Visionäre müssen oft damit leben, dass sie am Anfang belächelt werden. Das war 2017 nicht anders, als die Pirlo Kufstein Towers als Nachfolgeverein der sich auflösenden „Funkymonkeys“ an den Start gingen. „Wir waren ein Haufen passionierter Enthusiasten und haben gesagt, dass wir den neuen Verein in der Basketball-Wüste Westösterreich ganz nach oben bringen wollen“, sagt Gründungsmitglied und Obmann Michael Pilger. „Da haben wir viele skeptische Blicke geerntet.“
Dazu muss man wissen: Von den neun österreichischen Bundesländern wird nur in fünf Basketball auf höchster Ebene gespielt. In Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg gibt es dagegen keinen einzigen Klub in der Superliga, wie die stärkste heimische Spielklasse heißt. „Da ist es schon unser Ziel, den Westen dort zu vertreten. Dafür investieren wir Herzblut, Energie und Wissen. Und in Sachen Sponsoren, Vermarktung und Zuschauerinteresse können wir mit so manchem großen Klub jetzt schon mithalten“, verrät Pilger.
Da man als neu gegründeter Verein aber erst einmal ganz unten anfangen muss, waren 2017 erst einmal ein paar Brocken aus dem Weg zu räumen. „Doch wir haben es innerhalb von vier Jahren geschafft, einen Kader aufzustellen, der erst Tiroler Meister wurde und dann als Westliga-Meister in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist“, erzählt Pilger. „Darauf sind wir schon stolz, weil wir am Anfang keine Spieler, keine Trainer, keine Hallenzeiten hatten. Wir saßen vor einem leeren Blatt Papier und mussten alles erst einmal entwerfen.“
Ambitionierte Ziele
Mittlerweile ist der Zettel vollgeschrieben. Die Towers absolvieren ihre fünfte Saison in der zweithöchsten Spielklasse und gehören seit drei Jahren zu den Mannschaften, die man für den Meistertitel auf der Rechnung hat. Dementsprechend ambitioniert waren die Ziele vor der aktuell laufenden Saison. „Nachdem wir vergangenes Jahr erst im Halbfinale denkbar unglücklich ausgeschieden sind, haben wir dieses Jahr gesagt: Wir wollen ins Finale“, sagt der 48-Jährige. Was gleichbedeutend mit dem Recht zum Aufstieg wäre, vorausgesetzt, man erfüllt die wirtschaftlichen Kriterien, die von der Liga vorgegeben werden. Aber auch da ist Pilger optimistisch: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alle Voraussetzungen zu schaffen.“
Sportlich ist man auf jeden Fall auf einem sehr guten Weg. Von den ersten zwölf Spielen wurden zehn gewonnen, damit lacht man in der Division West von der Tabellenspitze und hat das Ticket für die Play-offs schon so gut wie in der Tasche. Und das, obwohl es vor der Saison einen größeren Umbruch gab. So mancher Leistungsträger wurde wegen starker Performance von der höherklassigen Konkurrenz abgeworben, von anderen Spielern wollte man sich bewusst trennen. „Wir haben uns entschlossen, das Team noch einmal ganz neu aufzusetzen“, sagt Pilger.
Ein immer mit Risiko behaftetes Unterfangen, das aber voll aufging. Mit Mate Horvath wurde ein ungarischer Guard geholt, der bereits mit Güssing den Meistertitel in der 2. Liga gewann. Der Spanier Pol Canovas oder Pauls Miglinieks (Lettland) schlugen ebenfalls voll ein, so dass der Tower-Express in diesem Jahr nur ganz schwer zu stoppen zu sein scheint. „Unser Ziel ist, mit starken jungen Österreichern und Legionären, die das Team punktgenau verstärken, eine schlagkräftige Truppe aufzustellen“, sagt Pilger. Und verrät, dass er immer wieder Anfragen von jungen Spielern aus Wien oder Niederösterreich bekommt, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, in Kufstein unterzukommen.

Spanische Führung
Doch während es auf dem Spielersektor hin und her ging, blieb die Position des Trainers konstant. Und die ist bei den Towers durchaus bemerkenswert besetzt. Denn der Spanier Xavi Mascaro ist mit 26 Jahren der mit Abstand jüngste Coach im österreichischen Basketball. Er wurde nach Aufgaben als Assistant-Coach in seiner Heimat und zwei Jahren in Schweden (Helsingborg) im Sommer 2024 von den Towers verpflichtet. „Auch wir haben uns damals gefragt, ob ein so junger Trainer eine Gruppe führen und zum Aufstieg verhelfen kann“, gibt Pilger, selbst Vater von zwei Mädchen, zu. „Aber wir haben schnell erkannt, dass er ein riesiges Talent ist, der alle Qualitäten dafür mitbringt.“
Mascaro hat natürlich zunächst selber in seiner Heimat aktiv gespielt, aufgrund seiner geringen Körpergröße aber schnell für sich erkannt, dass es auf allerhöchstem Level für ihn schwierig wird. „Weil er aber ein großartiger Analyst und starker Teamleader ist und das Spiel über alles liebt, hat er sich früh entschlossen, dass er als Trainer Karriere machen will“, sagt Pilger. Nun soll er die Towers in die Beletage der österreichischen Korbjäger führen.
Dass er neben seiner Aufgabe als Headcoach auch eine Jugendmannschaft betreut, ist in Kufstein nichts Außergewöhnliches. Denn die Nachwuchsarbeit genießt im Verein höchste Priorität und wird mit ähnlichem Enthusiasmus vorangetrieben wie das Projekt Aufstieg mit der Kampfmannschaft. „Wir bespielen alle Altersklassen, die es gibt, und haben für die 3- bis 8-Jährigen sogar eine allgemeine Ballsportgruppe, um die Kinder spielerisch an das Thema Basketball heranzuführen.“ Mittlerweile gibt es sogar einen Aufnahmestopp für junge Spieler, da die Trainings-Kapazitäten an ihre Grenzen stoßen. Ein Luxusproblem, um das andere Vereine die Towers beneiden.

Top-Partner Raiffeisen
Das gilt auch für die Stimmung in der Kufstein Arena, die keinen Vergleich mit einem Superligisten scheuen muss. Bei jedem Heimspiel gibt es einen DJ, eine Cheerleadergruppe heizt die Atmosphäre an. „Und wir sind der einzige Verein der 2. Liga, der über LED-Banden verfügt. Das wissen unsere Sponsoren zu schätzen.“ Zu denen gehört seit dieser Saison auch die Raiffeisen Bezirksbank Kufstein als sogenannter „Top-Partner“. Pilger: „Wir hatten im vergangenen Sommer mehrere tolle Gespräche und sind schnell übereingekommen, dass wir gemeinsam etwas bewegen wollen und dafür eine langfristige Partnerschaft anstreben. Das gilt explizit auch für die Nachwuchsarbeit, was mich besonders freut.“
Und wenn sich die Kampfmannschaft im kommenden Sommer auch noch Richtung höchster Spielklasse bewegt, kann das Pionier-Projekt „Basketball im Westen“ so richtig Fahrt aufnehmen.








