Michaela Egger: „Sportler sind die besten Mitarbeiter“

Michaela Egger (40) managt beim Raiffeisenverband Salzburg den Vertrieb und kümmert sich als Präsidentin des Leichtathletikverbandes um den Sport der Zukunft. Ein Gespräch über Leidenschaft, Lust auf Optimierung und ihren Wechsel nach Linz.

Michaela Eggner landet im Sandbett
© Thomas Kaserer

Bei Ihrem Fulltime-Job im Vertriebs Consulting und Ihrer Funktion als Präsidentin des Salzburger Leichtathletikverbandes – wie viele Stunden müsste Ihr Tag idealerweise haben, um alles unter einen Hut zu bringen?
Michaela Egger: (lacht) Doppelt so viele wären wohl besser! Als Sportlerin war ich es immer gewohnt, gut eingetaktet zu sein. Ich hatte sechs Trainingseinheiten in der Woche, habe „nebenbei“ Vollzeit gearbeitet, bin am Wochenende zu Wettkämpfen gefahren. Ich bin es gewohnt, auf vollen Touren zu laufen.

Sie haben in Ihrer Karriere insgesamt 30 Staatsmeistertitel gewonnen, vor allem im Weit- und Dreisprung. Wissen Sie genau, wie viele in welcher Disziplin?
Egger: Um ehrlich zu sein, nein. Es waren mehr im Drei- als im Weitsprung, mit der 4-mal-100-Meter-Staffel war auch etwas dabei. Die genaue Zahl habe ich nicht im Kopf.

Gibt es Titel, die herausragen?
Egger: Schon. Ich habe immer davon geträumt, an einem Wochenende den Titel im Drei- und im Weitsprung zu holen, das ist mir erstmals 2012 gelungen. Noch dazu vor heimischem Publikum in Salzburg. Das war von der Emotionalität herausragend.

International war Ihr größter Erfolg der 4. Platz bei den European Games in Baku. 
Egger: Genau, das war 2015, als die Europaspiele erstmals ausgetragen wurden. Ich bin persönlichen Rekord gesprungen, die Atmosphäre im Olympischen Dorf war faszinierend. Für mich ein einzigartiges Ereignis.

Haben Sie damit geliebäugelt, es zu einer Weltmeisterschaft oder zu den Olympischen Spielen zu schaffen?
Egger: Klar, das war immer das große Ziel. Aber die Limits waren so hoch, das lag für mich leider außer Reichweite. Ich hätte
österreichischen Rekord springen müssen, um überhaupt hinfahren zu dürfen. Bei mir ist es so wie bei vielen Sportlern: Wenn die Konkurrenz besser ist, springe ich auch besser. Deshalb sind wir oft auf Trainingslager nach Südafrika oder Teneriffa oder zu Wettkämpfen ins Ausland gereist. Man muss sich auf höchstem Niveau matchen, um besser zu werden. Deswegen bin ich während meines BWL-Studiums an die Sporthochschule nach Köln gegangen, dort habe ich einen riesigen Sprung nach vorne gemacht.

Das heißt, Sie haben nie unter Profibedingungen trainiert und sich ausschließlich auf den Sport konzentriert?
Egger: Das war die ganz große Herausforderung. Ich habe immer Vollzeit gearbeitet, eher 60 als 40 Stunden. Mein Motto war: gescheit oder gar nicht! Daher blieb für den Sport aber doch zu wenig Zeit, um es wirklich zu den Olympischen Spielen oder einer WM zu schaffen. Und man kann in Österreich nicht davon leben, wenn man sich ausschließlich auf den Sport fokussiert, noch dazu mit dem Risiko, dass man sich ja auch verletzen kann. Daher habe ich als Präsidentin des Leichtathletikverbandes auch einen ganz klaren Ansatz.

Michaela Egger im Business-Porträt
© RVS

Und zwar?
Egger: Ich möchte den Athleten die Möglichkeit bieten, Sport und Beruf besser vereinbaren zu können. Dazu gibt es auch bei Raiffeisen Überlegungen. Sportler sollen Teilzeit arbeiten und nebenbei richtig gut trainieren und an ihren sportlichen Zielen arbeiten können. Nach ihrer Karriere gewinnen wir sie als vollwertige Mitarbeiter, die bereits das Unternehmen sehr gut kennen. Das ist das große Ziel! Gerade Sportler haben tolle Eigenschaften: Sie sind ehrgeizig, zielstrebig, konsequent, können mit Rückschlägen umgehen – Dinge, die ich bei Leuten in meinem Team gerne sehe. Solche Mitarbeiter sind das Beste, was einem passieren kann. 

Wie sind Sie während Ihrer Karriere auf den Bankensektor und zu Raiffeisen gekommen?
Egger: Ich habe BWL studiert mit Schwerpunkt „Financial Management“. Für mich war immer klar: Ich möchte in die Finanzbranche, das ist meine Leidenschaft, ich liebe Zahlen. Als ich von Köln zurück nach Österreich kam, habe ich geschaut, wo ich die besten Trainingsbedingungen vorfinde. Deshalb bin ich in Salzburg gelandet. Beim Raiffeisenverband habe ich als Trainee begonnen, dann konnte ich verschiedene Abteilungen durchlaufen. Letztlich bin ich beim Vertrieb hängengeblieben.

Zahlen und Sport sind jetzt keine klassische Kombination …
Egger: Zwei Leidenschaften, die ich immer faszinierend fand. Das verbindende Element zum Sport ist das Streben nach Optimierung. Hier bei den Ertragsoptimierungen und der Organisation, da beim Training und der Suche nach Zentimetern oder Hundertstelsekunden. 

Sie haben 2020 Ihre aktive Karriere beendet. Fiel das schwer?
Egger: Puh, das war eine der schwersten Entscheidungen, die ich jemals getroffen habe. Ich wollte eigentlich noch weitermachen, aber mein Tagesablauf war extrem: Mein Tag war von frühmorgens bis spät in der Nacht mit Arbeit, Training, etwas essen, Behandlungen oder Massage ausgefüllt. Da hat mir mein Körper signalisiert: So geht es nicht weiter! Das Schöne war, dass ich meine Laufbahn noch einmal mit einem Staatsmeistertitel abschließen konnte. 

Treiben Sie heute noch regelmäßig Sport?
Egger: (lacht) Natürlich, wenn ich keinen Sport mache, werde ich unausstehlich! Ich habe die Challenge entwickelt, so viele Sportarten wie möglich auszuprobieren. Von Klettern bis Paragleiten war schon vieles dabei. Als Nächstes würde ich gerne mal in einem Rennauto fahren.

Hürdensprinterin Beate Schrott hat mal über Sie gesagt, Sie seien eine unglaublich positive und immer gut gelaunte Frau. War das immer schon Ihr Credo?
Egger: Ja, so bin ich als Ausseerin aufgewachsen, das habe ich von meiner Familie mitbekommen. Ich möchte die Dinge positiv angehen und sehe Herausforderungen wie Steine, die einem in den Weg gelegt werden … daraus kann man auch etwas Schönes bauen. Das ist im Sport genauso, da musst du auch mit Niederlagen klarkommen. Da hilft nur aufstehen und wieder angreifen. Auch wenn im Beruf Veränderungen anstehen, ist es wichtig, ein Mindset zu schaffen, mit dem man Dinge positiv angehen kann.

Michael Egger beim Weitsprung
© Thomas Kaserer

Wie lief nach Ihrer Karriere der Übergang auf die Funktionärsebene?
Egger: Ich wurde direkt nach dem Ende meiner Laufbahn gefragt, ob ich mich engagieren möchte, habe aber gesagt, dass ich erst einmal etwas Abstand brauche. Ich habe sogar eine Zeit gebraucht, bis ich erstmals wieder in ein Stadion gehen konnte. Einfach, weil ich bei jedem Wettkampf mitmachen und nicht nur zusehen wollte. Aber 2023 war es dann so weit, ich habe als Vize-Präsidentin angefangen und bin seit März dieses Jahres Präsidentin. Und habe einige Themen auf der Agenda, die ich angehen möchte.

Welche sind das?
Egger: Die medizinische Betreuung muss professioneller werden, da sind wir auf einem guten Weg. Auch die mentale Unterstützung der Sportler haben wir verbessert und arbeiten jetzt mit wirklich guten Sportpsychologen zusammen. Und was ich unbedingt erreichen will: Der Sport muss zu den Menschen kommen. Deshalb möchte ich im nächstes Jahr die Leichtathletik wieder in die Stadt Salzburg bringen, mit der Festung im Hintergrund. Das ist die perfekte Kulisse, um Menschen davon zu überzeugen, dass Sport
etwas Cooles ist.

Es war zu hören, dass Sie demnächst von Salzburg nach Linz wechseln. Mit welcher Agenda?
Egger: Stimmt, mit Anfang September wechsle ich in die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Dort werde ich in der Privat Bank als Stellvertreterin von Waltraud Perndorfer die Verantwortung für die deutschen Standorte übernehmen. Auch wenn ich die Salzburger Kolleginnen und Kollegen schon vermissen werde, freue ich mich nun schon sehr auf die neue Aufgabe.