Clara Luzia: „Ich lasse die Türen für viele offen“

Die Sängerin und Multiinstrumentalistin Clara Luzia legt mit „Horelia“ aktuell ihr zehntes Album mit elf neuen Liedern vor.

Vor fast 20 Jahren erschien mit „Railroad Tracks“ das Debüt-Album von Clara Luzia. Bereits für ihr zweites Album „The Long Memory“ wurde sie mit dem Amadeus ausgezeichnet. Ein paar Jahre später war sie in der Kino-Doku „Oh yeah, she performs“ in ihrem künstlerischen Element zu sehen. Seither hört man ihre Musik auch in Spielfilmen, wie zum Beispiel in „Das finstere Tal“ und „Waren einmal Revoluzzer“, für das sie eine Romy erhielt, sowie in Theaterstücken, wie zuletzt in „Alte Meisterin“ und „Ich bin Ruth“ und ab Jänner in „Eskalationsmaschinen“. Ab März wird sie auch wieder mit ihrer Band „The Quiet Version“ und dem neuen Album „Horelia“ auf Tour gehen.

Waren die Auftragsarbeiten für Film und Theater für dich ein geeigneter Weg, nun auch Lieder in deutscher Sprache auf dem Album zu veröffentlichen?
Clara Luzia: Ich habe eh auch immer deutschsprachige Lieder geschrieben, aber ich wollte sie nicht als Clara Luzia veröffentlichen, weil es war damals eine bewusste Entscheidung, dass ich englisch singe. Kombinieren wollte ich nicht, weil die jeweilige Sprache ganz andere Welten aufmacht. Durch die Theaterarbeiten der letzten Jahre, wo ich fast immer Deutsch gesungen hab, merkte ich, dass ich es eigentlich schade finde, dass ich so wenig Deutschsprachiges mache. Bei der Zusammenstellung für „Horelia“ dachte ich, dass es eine gute Möglichkeit ist, die deutschsprachigen Sachen endlich wieder anzubringen.

Wie entscheidest du bei den Liedern, in welcher Sprache der Text sein soll?
Clara Luzia: Die Sprache entsteht meistens über die Melodie. Ich weiß vorher selten, ob ich ein deutschsprachiges Lied schreiben werde oder ein englischsprachiges. Die Melodie gibt mir vor, welche Sprache besser passt.

Beim Lied „bla bla bla“ fällt auf, dass man fast schon glaubt, dass du im Wiener Dialekt singst. Es klingt an manchen Stellen danach, weil du die Silben so dehnst und manche Wörter stark phrasierst.
Clara Luzia: Das kommt halt raus, wenn eine, die nicht Dialekt kann, versucht wie Dialekt zu singen (lacht.) Ich wollte dieses Lebensgefühl, wenn man es so nennen möchte, oder diese Stimmung, transportieren – dieses bisschen verhatschte, raunzerte, wurschtige. Zu Hause wurde immer Hochdeutsch gesprochen und mir wurde oft vorgeworfen, dass ich wie eine Schreibmaschine rede. Dialekt und ich sind jedenfalls nicht die besten Freundinnen.

Dieses Sprachgefühl, und dass du wusstest, dass du Musikerin werden möchtest, kam wie zustande?
Clara Luzia: Ich habe sehr viel gelesen als Kind und ich bin quasi sozialisiert mit dem Mindset, dass Kultur und Kunst sehr wichtig sind und dass sie einen Wert haben. Ich hatte außerdem eine beste Freundin vom Kindergarten bis in die Pubertät, deren Eltern eine riesige Plattensammlung hatten. Die waren auch extrem cool und hatten zum Beispiel ihre Kinder aus der Schule genommen, damit sie nach New York fliegen können, um Prince live zu sehen. Die waren wirklich sehr, sehr cool. Das war dann so meine popmusikalische Erweckung, weil diese Plattensammlung war ein Traum. Da lernte ich sehr viel unterschiedliche Musik kennen und habe dann begonnen, erste Lieder zu schreiben. Am Anfang halt nur so zum Spaß und dann in der Pubertät mit dem ganzen Weltschmerz – ja, und so nahm das Schicksal seinen Lauf (lacht.)

Auf „Horelia“ gibt es einige Lieder mit deutlichen Statements und Überlegungen zu komplexen und dringenden Problemen unserer Zeit. Wie gehst du textmäßig an solche Themen ran?
Clara Luzia: Ich habe immer wiederkehrende Themen, die mich mein Leben lang umtreiben. Mir ist klar, dass nicht alle die ganze Zeit meine Öko-Ängste hören wollen und viele auch damit nichts anfangen können. Ich lasse die Türen für möglichst viele offen, indem ich nicht immer so eindeutig und explizit bin, sondern hoffe, dass die Leute, die es verstehen können, wissen, was gemeint ist, und zugleich auch andere Interpretationen Platz haben.

Von Beginn an hast du deine Alben auf deinem eigenen Label veröffentlicht. Welche Auswirkungen hat das Label für dich?
Clara Luzia: Es war eine wahnsinnig gute Entscheidung von mir damals, ein eigenes Label zu gründen. Das war ein sehr smarter Move, weil es mir ermöglicht hat, dass ich bis heute von der Musik leben kann, da sämtliche Rechte bei mir liegen. Auf dem Niveau, auf dem ich jetzt unterwegs bin, würde das sonst nicht gehen, wäre ich bei einem Label und bei einem Verlag. Da wäre längst schon alles vorbei.

AusgabeRZ48-2025

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