fit2invest: Probefahrt für die Geldanlage

Das gemeinsam von der RLB Steiermark und der Universität Graz für Schulen entwickelte Finanzbildungstool „fit2invest education“ geht an den Start.

Geht es um die Geldanlage, ist man in Österreich eher verhalten. Lieber auf der sicheren Seite, nur nicht zu viel Risiko, lautet für viele Sparer die Devise. So liegen alleine auf den Girokonten der steirischen Raiff­eisenbanken 3,5 Milliarden Euro. Dort sind sie zwar jederzeit verfügbar, bringen aber auch kaum Ertrag. 

Um Berührungsängste mit dem Kapitalmarkt abzubauen und ein grundlegendes Verständnis für die Geldanlage zu schaffen, wurde 2024 im Rahmen eines Innovationsprogramms der Raiffeisen-Landesbank Steiermark gemeinsam mit der Uni Graz „fit2invest“ entwickelt. Der kostenlose Finanzsimulator soll die Nutzer spielerisch an die Themen Veranlagung und Kapitalmarkt heranführen. Aufgrund des starken Interesses – mehr als 26.000-mal wurde der Simulator durchgespielt – wurde das Konzept unter dem Namen „fit2invest education“ für Schulen weiterentwickelt. Das Angebot richtet sich an 15- bis 19-Jährige und ist auf die Lehrpläne von AHS, HAK, HLW und HTL abgestimmt.

„Jugendliche lernen mit der Education-Variante, was Risiko, Rendite oder Diversifikation bedeuten. Wir wollen ihnen nicht sagen, wie sie investieren sollen, sondern sie befähigen, selbst gute finanzielle Entscheidungen zu treffen“, erklärt Ideengeber und Mitentwickler Roland Roitner von der RLB Steiermark.

Investieren im Zeitraffer

Anders als bei klassischen Börsespielen steht bei „fit2invest education“ nicht die Jagd nach der höchsten Rendite im Vordergrund, sondern das Erreichen eines konkreten finanziellen Ziels. „Aktuell gibt es vier Szenarien zu spielen, die jeweils eine Unterrichtsstunde in Anspruch nehmen. Jedes Szenario hat einen anderen Schwerpunkt und ist anders aufgebaut“, erklärt Roitner. 

In einem davon erhalten die Schüler etwa den Auftrag, Geld für das erste eigene Auto anzulegen. Sie entscheiden rundenbasiert, welche Strategie sie für ihr Kapital wählen: defensiv, ausgewogen, wachstumsorientiert, dynamisch oder Sparbuch. 

Anschließend erleben sie innerhalb weniger Minuten mehrere Jahre tatsächlicher Kapitalmarktentwicklung. Welchen historischen Zeitraum sie gerade durchspielen und ob ihnen eine Hoch- oder Krisenphase bevorsteht, wissen sie dabei nicht. Eingeblendete Nachrichtenschlagzeilen führen durch das echte Zeitgeschehen. Nach jeder Spielrunde werden die Ergebnisse gemeinsam in der Klasse betrachtet und die getroffenen Entscheidungen diskutiert. Vor der nächsten Runde kann die Anlagestrategie erneut angepasst werden. So sollen Anlagehorizont, Wertschwankungen sowie Chancen und Risiken nicht nur theoretisch vermittelt, sondern anhand der eigenen Entscheidungen erlebbar werden. Dass diese Entscheidungen ohne Gewissheit getroffen werden müssen und Fehlentscheidungen in der Realität Geld kosten können, ist ein wesentlicher Teil des Lernkonzepts. Dabei soll auch bewusst werden, welchen Einfluss Emotionen auf Anlageentscheidungen haben können.

Auch die drei weiteren Szenarien greifen konkrete finanzielle Entscheidungen auf. Beim Ansparen für die erste eigene Immobilie über einen Zeitraum von zehn Jahren steht die Risikostreuung im Mittelpunkt. In einem weiteren Szenario tritt die Klasse gegen den fiktiven Anleger „Alex“ an, der sein gesamtes Kapital in Aktien investiert. Die Schüler versuchen, durch Umschichtungen zwischen Kapitalmarkt und Sparbuch ein besseres Ergebnis zu erzielen. Das vierte Szenario stellt sie schließlich vor die Aufgabe, Kapital für die Gründung eines eigenen Unternehmens mit 30 Jahren aufzubauen. Hier rückt wiederum der Anlagehorizont in den Vordergrund.

Für den Unterricht gemacht

Bis aus dem ursprünglichen Finanzsimulator ein Werkzeug für den Unterricht wurde, vergingen rund eineinhalb Jahre. Gemeinsam mit den Instituten für Banken und Finanzierung sowie für Wirtschaftspädagogik der Universität Graz wurde „fit2invest education“ für den Einsatz in der Schule adaptiert und an insgesamt 22 Schulen erprobt. Dabei wurden bewusst unterschiedliche Schultypen und Unterrichtsfächer einbezogen. Die Rückmeldungen aus diesen Tests flossen anschließend in die weitere Entwicklung ein.

Eine besondere Herausforderung waren die unterschiedlichen Vorkenntnisse der Lehrkräfte. Während manche bereits viel Erfahrung mit Finanz- und Wirtschaftsthemen mitbringen, beschäftigen sich andere bislang nur wenig damit. Das Angebot sollte deshalb möglichst einfach und ohne lange Vorbereitungszeit in den Unterricht integrierbar sein. Neben den Spielszenarien stehen den Lehrkräften vorbereitete Unterlagen zur Verfügung, die durch die Unterrichtsstunde führen und die zentralen Lerninhalte zusammenfassen. Das Ziel sei, dass Lehrkräfte „ohne großen Mehraufwand hochwertige Finanzbildung anbieten können“, erklären Elisabeth Riebenbauer und Peter Slepcevic-Zach vom Institut für Wirtschaftspädagogik.

Wie das in der Praxis funktionieren kann, schildert Susanne Kamsker, Wirtschaftspä­dagogin an der HAK Weiz, die das Angebot bereits mit Schülern getestet hat: „Die Jugendlichen lernen spielerisch die grundlegenden Prinzipien des Investierens kennen und treffen dabei eigene Anlageentscheidungen. Sie erleben unmittelbar, wie sich Entwicklungen am Kapitalmarkt auf ihr investiertes Vermögen auswirken.“ Die Kombination aus Theorie, Praxis und Reflexion schaffe es, so Kamsker, „ein oft komplexes Thema verständlich und motivierend aufzubereiten“.

Bettina Prasch und Roland Roitner von der RLB Steiermark präsentieren gemeinsam mit Elisabeth Riebenbauer und Peter Slepcevic-Zach von der Uni Graz „fit2invest education“.
Bettina Prasch und Roland Roitner von der RLB Steiermark präsentieren gemeinsam mit Elisabeth Riebenbauer und Peter Slepcevic-Zach von der Uni Graz „fit2invest education“. © RLB Steiermark

Der Weg in die Schulen

Nach der Pilotphase soll „fit2invest education“ nun den Weg in die steirischen Klassenzimmer finden. Unterstützung kommt dabei von der Bildungsdirektion Steiermark, die die Lehrkräfte über das neue Angebot informiert. 

Eine wichtige Rolle spielt auch die Initiative „Bank2School“, unter der die Finanzbildungsaktivitäten der steirischen Raiffeisenbanken seit 2024 gebündelt und zentral organisiert werden. Dafür wurden sechs Module – von der Volksschule bis zur Matura – entwickelt, die Themen vom Umgang mit Geld und Konsum über Sparen und Finanzieren bis hin zu verschiedenen Anlageformen behandeln. 

Die dafür ausgebildeten Trainer der Raiff­eisenbanken sind nun auch für „fit2invest education“ geschult. Gemeinsam mit den Lehrkräften können sie das neue Angebot in den Unterricht bringen.

Vorerst ist das Tool nur in der Steiermark verfügbar. 2027 soll „fit2invest education“ dann österreichweit ausgerollt werden.

AusgabeRZ38-2026

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