Eishockey: Der Kampf der Pinguine

Bei den Kufencracks der WSG Wattens Penguins herrscht wieder Aufbruchstimmung. Der Umbruch der Kampf-mannschaft schreitet voran, ab diesem Jahr geht sogar erstmals ein Frauen-Team aufs Eis. Und der Eishockey-Nachwuchs boomt sowieso.

Es ist gerade einmal vier Jahre her, da stand das Eishockey in Wattens kurz vor dem Aus. Zwar war die Kampfmannschaft der Penguins gerade Meister der Österreichischen Eishockey Liga (ÖEL, höchste Amateurliga des Landes und dritthöchste insgesamt) geworden, doch die Infrastruktur ließ derart zu wünschen übrig, dass man laut über einen kompletten Rückzug nachdachte. 

„Wir hatten für unseren Nachwuchs nicht mal Umkleidekabinen, die Kids haben sich in einem Container umgezogen und sind dann bei minus zehn Grad in einen anderen gegangen, um dort zu duschen“, sagt Klub-Urgestein Michael Tauber, der seit einem Jahr als Obmann fungiert. „Das waren Zustände, die wir nicht mehr verantworten konnten.“ 

Doch die Geschichte ging gut aus, die Gemeinde Wattens baute letztlich für 900.000 Euro ein Funktionsgebäude, das 2024 fertiggestellt wurde. Der Kampf hatte sich also gelohnt. Typisch für den Verein aus Tirol, der es seit jeher gewohnt ist, sich erfolgreich gegen Widerstände durchzusetzen.

Doch wie die meisten Kämpfe hatte auch dieser seinen Preis. Denn in den Zeiten, als das Gebäude gebaut wurde, meldete man die erste Kampfmannschaft vorübergehend vom Spielbetrieb ab (die zweite spielte weiter in der Landesliga), um sich ganz auf die Baumaßnahmen konzentrieren zu können. So musste automatisch ein Umbruch vollzogen werden, bei dem die erfahrenen Spieler ausschieden und durch junge, hungrige Akteure ersetzt wurden. 

„Wir haben bewusst in Kauf genommen, dass dieser Prozess Zeit benötigen würde, wir wollten ihn aber sauber und nachhaltig durchführen“, sagt Tauber. „Manchmal ist es eben nötig, einen Schritt zurückzumachen, um zwei Schritte nach vorne gehen zu können.“ Und erklärt somit, warum die letzten beiden Saisonen sportlich eher durchwachsen verliefen, man die Play-offs verpasste. Allerdings: mit einem klaren Trend nach oben.

Aufwärtstrend

Der ergab sich auch daraus, dass es dem Verein gelang, vor der vergangenen Saison Fabian Hechenberger als Trainer an Bord zu holen. „Fast schon eine romantische Geschichte“, sagt Tauber lachend. Er selbst hat mit dem Coach im Nachwuchs des HC Innsbruck zusammengespielt, danach feierten beide gemeinsam so manchen Titel in Wattens, ehe es Hechenberger erst als Spieler und dann als Trainer zu anderen Klubs zog. 

„Ich war mir sicher, dass er genau der richtige Mann ist, um unseren Umbruch zu moderieren. Total eishockey-fanatisch, ein Taktik-Fuchs, der die Liga kennt und ein sehr gutes Händchen für junge Spieler hat. Der perfekte Trainer für uns.“

Zwar dauerte es ein paar Spiele, bis die Rädchen ineinandergriffen, doch dank einer starken zweiten Saisonhälfte wurden die Play-offs, an denen die besten vier Teams der Tabelle teilnehmen, am Ende nur um drei Punkte verpasst. Kein Wunder also, dass man in die jetzt beginnende Spielzeit mit einer klaren Zielsetzung geht: „Wir wollen in die Play-offs, und ich bin mir sicher, dass wir das trotz unseres jungen Kaders auch schaffen können“, gibt Tauber die Marschroute vor. Was durchaus mutig ist für eine Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von nur 22,6 Jahren, womit man das mit Abstand jüngste Team der ÖEL stellt. 

„Wir haben einen guten Spirit und sind in der Lage, der Erfahrung der anderen Teams viel jugendlichen Elan entgegenzusetzen. Das macht mich optimistisch.“ Hinten sicher stehen und vorne den Gegnern mit klug gesetzten Nadelstichen wehtun, lautet die Devise.

Die Penguins in Action
© WSG Wattens Penguins

Starke Mischung

Dabei wurde am Kader durchaus etwas geschraubt. Acht Abgänge gab es im Sommer zu verzeichnen, dem stehen elf Neuzugänge gegenüber. Darunter Grigorijs Holodkovs, einer von zwei lettischen Import-Spielern, auf deren Performance es in der Saison ankommen wird. Ebenso neu im Team ist der Deutsch-Finne Moritz Vekakoski, ein vielversprechendes Stürmer-Talent, das von den Augsburg Panthern kommt. Gehalten werden konnte der Top-Scorer der vergangenen Saison, Daniel Frischmann, der in 18 Spielen ganz starke 25 Scorerpunkte sammeln konnte (Addition aus Toren und Vorlagen) und damit einer der begehrtesten Angreifer der Liga war. Insgesamt eine Mischung, der in Zukunft einiges zuzutrauen ist.

Was auch darin begründet liegt, dass man über eine große und top organisierte Nachwuchs-Abteilung verfügt. Von der U7 bis zur U17 gibt es in jeder Spielklasse eine Mannschaft, zählt man die jüngsten Kinder aus der Eislaufschule dazu, spielen 180 Kids für die Tiroler. „Wir merken, dass Eishockey derzeit total boomt“, erklärt Tauber, im zivilen Leben Inhaber einer Gartenlandschaftsbaufirma mit 20 Mitarbeitenden. „Viele können oder wollen sich das immer teurer werdende Skifahren nicht mehr leisten, da ist Eishockey als actionreiche Mannschaftssportart eine tolle Alternative.“

Und das nicht nur für sportbegeisterte Buben. Denn weil auch immer mehr Mädchen und Frauen dem Puck hinterherjagen, wird es in dieser Saison erstmals eine reine Frauen-Mannschaft bei der WSG geben, die mit dem Giebelkreuz auf dem Trikot (Raiffeisen gehört bereits seit der Vereinsgründung 1987 zu den Sponsoren) aufs Eis gehen wird. Insgesamt fünf Teams spielen sich erst in einer einfachen Runde und später in einem Turnier den Meistertitel aus. 

„Das ist ein großer Meilenstein für uns, auf den wir lange hingearbeitet haben und auf den wir auch stolz sind“, so Tauber, dessen Vater schon Obmann des Vereins war und der seit 30 Jahren den Klub in- und auswendig kennt.

Stolz will er auch auf seine Kampfmannschaft sein, die allerdings zum Auftakt der neuen Spielzeit gleich dreimal auswärts ran muss – und das hat einen ganz profanen Grund. Denn das heimische Alpenstadion gehört zwar zu den schönsten Eislaufplätzen und bietet ein wunderbares Panorama, verfügt allerdings als eines von nur zwei ÖEL-Stadien nicht über ein Dach. Man spielt also im Freien. Weswegen man erst im kalten November eine eigene Eisfläche bespielen kann, vorher kann man kein Eis machen. So lange trainiert man im Exil in Telfs oder Götzens, was natürlich ein klarer Nachteil ist. „Aber wir sind es ja schon seit jeher gewohnt, mit Unwägbarkeiten umgehen zu müssen“, sagt Tauber. „Davon lassen wir uns sicher nicht unterkriegen.“ 

AusgabeRZ41-2026

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