„Manager brauchen große Ohren“

Die Raiffeisenbank Kleinmünchen/Linz lud zum traditionellen Kundenevent ins Schloss Hohenbrunn bei St. Florian.

Vorstandsvorsitzender Bernhard Sommerauer, Valentin Hofstätter, Gerhard Drexel sowie die Vorstände Michaela Anzinger und Winfried Schönberger
Vorstandsvorsitzender Bernhard Sommerauer, Valentin Hofstätter, Gerhard Drexel sowie die Vorstände Michaela Anzinger und Winfried Schönberger © Ugur Celik

Für den diesjährigen „Talk im Schloss“ konnte die Raiffeisenbank Kleinmünchen/Linz unter anderem Gerhard Drexel, langjähriger CEO und seit 2021 Aufsichtsratspräsident von Spar Österreich, gewinnen. Unter seiner Führung ist es dem Unternehmen im Jahr 2020 gelungen, die Marktführerschaft im österreichischen Lebensmittelhandel zu übernehmen. Welche Strategie zu diesem Erfolg führte, erläuterte Drexel in seinem Vortrag.

2008 lag der Marktanteil von Spar Österreich bei 28,3 Prozent, mit einem Abstand zum Marktführer REWE (u.a. Billa, Penny, Adeg) von 6,5 Prozentpunkten. Zwölf Jahre später konnte man den Anteil auf 34,6 Prozent ausbauen und einen Vorsprung zu REWE von 1,3 Prozentpunkten herausholen. Aktuell liege der Marktanteil bei 36,6 Prozent und der Vorsprung bei 2,8 Prozentpunkten. „Es war vor allem der Spirit, der uns so erfolgreich gemacht hat“, betont Drexel. Spirit im Sinne von „Geisteshaltung, Mindset und Wertestrukturen“ im Unternehmen. Dieser entstehe durch Menschlichkeit und Empathie gegenüber den Mitarbeitern.

Mit Empathie zum Erfolg

„Viele Führungskräfte führen ihre Mitarbeiter über ein ausgeklügeltes Zahlenkorsett. Mitarbeiter wollen aber nicht eingeengt werden, sondern mitgerissen werden“, weiß Drexel: „Mitarbeiter wollen den Spirit spüren. Und das wiederum spüren auch die Kunden.“ Am besten gehe das, indem man „gewöhnliche Dinge außergewöhnlich gut macht. Und außergewöhnlich gute Dinge macht.“ Offensivkraft nach außen und Stabilität nach innen seien ebenfalls wichtige Erfolgsprinzipien.

Damit das gelingen kann, braucht es laut Drexel „eine neue Führungsspezies“, die er den spirituellen Manager nennt. Die wichtigste Eigenschaft dieser Spezies ist es, gut zuhören zu können: „Manager brauchen große Ohren. Wenn man den Menschen zuhört, fühlen sie sich zugehörig.“ Leider würden viele Führungskräfte „aber besser Senden als Empfangen“: „Die erfahren nichts Neues, weil sie selber dauernd sprechen.“ 

Etabliert man im Unternehmen eine Kultur der Wertschätzung und des Vertrauens, würde sich die Einstellung der Mitarbeiter zu ihrer eigenen Arbeit „magisch“ verändern. „Mitarbeiter wollen Wertschätzung, Anerkennung und soziale Akzeptanz“, so Drexel. Um ihnen das geben zu können, braucht es Empathie: „Und dann wird aus dem Spirit auch ein Winning Spirit!“

Performance trotz Krisen

Aktuelle Entwicklungen am Kapitalmarkt veranschaulichte Valentin Hofstätter, Finanzmarkt-Spezialist bei der Raiffeisen KAG. Dass trotz laufendem Krieg in der Ukraine, Inflation und Wachstumsängsten das Kapitalmarkt­umfeld aktuell eine starke Performance zeigt, sei für viele nur schwer nachzuvollziehen. Problematisch sind die gefühlten bzw. erzeugten Unsicherheiten, die meist durch die mediale Berichterstattung getragen werden. „Seien Sie sich bewusst, was in der Zeitung steht, ist weit weniger wichtig für den Anlageerfolg und für die Finanzmärkte meistens Schnee von gestern“, weiß Hofstätter.

„Die Energiekrise ist für den Finanzmarkt abgehakt.“ Als Endverbraucher merke man davon noch nichts, aber die Großhandelspreise auf den Energiemärkten sind bereits gesunken. „Auch die dramatische Inflation hat nach unten gedreht. Rein gefühlt ist sie noch immer viel zu hoch, aber wir sind schon im fallenden Bereich“, so Hofstätter, der zudem davon ausgeht, dass die Zinsanhebungen der EZB „praktisch zu Ende“ sind. „Einziger Wermutstropfen: So schnell werden die Zinsen nicht gesenkt werden.“

Den Kunden der Raiffeisenbank Kleinmünchen/Linz rät der Experte, nicht auf ein Ende einer vermeintlichen Krise zu warten, um am Kapitalmarkt zu veranlagen: „Nach der Krise ist bekanntlich vor der Krise.“ Außerdem sei ein Vermögensaufbau über der Inflationsrate nur durch Aktien möglich. Am Erfolgsprinzip habe sich dabei nichts geändert: „Investitionen breit streuen und genug Zeit mitbringen.“