Ostern ist das wichtigste Fest im christlichen Jahreskreis, das von jahrhundertealten Traditionen begleitet wird. Schon am Palmsonntag beginnen die Feierlichkeiten, wenn die selbst gemachten Palmbuschen in der Kirche geweiht werden, damit sie Schutz für Haus, Hof und Familie bringen. Am Gründonnerstag fliegen die Glocken nach Rom und die Ratschen übernehmen vielerorts den morgendlichen Weckruf. Am Karfreitag soll dann in aller Stille und im Gebet der Leiden Christi und dessen Tod gedacht werden – bis schließlich in der Osternacht bzw. pünktlich zum Auferstehungsgottesdienst am Ostersamstag die Glocken begleitet von den Klängen des Gloria zurückkehren.
Viele Regionen des Landes haben zusätzlich ihre eigenen Traditionen rund um das Osterfest, im Burgenland etwa gehört das Eierkratzen zum österlichen Brauch, in Niederösterreich bringt man ein Körbchen mit Geselchtem und Salz zur „Fleischweihe“ in die Kirche und im südlichen Österreich trifft man sich zum „Ostereierschießen“. Eine Tradition vereint aber alle Bundesländer, auch über die Landesgrenzen hinaus: der Osterhase, der die Ostereier versteckt. Doch woher stammen diese beiden zentralen Symbole eigentlich?
Symbol für Neubeginn
Das Ei gilt seit jeher als Zeichen für Leben, Fruchtbarkeit und Neubeginn. Schon lange vor der Entstehung des Christentums wurde es in verschiedenen Kulturen als Symbol für die Entstehung der Welt betrachtet. Im christlichen Kontext wurde diese Symbolik später übernommen und neu interpretiert: Das Ei steht hier für die Auferstehung Jesu Christi und das Leben nach dem Tod.
Der Grund, warum die Eier zu Ostern gefärbt werden, ist weitaus banaler und hat seinen Ursprung im 13. Jahrhundert. Während der mittelalterlichen Fastenzeit, die den Gläubigen Enthaltsamkeit auferlegte, war der Verzehr von Eiern verboten. Die Hühner legten aber weiterhin Eier, sodass sich im Laufe der Wochen große Mengen ansammelten. Da Lebensmittel wertvoll waren und nicht verschwendet werden konnten, wurden die Eier gekocht, was sie haltbar machte, und in der Speisekammer aufbewahrt. Damit es zu keiner Verwechslung mit den rohen Exemplaren kam, hat man die Eier gefärbt – meist mit roter Zwiebelschale oder Roten Rüben. Eier, die in der Karwoche gelegt wurden, galten übrigens als besonders heilig.
Storch, Fuchs oder Hase
Eng mit dem Ei verbunden ist der Osterhase, eine Figur, die vor allem im deutschsprachigen Raum bekannt ist. Auch der Hase steht seit Jahrhunderten für Fruchtbarkeit und Lebenskraft, was seiner hohen Fortpflanzungsrate und seiner besonderen Aktivität im Frühling zuzuschreiben ist. Doch wie und wann sind der Hase und das Ei aufeinandergetroffen? Die älteste Überlieferung dazu stammt von dem Frankfurter Arzt Johannes Richter, der 1682 in seiner Promotionsarbeit über den Volksglauben über einen Eier legenden Hasen schrieb. Die Eier soll er in Gärten versteckt haben, wo die Kinder danach suchen konnten. Eine Erzählung, die den Menschen gefallen zu haben scheint und die zum Brauch geworden ist.
Interessanterweise war der Hase nicht immer der einzige „Eierbringer“. In verschiedenen Gegenden übernahmen auch andere Tiere diese Rolle, etwa der Fuchs, der Storch oder der Auerhahn. Dennoch setzte sich der Hase im Laufe der Zeit durch und wurde zur bekanntesten Figur rund um das Osterfest – vermutlich hat auch die Schokoladeindustrie einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen. Ein Schokohase lässt sich besser verkaufen als ein Schokoauerhahn. Mit der Auswanderung europäischer Siedler, insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum, verbreitete sich die Tradition des Osterhasen auch in anderen Teilen der Welt. Vor allem in Nordamerika wurde der Brauch zum fixen Bestandteil der Festkultur. Bis heute freuen sich daher Kinder nicht nur in Österreich auf die Suche nach dem süßen Osternest.








