2025 war für die Raiffeisen-Landesbank (RLB) Steiermark trotz der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung ein gutes Jahr, zog Generaldirektor Martin Schaller bei seinem traditionellen Jahresauftaktgespräch eine erste Bilanz: „Operativ sind wir absolut zufrieden, auch wenn die Kostentangente durchaus spürbar wird.“ Bei den Risikovorsorgen werden wir uns ordentlich ausstatten.“ Da liege man auf dem Niveau von 2024. „Ein sehr, sehr gutes Ergebnis“ erwartet der Generaldirektor beim IFRS-Abschluss aufgrund der starken Entwicklung der Raiffeisen Bank International (RBI), die sich auch im Aktienkurs widerspiegle.
Konjunkturell hat Österreich nach zwei Rezessionsjahren die Talsohle mit einem geringen Wachstum in der Höhe von 0,5 Prozent im Vorjahr durchschritten. Dennoch gibt es nach wie vor einige Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort. „Der Nebel trübt noch die Sicht und auch etwas die Stimmung. Je höher man aber hinaufkommt, desto klarer wird es“, betont Schaller mit Blick auf das heurige Jahr, in dem die Wirtschaft um 1 Prozent wachsen soll. Nun gehe es darum, „die Weichen zu stellen, um gemeinsam die Konjunkturlokomotive in Gang zu bringen“. Wünschen würde sich Schaller ein konjunkturelles Fahrtempo wie bei der Koralmbahn, die seit Ende Dezember die Fahrtzeit zwischen Graz und Klagenfurt spürbar reduziert.
Aktuell werde die Konjunktur maßgeblich von Staatsausgaben getrieben. „Wenn ich mir aber mein Neufinanzierungsvolumen sowohl im Privatkunden- als auch Unternehmensbereich anschaue, dann gibt mir das Zuversicht“, sagt der Bankmanager. Beim großen Sorgenthema der vergangenen Jahre, der Inflation, gehe es in die richtige Richtung, aber man sei noch nicht am Ziel. Im Vorjahr lag die Teuerung hierzulande bei 3,5 Prozent und damit deutlich höher als in der Eurozone (2 Prozent). Aufgrund eines Basiseffekts – Anfang 2025 trieb das Auslaufen der sogenannten Strompreisbremse in Österreich die Inflationsrate in die Höhe – sollte die Teuerung heuer in Richtung 2,5 Prozent sinken.
Zu den konjunkturellen Lichtblicken für das Industrieland Steiermark zählt der Banker auch die angekündigte Industriestrategie samt günstigerem Strompreis seitens der Bundesregierung. Das sei „ganz, ganz essenziell“, denn die Industrie kämpfe mit hohen Energie- und Personalkosten. Impulse sollte auch die Förderung von Schlüsseltechnologien etwa in den Bereichen Mobilität, Energie und Umwelt bringen. Das im historischen Kontext relativ niedrige Zinsniveau von 2 Prozent lade zu Investitionen ein.

Geschäft zieht an
Trotz der verhaltenen wirtschaftlichen Dynamik verzeichnete die Raiffeisenbankengruppe Steiermark, also die 39 steirischen Raiffeisenbanken und die RLB Steiermark, im Vorjahr eine positive Entwicklung. So legten die verwalteten Kundengelder („Money under Management“) 2025, dazu zählen unter anderem Kredite, Einlagen, Wertpapierveranlagungen und Rückkaufwerte von Versicherungen, um 3,8 Prozent im Jahresvergleich auf 56,1 Mrd. Euro zu. Zum Vergleich: 2024 hatte der Zuwachs noch 2,4 Prozent betragen. Beim Kundenvermögen gab es einen Zuwachs von 5 Prozent auf 31 Mrd. Euro. Darüber hinaus vergab Raiffeisen Steiermark insgesamt 3,2 Mrd. Euro an frischen Finanzierungen für Unternehmen und Private, ein Plus von 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024, das bezüglich Konjunktur und Investitionen ein „sehr, sehr tiefes“ war. Die Neuvolumina liegen nach wie vor unter dem Spitzenniveau des Jahres 2022.
Im Firmenkundengeschäft wuchsen die 2025 neu vergebenen Finanzierungen um 19 Prozent auf rund 2,3 Mrd. Euro. Haupttreiber waren Investitionen in Infrastruktur, erneuerbare Energien, die Pharmaindustrie sowie der Wintertourismus. Auch im Privatkundensegment zog die Nachfrage deutlich an: Die Kreditvergabe konnte im Vergleich zu 2024 um 26 Prozent auf rund 909 Mio. Euro gesteigert werden. Insbesondere die Wohnbaufinanzierungen entwickelten sich wieder dynamischer, wenn auch von einem tiefen Niveau, und legten im Vorjahr um 28 Prozent auf 641 Mio. Euro zu. Dies
zeige die Erholung der Immobilienwirtschaft, wenn auch das Umfeld volatil bleibe, sagte der Generaldirektor.
Fokus auf Beteiligungen
Neben der klassischen Kreditfinanzierung investiert Raiffeisen Steiermark gezielt auch über strategische Beteiligungen in den Wirtschaftsstandort. „Wir haben ein Beteiligungsvolumen im Ausmaß von 100 Millionen Euro für Start-ups, Scale-ups und KMUs vorgesehen. Davon haben wir bereits 40 Millionen Euro investiert“, so Schaller. Der Fokus liege dabei auf zukunftsweisenden Branchen in den Bereichen Gesundheit und Pflege, Energie, Kreislaufwirtschaft, Food & Agro sowie auf klassischen Beteiligungen. „Wir verstehen Beteiligungen als langfristigen Wertbeitrag für den Standort. Es geht darum, Unternehmen in ihrer Entwicklung zu stärken, Innovation zu ermöglichen und nachhaltige Wertschöpfung in der Region zu sichern“, betont Schaller. Sollte das Land einen Teil seiner 100-Prozent-Tochter Energie Steiermark privatisieren wollen, „werden wir uns das sehr genau anschauen“, bekundete Schaller grundsätzliches Interesse.

Digital dominiert
Ariane Pfleger, RLB-Vorständin für IT, Zahlungsverkehr, Personal und Infrastruktur, strich hervor, dass Raiffeisen Steiermark das Vertrauen von jedem zweiten Steirer bzw. jedem zweiten steirischen Unternehmen genieße. Im Vorjahr betreuten die 39 steirischen Raiffeisenbanken sowie die RLB Steiermark insgesamt 71.435 Unternehmen und 761.470 Privatkunden in ihren insgesamt 249 Bankstellen, wovon 69 davon SB-Bankstellen waren. „Der starke Zug in die digitale Welt hält an: 99,6 Prozent aller Zahlungen werden digital beauftragt“, sagte Pfleger. Das Volumen der Bargeldbehebungen sank 2025 leicht um 0,5 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro. Dagegen hält der Aufwind beim bargeldlosen Zahlen weiter an. Das damit bewegte Volumen nahm um 9,6 Prozent auf 2,85 Mrd. Euro zu. Und auch die Nutzer des digitalen Bankings über „Mein Elba“, legten um 3,17 Prozent auf 413.000 zu. Ungebrochen sei der Trend zum mobilen Bezahlen. 2027 wird Pfleger zufolge bereits ein Anteil von fast 50 Prozent in diesem Segment erwartet.
2026 werden neue digitale Lösungen den Markt prägen: So wird – ergänzend zu Apple Pay – im Frühsommer Google Pay eingeführt. Mit der Innovation „Click to pay“ bietet Raiffeisen nach einer ersten Registrierung über Elba sicheres und komfortables Bezahlen im Internet ohne manuelle Eingabe von Karten- oder Anmeldedaten an. Heuer wird die Raiffeisen-Bankengruppe Steiermark rund 8,7 Mio. Euro in den Betrieb investieren, die Weiterentwicklung und insbesondere auch die Sicherheit jener digitalen Systeme, die allen Kunden 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen. Der Großteil davon wird österreichweit gemeinsam mit den Verbundpartnern entwickelt. „Unser Anspruch ist die flexible Kombination aus digitalem und persönlichem Banking“, so Pfleger.
Beibehalten wolle man das breiteste stationäre Bankstellennetz der Steiermark, versichert Pfleger. Derzeit werden von der Raiffeisen-Bankengruppe Steiermark 249 Bankstellen betrieben (inklusive 69 SB-Bankstellen). Pro Jahr investiert die Bankengruppe in ihre regionale Vor-Ort-Präsenz, in die technische Infrastruktur und in die Berater insgesamt 182 Mio. Euro. Fusionen bei den steirischen Raiffeisenbanken seien für heuer keine in Aussicht, erklärt Generaldirektor Schaller. Für 2027 seien eine oder zwei Fusionen am Horizont. Eine große Fusionswelle wie noch vor einigen Jahren sollte es aber nicht mehr geben, so der Generaldirektor abschließend.









