Polster und Herzog: „Einfach nur Spaß haben“

Die Fußball-Ikonen Andreas Herzog (57) und Toni Polster (61) im Doppel-Interview über ihr gemeinsames Buch „Wir lachen bis heute“, Torpartys im Bus, verbotene Begrüßungsbussis und den „Lauser“ Marko Arnautovic.

Was hat euch bewogen, unter die Buch-Autoren zu gehen?
Toni Polster: Es hat damit angefangen, dass wir uns auf Instagram gehäkerlt haben. Da haben uns die Leute gesagt: Das ist so lustig, da müsst ihr ein Buch draus machen.
Andreas Herzog: Immer, wenn wir uns sehen, haben wir einen Spaß. Wir haben dann angefangen zu überlegen, welche schönen Geschichten es mit uns beiden gibt. Man glaubt ja gar nicht, auf was man alles kommt, wenn man gemeinsam darüber nachdenkt. Als wir uns dann für das Buch getroffen haben, haben wir stundenlang Schmäh geführt und gelacht.

Wie habt ihr euch näher kennengelernt?
Herzog: So richtig erst in der Nationalmannschaft. Toni war mit der Austria ja schon dreimal Torschützenkönig, als ich bei Rapid noch auf der Bank saß. Im Nationalteam gab es immer hohe Erwartungen an uns. Dadurch sind wir zusammengewachsen. Toni wusste: Wenn ich ihm den Ball punktgenau auflege, wird’s wohl ein Tor sein. Genauso konnte ich von seinem Torriecher profitieren.
Polster: Ich hab natürlich mitbekommen, dass es da ein riesiges Talent gibt und nur darauf gewartet, dass wir uns in der Nationalmannschaft treffen. Unser erstes gemeinsames Länderspiel war 1988 gegen die Tschechoslowakei.

„Wäre es nicht gutgegangen, wäre ich wohl zurückgetreten.“

Toni Polster über das WM-Quali-Spiel gegen die DDR 1988

Ihr habt mehr als 50 Länderspiele gemeinsam bestritten, wart 1990 und 1998 bei zwei WM-Endrunden. Ragt ein Spiel heraus?
Herzog: Für mich war das extremste Erlebnis das Quali-Spiel gegen die DDR 1988. Da wurde Toni beim Aufwärmen und sogar bei der Bundeshymne vom eigenen Publikum gnadenlos ausgepfiffen. Bist du narrisch! Ich war damals noch jünger und wäre sicher heimgelaufen und hätte mich eingesperrt. Und was macht Toni: Schießt Österreich mit drei Toren zur WM.
Polster: Wir standen kurz vor unserem Traum, zur WM zu fahren, das wollte ich mir von nichts und niemandem nehmen lassen. Wäre es nicht gutgegangen, wäre ich wohl zurückgetreten. So waren Freude und Genugtuung riesig.
Herzog: Von der mentalen Leistung her ist das vergleichbar mit Niki Lauda und Hermann Maier. Der eine wird nach seinem Feuerunfall Weltmeister, der andere nach seinem kapitalen Crash Olympiasieger. Unfassbar!

Laut Statistik von transfermarkt.at hat Andi dem Toni im Nationalteam zwei Tore aufgelegt, umgekehrt eines. Da wäre doch mehr drin gewesen, oder?
Herzog: Da wurden die ganzen Elfmeter, bei denen ich brutal gefoult wurde und Toni sich dann als Torschütze feiern ließ, aber bestimmt nicht aufgelistet.
Polster: So wenige? Das kann ich gar nicht glauben.
Herzog: Ich hätte auch auf mehr getippt. Aber ich kann mich noch gut erinnern, als Toni in Ungarn den Torrekord von Hans Krankl geknackt hat. In der Kabine meinte er: Wir machen eine riesige Party in Wien. Kurz vor der Grenze hat Toni dem Busfahrer gesagt, er soll bei der Tankstelle halten und hat 20 Dosen Bier gekauft. Das war dann die Riesensause!
Polster: Leider hat Andi von der eigentlichen Party nichts mitbekommen, weil er mit seiner Limonade auf der Sitzbank eingeschlafen ist.

Wie sehr ihr das ÖFB-Team geprägt habt, erkennt man daran, wie lange ihr in den Rekordlisten ganz vorne standet. Andi mit den meisten Spielen (103), Toni mit den meisten Toren (44). Bis Marko Arnautovic kam und sich beide Bestleistungen geschnappt hat.
Herzog: Dieser Lauser! Er hat keinen Respekt vor dem Alter!
Polster: Ich habe damit gerechnet, dass es eines Tages passiert.
Herzog: Fakt ist: Jeder Rekord wird irgendwann gebrochen. Du musst über Jahre richtig gut sein, um über so einen langen Zeitraum im Nationalteam zu spielen und dann auch noch so viele Tore zu schießen. Das ist beeindruckend!

Was traut ihr ihm und seinen Mitspielern bei der WM zu?
Herzog: Es ist viel drin, die Mannschaft ist gut, die K.o.-Phase sollte zu schaffen sein. Aber jetzt heißt es, sich von den vielen Schulterklopfern zu befreien und sich aufs Neue zu konzentrieren. Ein Selbstläufer wird es nicht.
Polster: Wir müssen auch die Kirche im Dorf lassen und sollten nicht gleich vom Halbfinale träumen. Die Gruppe überstehen und dann Schritt für Schritt weitergehen, das ist der Weg. Bei einer WM hängen die Früchte hoch.

„Zweimal die Woche für den Toni mitzulaufen, das hätte mein Körper nicht gepackt.“

Andreas Herzog

Ihr seid Wiener Legenden, habt in Deutschland gespielt, aber auf Klubebene nie beim gleichen Verein. Fast schade, oder?
Polster: Ja, das wäre schon lustig gewesen …
Herzog: Lustig, ja. Aber zweimal die Woche für den Toni mitzulaufen, wäre auf Dauer schon sehr anstrengend gewesen. Das hätte mein Körper nicht gepackt.
Polster: Aber das dicke Kuvert mit der Siegprämie abzuholen, weil ich die Tore geschossen hätte, hättest du schon gerne gemacht.

In Deutschland standet Ihr euch als Gegenspieler gegenüber, Toni für Gladbach und Köln, Andi für Bremen und die Bayern.
Herzog: Das werde ich nie vergessen … Als wir mit Bremen gegen Köln gespielt haben, hat unser Trainer Otto Rehhagel gesagt: „Und wenn ich sehe, dass ihr zwei Wiener wieder Halligalli macht, Küsschen links, Küsschen rechts …, dann brauchst du dich gar nicht umziehen.“ Beim Aufwärmen hat mich Toni überall gesucht, und als er mich gefunden hat, ist er auf meinen Rücken gesprungen. „Servus, mei Bua!“ Küsschen links, Küsschen rechts. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Rehhagel nur die Augen verdreht. Zur Halbzeit lagen wir 0:1 hinten. Torschütze: Polster. Ausgewechselt: Herzog.

„Wenn der Erfolg da ist, auch Spaß haben. Das hat den nachkommenden Österreichern in Deutschland sicher auch geholfen.“

Andreas Herzog über ihre Vorreiterrolle in der deutschen Bundesliga

Ihr seid beide bis heute Kultfiguren bei euren deutschen Ex-Klubs. Wie habt ihr das geschafft?
Polster: In erster Linie mit Leistung. Und dass wir einen fröhlichen Fußball gespielt haben, mit Herz und Leidenschaft.
Herzog: Und auch ein bisschen durch die Wiener Art, die wir hineingebracht haben, nicht alles zu verbissen zu sehen. Hart arbeiten, ja, aber wenn der Erfolg da ist, auch Spaß haben. Das hat den nachkommenden Österreichern in Deutschland sicher auch geholfen.
Polster: Ich bin der einzige Spieler, der bei den großen rheinischen Rivalen Gladbach und Köln in der Traditionsmannschaft gespielt hat. Die hatten mich einfach beide gern.

In eurem Buch gibt es zwei Vorworte, eines von Paul Pizzera, eines von Christopher Seiler. Könnt ihr euch beim Musikgeschmack einigen?
Herzog: Im konkreten Fall sicher. Ich habe Paul Pizzera bei einem Podcast kennengelernt, wir hatten viel Spaß miteinander. Er ist Fan von Sturm Graz, ein total intelligenter Kerl. Als ich ihn gefragt habe, ob er das Vorwort schreiben will, war er sofort dabei. Und es ist richtig gut geworden.
Polster: Christopher Seiler ist Markenbotschafter von der Wiener Viktoria, wo ich Trainer bin. Er unterstützt uns, ist ab und zu bei den Spielen dabei, ein super Bursch.
Herzog: Ich finde Seiler & Speer klasse, Pizzera & Jaus auch. Das passt schon sehr gut zu unserem Buch.

Was soll der Leser mitnehmen, wenn er euer Buch gelesen hat?
Herzog: Er soll einfach nur Spaß haben! Und er wird sehen, dass man auch im manchmal knallharten Profisport immer an die schönen und lustigen Geschichten zurückdenkt. Und von denen haben wir ja einige erlebt.

AusgabeRZ07-2026

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Mehr lesen

Aktuelles

Die Welt der Raiffeisenzeitung

Banner für die Newsletter Anmeldung
Banner: