorgt mit Phi­lipp von Steinaecker als Dirigenten für den akribisch rekonstruierten Klang der Wiener Philharmoniker um 1900. Gespielt wird mit Originalinstrumenten. 

Zudem hat man sich mit dem Österreichischen Entertainer Austrofred dieses Jahr für ein weiteres „Original“ im Programm entschieden. Der Autor und Musiker agierte im Brucknerjahr 2024 unter anderem als Schauspieler und mimte für die ORF-Produktion den „Musikant Gottes“. Im Rahmen des diesjährigen Brucknerfestes können die Besucher im Kurzfilm von Gerald Heidegger noch einmal erleben, wie dieser vom Himmel auf die Erde geschickt wird, um unter anderem Gottes Plattensammlung zu ergänzen. Begleitet wird der in Oberösterreich geborene und aufgewachsene Musiker bei seiner anschließenden Lesung vom „Atalante Quartett“. 

Improvisationen

Auf einen Klassiker der internationalen Filmgeschichte darf man sich heuer beim Schulkonzert „The Tramp“ freuen. Für die musikalische Begleitung von Charlie Chaplins Meisterwerk wird Weltstar Cameron Carpenter sorgen. Der amerikanische Organist und Komponist greift nicht nur in die Tasten des größten im Brucknerhaus vorhandenen Instruments – der Brucknerorgel, sondern gibt sich auch beim Familienkonzert im Mittleren Saal die Ehre. Im Gepäck hat der Ausnahme-Organist zudem seine Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs „Goldberg-Variationen“, die er im Rahmen eines weiteren Konzerts zum Besten geben wird. Mit seiner Improvisation über Themen Anton Bruckners wird er außerdem auch dem Titelgeber des Brucknerfests seine Ehre erweisen. 

Ganz auf Bruckner eingestellt zeigt sich dieses Jahr in besonderem Maße heuer auch Severin Trogbacher. Der österreichische Musiker bringt mit seinen Bruckner-Variationen die Musik des Meisters der Symphonie während des Zeitraums des Festivals auch außerhalb der Konzertsäle. Die von Trogbacher ausgewählten Sätze, Motive, Melodien aus Bruckners Symphonien werden in Kurzkonzerten, an verschiedenen Orten im Stadtraum zu hören sein.

Wasserfall bis Teufelsschlund

Im Rahmen des Brucknerfestes „erobert“ werden heuer außerdem erneut der „Alte Dom“ (Christian Tetzlaff mit „Unendlich Bach“), der „Posthof Linz“ (Lars Eidinger & George Kranz mit „Das Unvereinbare in ein Gedicht“) sowie die Brunnhofer Galerie (Martin Gasselsberger & Klaus Dickbauers „Bruckner improvisiert“) und die „Trendsporthalle“ des Sportparks Lissfeld. In Letzterer bringen Christoph Sietzen & Motus Percussion mit „Im Wasserfall“ Georg Friedrich Haas’ den „oberer Iguazú, bevor es durch den Teufelsschlund hinabstürzt (Iguazú superior – antes de descender por la Garganta del Diablo)“ umgeben von Skate-Rampen zum Klingen. 

Neben Konzerten von unter anderem den „BBC Singers“ und dem „BBC Philharmonic Orchestra“ (unter der Leitung der ersten Gastdirigentin Anja Bihlmaier) und einem Konzert des Bruckner Orchesters Linz mit Markus Poschner als Dirigent und Jean Rondeau am Cembalo – gegeben wird Beethovens 6. Symphonie „Pastorale“ – wartet man heuer auch mit einer Ausstellung auf, die im Institut „Schön für besondere Menschen“ in Kirchdorf/Micheldorf entstandene Bruckner-Porträt-Übermalungen zeigt.

AusgabeRZ05-2026

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