Innenminister Karner: „Wir leben auf keiner Insel der Seligen“

Das Thema Cyber-Kriminalität stellt eine wachsende Bedrohung dar und beschäftigt Polizei, Politik und Banken gleichermaßen.

Gruppenbild: Andreas Pilsl, Heinrich Schaller, Gerhard Karner und Bernhard Marckhgott, Vorsitzender der Landesgruppe Oberösterreich des KSÖ, beim „Sicherheitspolitischen Abend“ in Linz
Andreas Pilsl, Heinrich Schaller, Gerhard Karner und Bernhard Marckhgott, Vorsitzender der Landesgruppe Oberösterreich des KSÖ, beim „Sicherheitspolitischen Abend“ in Linz © RLB OÖ

„Wir leben nicht nur in einem der schönsten, sondern auch in einem der sichersten Länder dieser Welt“, schickte Gerhard Karner beim „Sicherheitspolitischen Abend“, zu dem das Kompetenzzentrum Sicheres Österreich (KSÖ) in die Raiffeisenlandesbank OÖ geladen hatte, voraus. Der Innenminister verwies dabei auf den Global Peace Index, in dem Österreich vom 5. auf den 3. Platz vorgerückt ist. Aber: „Wir leben trotzdem auf keiner Insel der Seligen“, hielt er fest, bevor er den rund 300 Gästen einen Überblick über aktuelle Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Sicherheit gab.

Es gebe drei wesentliche Bedrohungsbereiche: Extremismus und Terrorismus, Schlepperei und illegale Migration sowie Cybercrime und Internetkriminalität. Dass vor allem Letzteres vermehrt in den Fokus rückt, bestätigte der OÖ-Landespolizeidirektor Andreas Pilsl: „Die Digitalisierung ist die wahrscheinlich größte Herausforderung für die Polizei überhaupt.“ Kriminalität habe sich gewandelt – aktuell liege die Aufklärungsquote von Internetkriminalität mit 25 bis 30 Prozent deutlich unter dem Durchschnittswert in der Kriminalstatistik (50 Prozent). Als Gegenmaßnahme ging kürzlich in Oberösterreich das erste Cybercrime-Trainingscenter (CCTC) zur Ausbildung von Beamten in Betrieb, künftig soll es in jedem Bundesland ein solches geben.

„Das ist es, was die Gauner wollen“

Karner konkretisierte fünf Cybercrime-Bereiche: Betrug über Phishing als häufigstes Delikt, Hass im Netz bzw. Cyber-Mobbing, Deep Fake und Fake News, die Netzsicherheit sowie soziale Medien als Kommunikationsmittel. „Kriminelle telefonieren nicht über A1 und schreiben sich keine Briefe“, bekräftigte er seine Forderung nach zusätzlichen Überwachungsmöglichkeiten für die Exekutive in sozialen Medien und Messenger-Diensten.

Auch die RLB OÖ legt besonderen Fokus auf Cyber Security. Einerseits müsse man die eigenen Sicherheitssysteme ständig gegen Angriffe up to date halten, anderseits zähle auch die Aufklärung zu den wesentlichen Aufgaben. „Wir informieren unsere Kunden regelmäßig über aktuelle Betrugsmaschen und warnen sie davor, unüberlegt Links anzuklicken oder ihre Kontodaten und PINs preiszugeben. Denn genau das ist es, was die Gauner wollen und räumen dann ihre Konten leer“, so RLB-OÖ Generaldirektor Heinrich Schaller. In der Vergangenheit habe man viel in Sicherheitsmaßnahmen gegen Banküberfälle investiert, so Schaller. Mit Erfolg, wie auch Karner unterstrich – jedoch mit einem Haken: „Überfälle finden trotzdem statt – sie finden digital statt. Die Polizei muss sich dafür rüsten.“