FMA-Aufsichtskonferenz: Finanzmärkte im Zukunftsstress

Souveränität und Resilienz in einer Zeit der Multikrisen war das Motto der diesjährigen 17. Aufsichtskonferenz der FMA.

Europa muss sein Finanzsystem für eine Welt im Umbruch wappnen. Geopolitische Spannungen, Künstliche Intelligenz (KI) und zunehmende Unsicherheiten verändern die Rahmenbedingungen für Banken und Finanzmärkte – zugleich bremst die Fragmentierung innerhalb Europas die Wettbewerbsfähigkeit. Bei der 17. Aufsichtskonferenz der Finanzmarktaufsicht (FMA) in Wien stand daher in diesem Jahr die Frage im Mittelpunkt, wie der Kontinent seine finanzielle Souveränität und Widerstandsfähigkeit stärken kann, ohne dabei Offenheit und Innovationskraft einzubüßen. 

„Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit sind keine Gegensätze. Im Gegenteil: Das eine bedingt das andere“, sagt FMA-Vorständin Marianna Kühnel. Europa brauche starke und widerstandsfähige Finanzmärkte, um Innovation, Infrastruktur, Digitalisierung und Wachstum finanzieren zu können. Denn: „Die Krise ist das neue Normal“, attestiert Kühnel. Das Umfeld werde immer schwieriger und sei von hoher Volatilität geprägt.

Ihr Vorstandskollege Helmut Ettl betont, dass angesichts der neuen Risikolandschaft auch die Resilienz der Geldinstitute erweitert werden müsse. Bisher habe Resilienz mehr Kapital, mehr Puffer, mehr Liquidität geheißen. Heute bedeute Resilienz mehr, denn KI-gestützte Cyberangriffe könne man nicht einfach mit mehr Kapital bekämpfen. Geschäftsmodelle müssen auf die beschleunigte  Digitalisierung ausgerichtet werden. All das erfordere auch ein Mehr an Europa. 

„Europa wird die Herausforderungen der kommenden Jahre nicht meistern, indem es schwächer wird, sondern indem es stärker wird“, so Ettl. Angesichts der zahlreichen Krisen warnt der scheidende FMA-Vorstand erneut vor einer zu starken Deregulierung der Finanzbranche: „Gerade derzeit Schutzdämme niederzureißen, glaube ich, wäre der falsche Zeitpunkt.“ Ausreichendes Kapital im Finanzsektor sei die Voraussetzung dafür, dass sinnvolle Kreditvergaben gemacht werden können. Mehr Kapital heiße nicht weniger Kredite – das habe man auch im Bereich der Gewerbeimmobilien jetzt gesehen, wo ein erhöhter Puffer nicht zu irgendeiner Einschränkung der Neukreditvergabe führt.

FMA-Vorstände Helmut Ettl und Marianna Kühnel gaben Einblicke in die brennenden Herausforderungen für den Finanzsektor.
FMA-Vorstände Helmut Ettl und Marianna Kühnel gaben Einblicke in die brennenden Herausforderungen für den Finanzsektor. © FMA/ Cati Donner

Impulse für Kapitalmarkt

Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl bekräftigte, dass Österreich einen starken und erfolgreichen Bankensektor habe. Sie wies auf die hohen Berichtspflichten im Bankensektor hin und sprach sich für Vereinfachungen aus. Diese müssten allerdings immer im Einklang mit der Finanzmarktstabilität stehen. Darüber hinaus gebe es auch viel Potenzial am Kapitalmarkt. „Wir sind in Österreich nach wie vor ein Land des Sparbuchs. Es ist uns ein Anliegen, dass wir das Bewusstsein schärfen und ein Land der Investoren werden“, so die Staatssekretärin.

Die Bundesregierung habe etliche Instrumente auf den Weg gebracht, den Kapitalmarkt in Österreich zu stärken. Dazu zählt auch die Reform der zweiten Pensionssäule, der betrieblichen Altersvorsorge, indem die Abfertigung Neu weiterentwickelt werde und eine Zusatzpension für alle Arbeitnehmer in Österreich ermöglicht werde. „Es ist für Österreich ein ganz wichtiger Schritt“, betonte sie. Aktuell werde ein weiteres Projekt – das sogenannte Zukunftsdepot – verhandelt. Für Kinder und Jugendliche soll es ein entsprechendes steuerbegünstigtes Wertpapierdepot ermöglichen, um ihnen ein Startkapital zu ermöglichen und gleichzeitig den Kapitalmarkt näherzubringen. „In Österreich sind wir auf einem guten Weg, um das Kapitalmarktthema mehr in die Breite zu bringen“, sagt die Politikerin.

Vertrauen auf Innovation

François-Louis Michaud, Vorsitzender der European Banking Authority (EBA), betonte, dass Europas Banken mit starken Kapital-, Liquiditäts- und Ertragspositionen in eine Phase wachsender Unsicherheit gehen. Digitalisierung und KI eröffnen große Chancen, bringen aber auch neue Cyber- und operationelle Risiken mit sich.

„Innovation braucht Vertrauen, Sicherheit und Resilienz“, so Michaud. Man müsse die Fragmentierung abbauen, Investitionen stärken und Europas Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Die Debatte darüber dürfe aber „nicht als Gegensatz zwischen Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit geführt werden“. Ziel ist es, die erreichte Stabilität zu bewahren und den Aufsichtsrahmen gleichzeitig einfacher, verhältnismäßiger und effizienter zu gestalten, sagt der Bankenaufseher.

Plädoyer für Freiräume

Michael Höllerer, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Bank International (RBI), betonte, dass der Bankensektor in einem harten Wettbewerb stehe. Daher sei es besonders wichtig, „stark und resilient“ aufgestellt zu sein. Man habe sehr viel aus der vergangenen großen Krise gelernt. Es sei nun die Zeit gekommen, wieder mehr Freiräume zu schaffen, um wieder Wachstum und Wettbewerb zu ermöglichen.

„Wenn wir das nicht schaffen, werden wir ins Hintertreffen geraten“, warnt Höllerer. Manchmal habe er das Gefühl, dass man auch das Vertrauen zwischen den Aufsichtsbehörden stärken müsse. Bei einigen Transaktionen, die die RBI aktuell durchführt, müsse man 3.000 bis 4.000 Dokumente bereitstellen, die es bei unterschiedlichen Aufsichtsbehörden bereits gibt. Daher wäre es wichtig, eine radikale Vereinfachung vorzunehmen, um den gesamten Markt und die gesamte Finanzindustrie zu stärken.

Uniqa-CEO Andreas Brandstetter wies darauf hin, dass sich das Kundenverhalten global gesehen immer rascher angleiche. „Wir müssen lernen, Entwicklungen vom Kunden her zu sehen.“ Diese Prozesse seien derart schnell, dass uns eine prinzipienbasierte Aufsicht eindeutig lieber sei als alles andere. „Die Art, wie wir uns derzeit als Aufsicht und als Branche entwickeln, ist aus meiner Sicht zu langsam. Es ist eine global werdende Welt. Die Entwicklungen sind so rasch, dass es atemberaubend ist“, so Brandstetter. 

WU-Rechtsprofessorin Susanne Kalss wies darauf hin, dass die aufsichtsrechtliche Behördenwelt für den Finanzmarkt sehr komplex sei, sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene. „Jetzt ist wirklich Bedarf gegeben, dass man es planbarer und vorhersehbarer macht.“

AusgabeRZ41-2026

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