Wir schreiben das Jahr 1609: Erstmals blickt Galileo Galilei durch ein von ihm selbst erbautes (und verbessertes) Fernrohr Richtung Sternenhimmel. Inspiriert wurde der berühmte Mathematiker, Physiker und Astronom von dem in Holland lebenden Jan Lippershey, dem eigentlichen Erfinder des Teleskops. Immer tiefer blicken die Wissenschaftler und Hobby-Astronomen seitdem ins Universum.
Doch auch ohne Fernrohr hat die Menschheit seit Jahrtausenden das Himmelszelt beobachtet und es mit einem Netz von Geschichten durchwoben. Aus funkelnden Punkten wurden im Laufe der Zeit Sternbilder, mythische Figuren, an denen sich nicht nur Seefahrer orientierten. Namen wie Cassiopeia und Andromeda erinnern noch heute in unseren Breiten an die Heldentaten und Schicksale antiker Sagengestalten.
Auch wenn der winterliche Nachthimmel nach wie vor von Orion dominiert wird, zu Gesicht bekommt man den ehemaligen Meisterjäger jedoch immer seltener. Dem ungetrübten Blick in die Sterne steht ein immer größer werdendes Problem gegenüber: die Lichtverschmutzung. Beleuchtet sind nicht nur unsere Wohnungen, Straßen und Häuserfronten, auch Schaufenster und Reklametafeln sorgen dafür, dass das Licht auch in den Nachthimmel über den Ortschaften und Städten reflektiert. Die Folgen dieses zu viel an Licht zur falschen Zeit können sich von der Störung des menschlichen Biorhythmus bis hin zum Aussterben bestimmter Insektenarten erstrecken, denn vor allem Pflanzen und Tiere werden vom zunehmenden Lichtsmog irritiert, mitunter geraten gar ganze Ökosysteme aus dem Takt.
Österreichs erster „Dark-Sky-Park“
Vor allem in der Umgebung von größeren Siedlungsräumen und Städten herrscht in vielen Ländern ein permanentes Dämmerlicht. Ein Zustand, der mittlerweile auch österreichweit mehrere Initiativen auf den Plan gerufen hat. So konnte beispielsweise 2021 der „Sternenpark Attersee/Traunsee“ als Österreichs erster von der „International Dark Sky Association“ zertifizierter „Dark-Sky-Park“ geschaffen werden. Ziel der vom Astronomischen Arbeitskreis Salzkammergut und den Anrainergemeinden Altmünster, Aurach am Hongar, Schörfling, Weyregg am Attersee und Steinbach gestarteten Initiative ist es – nicht zuletzt angesichts der Klimakrise –, eine langfristige Umrüstung von alten und überholten Leuchten und Lichtkörpern herbeizuführen sowie Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung zu leisten und so der Lichtverschmutzung entgegenzutreten.

Einmal im Jahr werden zudem im Rahmen der jährlich im September stattfindenden „Earth Night“ die (Erden-)Bewohner dazu angehalten, bewusst das Licht auszuschalten und so den Zauber einer natürlich dunklen Nacht zu erleben. Noch bevor es auch dieses Jahr so weit ist, heißt es noch davor am 17. April gemeinsam das fünfjährige Jubiläum des Sternenparks zu begehen und nach einem speziellen Nacht-Erlebnisprogramm Sternzeichen und Sternschnuppen zu entdecken.
Sich selbst ein Bild machen
Wer sich den nächtlichen Sternenhimmel auch mit nachhause nehmen möchte, der hat dazu vor allem im „Nationalpark Gesäuse“ – dem dunkelsten Nachthimmel in Österreich – Gelegenheit. 2026 werden über das Jahr verteilt Veranstaltungen zum Thema Astrofotografie angeboten. Der Nationalpark befindet sich als Teil des „Naturnachtgebiets Eisenwurzen“ in einem über 2.396 Quadratkilometer großen Gebiet, das sich über drei Bundesländer erstreckt. Im Dezember 2025 hat ein Projektpartnerteam, bestehend aus mehreren National- und Naturparks sowie der Universität Wien und dem Umweltdachverband, das „Naturnachtgebiet Eisenwurzen“ offiziell bei „Dark Sky International“ (der führenden Non-Profit-Organisation im Bereich Lichtverschmutzung) als „Dark Sky Reserve“ eingereicht.
Im Schutzgebiet befindet sich auch der „Star Park Hohe Dirn“ – ein in einer Höhe von 1.105 Metern errichteter Beobachtungsort für Astronomie-Begeisterte im oberösterreichischen Ennstal. Interessierte haben hier die Möglichkeit, zu ausgewählten Terminen – beispielsweise im Rahmen des Perseidenschauers im August – gemeinsam das Himmelszelt zu betrachten. Ebenfalls zum gemeinschaftlichen Sternenerkundschaften bittet man heuer wieder im Sommer bei den Sternenwanderungen im Kaunertal. Neben gutem Schuhwerk wird vor allem die Verwendung einer Rotlichtlampe empfohlen.
Spaziergänge unterm Nachthimmel
Sich regelmäßig selbst auf den Weg machen können Nachtschwärmer das ganze Jahr über auch auf dem Mondweg in Zauchensee. Mit einem Mond-Spielplatz und einer Station zur Mondgymnastik sowie einer Sternenwarte ist der Weg insbesondere auch für Familien empfehlenswert. Für den 20 Stationen umfassenden Mondweg sollte man zwei Stunden einplanen. Regelmäßig angebotene Führungen und Beobachtungsnächte erlauben dank leistungsstarker Teleskope auch tiefere Einblicke ins Weltall.
Ob Milchstraße, Sternschnuppen oder die Internationale Raumstation – seit 2014 lädt auch der „Sternenweg Großmugl“ dazu ein, sich auf eine spannende Wanderung durch die Nacht zu machen. Der 1,5 Kilometer lange, mit Infotafeln gesäumte Spazierweg beginnt direkt im Ortsgebiet und führt zum Großmugler Leeberg, einem Tumulus aus der Hallstattzeit, wo eine „Sternenwiese“ Gelegenheit für ein nächtliches Picknick bietet oder schlicht zum Verweilen einlädt. Vor allem für Wiener ist der vom „project nightflight“ in enger Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Großmugl konzipierte Sternenweg bequem per Auto in einer halben Stunde zu erreichen.
Durch das Sonnensystem wandern
Wenn auch die Sicht stark beschränkt ist, so können Spaziergänger Wissenswertes auch beim Planetenwanderweg entlang des Lainzer Tiergartens erfahren. Als Besucher wandert man laut dem „Österreichischen Astronomischen Verein „quasi mit 3-facher Lichtgeschwindigkeit durch das Sonnensystem“. Der Verein betreibt zudem einen Sternengarten – eine rund ein Hektar große Anlage auf dem Georgenberg, die die scheinbare Drehung des Sternenhimmels und den Jahresverlauf der Sonnenbahn veranschaulicht. Obwohl der Berg noch zum Wiener Stadtgebiet gehört, verspricht ein Ausflug hierher vier bis fünf Mal mehr Sterne (bis an die 1.000) als an anderen Orten der Stadt.
Und für alle, die der Großstadt für ein paar Tage gänzlich den Rücken zukehren wollen, lädt last but not least der „Biwak unter den Sternen“ am Kärntner Millstätter See dazu ein, sich mit Blick auf die Sterne zur Ruhe zu betten. Panoramafenster sorgen für eine gute Sicht und mitunter sogar für so manches romantische Stündchen.









