Flag Football: Klosterneuburg Indians wollen zurück an die Spitze

Flag Football ist eine rasant wachsende Sportart, die 2028 sogar erstmals olympisch ist. Österreichs Rekordmeister Klosterneuburg Indians will heuer nach Zeiten des Umbruchs wieder den Titel holen und setzt dabei auf ein junges Team, das dem eigenen Nachwuchs entspringt.

Flag Football boomt! Immer mehr Vereine, immer mehr (vor allem junge) Menschen, die sich der körperkontaktlosen Variante des American Football verschreiben wollen. „Die mediale Aufmerksamkeit steigt seit ein paar Jahres rasant, obwohl es die Sportart bereits seit mehr als 100 Jahren gibt“, sagt Robert Pordes, Obmann bei Österreichs Rekordmeister Klosterneuburg Indians. Und nachdem Flag Football 2028 bei den Spielen in Los Angeles erstmals sogar olympisch ist, wird mit einem weiteren Ansturm auf die Vereine auch hierzulande gerechnet. „Da müssen der Verband und wir uns sicher etwas überlegen, wie wir dem Herr werden können“, sagt Pordes. „Aber mir ist es so natürlich lieber, als wenn sich niemand für unseren Sport interessieren würde.“

Die Idee des Flag Footballs wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt, und zwar von amerikanischen Soldaten. Die wollten nicht auf ihr geliebtes Football-Spiel verzichten, allerdings wollten sie die Verletzungsgefahr, die von dem harten Spiel rund um das Eierlaberl ausgeht, dabei nicht in Kauf nehmen. Also wurde kurzerhand eine kontaktlose Variante erfunden, bei der es verboten ist, den Gegner zu tackeln (also körperlich anzugreifen und zu Boden zu reißen). „Stattdessen tragen die Spieler einen Gurt, an dem zwei Fahnen, die Flags, befestigt sind“, erklärt Pordes. „Wenn es einem Verteidiger gelingt, mindestens eine Flag abzureißen, ist der Spielzug an genau dieser Stelle beendet.“

Es gibt allerdings noch weitere Unterschiede zum American Football, das sich ebenfalls seit vielen Jahren wachsender Beliebtheit erfreut. Es spielen Fünf gegen Fünf (und nicht Elf gegen Elf), das Spielfeld ist 50 Yards groß (und nicht 100), jede Mannschaft hat vier Versuche, erst aus der eigenen Hälfte und dann in die Endzone des Gegners zu kommen, um einen Touchdown zu erzielen. Beim Tackle-Football sind es vier Versuche für zehn Yards. Außerdem ist das Blockieren der Gegner ebenso verboten wie das Kicken des Balles. „Das alles sorgt dafür, dass Flag Football dynamischer und rasanter ist. Der Quarterback hat meist nur zwei oder maximal drei Sekunden Zeit, um einen Pass zu werfen oder den Ball weiterzugeben.“

Spieler der Klosterneuburg Indians in Action
© Christoph Heger

Perfekte Saison

Die Indians haben sich bereits 1999 gegründet und waren der erste reine Flag-Football-Verein Österreichs überhaupt. „Die Initialzündung kam dabei von etwas älteren Football-Spielern, die es ein bisschen ruhiger angehen wollten“, sagt Pordes. Ein Jahr später gab es bereits eine Liga mit sechs Klubs, aus der die Indians als erster Meister hervorgingen. Elf weitere Titel sollten seitdem folgen, was die Niederösterreicher zum rot-weiß-roten Rekordmeister macht. „Darauf sind wir schon stolz“, sagt der 45-Jährige, im zivilen Leben als IT-Berater tätig. „Genauso wie auf die Tatsache, dass wir immer unseren Teil zur Etablierung und Professionalisierung des Sports innerhalb des AFBÖ (Anm.: American Football Bund Österreich) beigetragen haben.“

Der letzte Titel gelang dabei 2021, damals mit einer sogenannten „perfect season“ – also einer Saison, in der man alle Spiele gewinnt. Danach folgte ein Umbruch, bei dem man junge Spieler aus der U17 in die Kampfmannschaft holte, was dazu führte, dass sich viele etablierte Spieler den Vienna Vipers anschlossen. Also dem Klub, der seither viermal österreichischer Champion wurde und den Pordes als „Erzrivalen“ bezeichnet. 

Was man in Klosterneuburg als Ansporn begreift, auf den Thron zurückzukehren. Zwar wurde man in der Zeit mit der jüngsten Mannschaft der Liga einmal Vizemeister und einmal Dritter, doch nun soll wieder der ganz große Wurf gelingen. „Wir gehen in die kommende Saison, um die Vipers zu entthronen“, sagt Pordes forsch. Und baut darauf, dass sich die junge Mannschaft, die noch dazu mit zwei Spielern von außen verstärkt wurde, von Jahr zu Jahr besser einspielt. 

Wobei die kommende Spielzeit, die Anfang April beginnt und bis zum Sommer andauert, eine spezielle, weil verkürzte mit nur einer einfachen Runde sein wird. Denn ab dem Herbst dieses Jahres wird der Rhythmus einer Saison dem in anderen Sportarten wie Fußball angeglichen. Sprich: Start im September, Finale im Mai. Dadurch wird es möglich, dass die zehn Mannschaften der höchsten Spielklasse eine Hin- und Rückrunde mit anschließenden Play-offs spielen. Mehr Spiele, mehr Action – auch ein Tribut an die immer größer werdende Popularität.

Spieler der Klosterneuburg Indians in Action
© Christoph Heger

Wichtige Unterstützung

Wer seine Kampfmannschaft vor allem mit Eigenbauspielern bestücken möchte, braucht natürlich eine funktionierende Nachwuchsarbeit. Die wird bei den Indians seit jeher großgeschrieben. „Darin sehen wir die Zukunft des Vereins, das intensiv zu betreiben, liegt uns am Herzen“, sagt Pordes, der selbst vor mehr als zehn Jahren über seinen Flag Football spielenden Sohn zum Verein kam und im vergangenen Jahr die Obmannschaft übernahm, nachdem sich der vorige Vorstand nach acht Jahren zurückgezogen hatte. Insgesamt etwa 50 Kinder und Jugendliche jagen in Klosterneuburg dem Ball nach, der jüngste Spieler ist dabei fünf Jahre alt. 

Die Trainer arbeiten derzeit noch allesamt ehrenamtlich, wobei man in dem Bereich langsam, aber sicher an die Kapazitätsgrenzen stößt. „Wir werden nicht umhinkommen, in Zukunft auch bezahlte Trainer bei uns zu beschäftigen, was in unserem Segment nicht so einfach ist. Es gibt einfach viel weniger ausgebildete Coaches als beispielsweise im Fußball“, erklärt Pordes. Was die Rolle von Sponsoren und Partnern wie die Raiffeisenbank Tulln-Klosterneuburg, die den Verein schon seit vielen Jahren unterstützt, umso wichtiger macht. Schließlich müssen auch noch Gelder für Verbandsabgaben, Platzmieten oder Reisekosten eingeplant werden. 

Und auch wenn beim Flag Football nur jeweils fünf Spieler pro Team gleichzeitig auf dem Feld stehen – der Kader der Kampfmannschaft besteht aus mehr als 20 Spielern. Denn wie auch beim klassischen American Football gibt es eigene Formationen nur für die Defensive und nur für die Offensive, was mit Ersatzspielern eine dementsprechende Manpower nötig macht. Doch daran soll es bei dem aktuellen Boom, den Flag Football erlebt, nicht scheitern. 

AusgabeRZ11-2026

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