RLB OÖ errichtet „modernsten Finanzplatz“

Mit dem Spatenstich begann der Bau der neuen Konzernzentrale im Linzer Neustadtviertel. Der Umzug der Mitarbeiter ist für Herbst 2029 geplant. Die Investitionssumme bewegt sich „in einem niedrigen dreistelligen Millionenbereich“.

Tradition, Nachhaltigkeit, aber auch Innovation soll das neue Headquarter der Raiffeisenlandesbank (RLB) Oberösterreich verbinden und damit den Raiffeisen-Spirit auch architektonisch umsetzen. „Unser Anspruch ist es, hier bis Ende 2029 den modernsten Finanzplatz des Landes zu errichten“, betonte Generaldirektor und Bauherr Reinhard Schwendtbauer beim Spatenstich. Das achtgeschoßige Gebäude wird in einer Holz-Hybrid-Bauweise errichtet und soll Kunden und bis zu rund 1.000 Mitarbeitenden auf einer Nutzfläche von rund 25.000 m2 Platz bieten. Mit dem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Konzept setze man bewusst ein Signal. Es gehe aber nicht nur darum, ein Gebäude zu errichten, sondern einen ganzen Stadtteil zu attraktivieren. Die Investitionssumme nannte der RLB-Generaldirektor mit Verweis auf laufende Ausschreibungen für diverse Bauarbeiten nicht. Sie bewege sich „in einem niedrigen dreistelligen Millionenbereich“.

Der Neubau, der sich in unmittelbarerer Nachbarschaft zum bestehenden RLB-Stammhaus befinden wird, sei „ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft“ der Raiffeisenlandesbank und solle für regionale Verbundenheit, Innovationskraft und Offenheit stehen, so Schwendtbauer. Zudem werde es als Herzstück für den „RLB OÖ Campus“ fungieren, der sich vom derzeitigen Headquarter anschließend an den Südbahnhofmarkt über das neue Gebäude bis zum Blumau Tower erstrecken wird. Nach dem Umzug dürfte das Raiffeisen-Stammhaus am Südbahnhofmarkt für zwei Jahre an die Stadt Linz vermietet werden, die ihr „Neues Rathaus“ renoviert. Wie es danach weitergehen wird, sei noch offen.

„Überzeugen, nicht verpflichten“

Grundsätzlich stehe das Büro im Wettbewerb zu anderen Arbeitsorten wie dem Homeoffice bzw. hybriden Arbeitsformen. Daher spielt die Qualität des Arbeitsumfelds bei der Wahl und Bindung an einen Arbeitgeber eine immer wichtigere Rolle. „Das Büro der Zukunft muss überzeugen, nicht verpflichten“, strich Schwendtbauer hervor. 

Visualisierung des Innenbereichs der RLB OÖ Zentrale
© RLB OÖ

Für Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer sei das Bauwerk „an sich schon ein Statement“. Gerade in Zeiten, in denen diskutiert wird, was alles zurückgenommen werden muss, nach vorne zu gehen und zu investieren, habe mit vielen richtigen wirtschaftlichen Entscheidungen zu tun. „Und bei ganz vielen ist die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Vorreiterin dabei“, strich Stelzer hervor. Bürgermeister Dieter Prammer strich den enormen Beitrag durch das Bauprojekt für die Stadt Linz hervor, das „ein Markenzeichen“ der Landeshauptstadt werde. Die RLB OÖ sei nicht nur eines der wichtigsten Finanzinstitute, sondern habe mit ihren Unternehmensbeteiligungen auch eine wirtschaftliche Power. Mit dem Bauprojekt werde der Standort, der zwischen der Innenstadt und der Industrie angesiedelt ist, weiter aufleben, ist sich der Bürgermeister sicher.

Dreijährige Bauzeit

Das Architekturkonzept geht auf den Siegerentwurf des Münchner Architekturbüros Henn aus dem Jahre 2019 zurück und wurde vor allem unter Nachhaltigkeitsaspekten überarbeitet. Der Neubau besteht aus insgesamt acht oberirdischen Stockwerken und einer Tiefgarage über vier Ebenen, berichtete RLB-OÖ-Beteiligungs- und Immobilienvorstand Gerald Aichhorn. Im Erdgeschoß sind Foyer samt Kundenempfang, ein Mitarbeiter-Restaurant, ein öffentliches Café und Bistro sowie Geschäftseinheiten entlang einer Fußgängerzone angesiedelt. Das erste Obergeschoß bildet die Kundenzone mit Piazza und wird auch zahlreiche Besprechungs- und Veranstaltungsräume beinhalten, während die restlichen Obergeschoße als Büroarbeitsbereiche konzipiert sind. Mit dem Spatenstich begann die offizielle Bauphase, die sich anfangs auf die Errichtung der Tiefgarage konzentriert. Ab Ende 2027/Anfang 2028 soll dann der Hochbau starten. Der Bezug des neuen Headquarters ist für Herbst 2029 geplant. „Nachhaltigkeit ist für uns kein Zusatz, sondern integraler Bestandteil der Planung – von der ersten Bohrung bis zum laufenden Betrieb“, strich Aichhorn hervor. 

Foto vom Spatenstich der neuen RLB OÖ Zentrale
Bürgermeister Dietmar Prammer, Landeshauptmann Thomas Stelzer, Generaldirektor und Bauherr Reinhard Schwendtbauer und RLB-Vorstand Gerald Aichhorn haben beim Spatenstich selbst Hand angelegt. © RLB OÖ/Maringer

Prestigeprojekt

„Die Bedeutung dieses neuen RLB-Headquarters kann für das nachhaltige Bauen in Österreich nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es bringt den Holzbau in eine neue Dimension – und auch in eine neue Sichtbarkeit“, betonte Erich Wiesner, geschäftsführender Eigentümer der Wiehag Timber Construction GmbH aus dem oberösterreichischen Altheim, die den Holzbau realisieren wird. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren zahlreiche internationale Pionierprojekte umgesetzt. Gebäude dieser Art zeigen eindrucksvoll, dass Holzbau auch bei komplexen, mehrgeschoßigen Gebäuden eine tragfähige Lösung sei. Der hohe Vorfertigungsgrad sorge für Präzision, Qualität und einen deutlich effizienteren Bauablauf. Gleichzeitig werden Bauzeit, Lärm, Staub und Abfall auf der Baustelle erheblich reduziert. 

Insgesamt werden 12.640 Festmeter speziell zertifiziertes Rundholz verbaut – überwiegend heimisches Fichtenholz. „In Österreichs Wäldern wächst pro Sekunde rund ein Kubikmeter Holz zu. Die Holzmenge, die für den Bau des neuen Headquarters benötigt wird, ist also bereits nach weniger als fünf Stunden schon wieder nachgewachsen“, erklärte Georg Schöppl, Vorstandssprecher der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), die als ein Holzlieferant für das Projekt fungieren. Zudem werde man auch Holz von den oberösterreichischen Holzbauern beziehen, ergänzte Schwendtbauer. 

Übersichtsgrafik des Neubaus
© RLBOÖ/Henn

Mit der Verwendung von Holz können hochemittierende Materialien substituiert werden, strich Wiesner hervor. Ebenso wichtig sei es, dass faktisch über die Lebensdauer des Gebäudes das CO2 in der Tragestruktur eingespeichert bleibe. Im Vergleich zu konventionellen Stahlbetonkonstruktionen verursacht dieses Holzhybridtragewerk rund 36 Prozent weniger CO2-Emissionen. Durch die Verwendung von rund 4.600 m2 Brettschicht- und Brettsperrholz werden insgesamt etwa 3.150 Tonnen CO2 langfristig gebunden. Diese Menge entspricht in etwa 652 Erdumrundungen am Äquator mit einem Mittelklasse-Pkw. 

Auch beim Energiekonzept setzt die RLB OÖ auf erneuerbare Technologien. Geplant sind 87 Erdwärmesonden mit bis zu 150 Metern Tiefe, Photovoltaikanlagen und ein campusweites Energienetz, mit dem das Gebäude ganzjährig energieautark beheizt und gekühlt werden soll. Außerdem werden im Zuge des Projekts rund 5.000 Quadratmeter bisher asphaltierter Fläche entsiegelt und zusätzlich 53 neue Bäume gepflanzt. Teil des Konzepts ist außerdem eine Neugestaltung der Goethestraße als beruhigte Fußgängerzone mit zusätzlichen Aufenthaltsbereichen.

AusgabeRZ23-2026

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